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1400 feiern das Hamelner Oktoberfest – die Kellnerinnen vollbringen Höchstleistungen

Sportliche Disziplin: Bierkrüge stemmen

Hameln (mo). Fesche Madeln, stramme Waden. Die Hände im Himmel und die Füße auf den Bänken. Bunt gemusterte Dirndl und Krachlederne aus Hirschleder. Für einen Abend tauschen die Hamelner ihre rot-weiß-blaue Fahne mit dem Mühlstein gegen die blau-weiße Rautenflagge der Bayern. Die sonst eher zurückhaltenden „Preißn“ von der Weser imitieren feierwütige Bajuwaren so gut es geht. Hameln feiert sein Oktoberfest, eine Mischung aus Karneval und Après-Ski-Party.

veröffentlicht am 22.10.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 08:41 Uhr

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Millionen bevölkern in München die Wiesn, hier strömen 1400 Hamelner in ihre Rattenfänger-Halle. Die sonst nüchterne Atmosphäre der Mehrzweckhalle ist dem Flair eines urgemütlichen Festzeltes gewichen. Und richtig nüchtern bleiben heute wohl die wenigsten. 3000 Liter Oktoberfestbier stehen bereit, um die Kehlen herunter zu rinnen. „O’zapft is“ – vom Rattenfänger persönlich. Mit zwei, drei, nein mit vier kräftigen Schlägen bringt er den Gerstensaft zum Laufen. „Oans, zwoa, gsuffa“! Es kann losgehen. Doch selbst zu den Biertischen laufen will er dann doch nicht.

Diesen Knochenjob erledigen andere. In München werden sie „Zenzi“ oder „Annerl“ gerufen, hier heißen sie Isabelle, Klara, Lavinia und Nadine. 25 Kellnerinnen und Kellner sind unterwegs gegen den großen Durst. Rastlos rennen, rempeln, ranschleppen. „Wollt ihr noch Bier?“ Hinstellen, Abkassieren, nächster Tisch! Außer für ein charmantes Lächeln oder mal ein Handyfoto bleibt da keine Zeit. Schon werden an der Theke die nächsten Krüge – korrekt gefüllt immerhin 2,3 Kilogramm schwer – gegriffen, und erneut beginnt ein kraftvoller Slalomlauf durch die Menschenmassen, gekonnte Jonglagen inklusive. Eine Mischung aus sportlichem Mehrkampf und Rechenolympiade. „Wie viele Kilometer ich zurücklege, weiß ich gar nicht“, sagt die 21-jährige Bedienung Nadine, im wahren Leben Bankkauffrau, als sie sich zwischen den Bänken ihren Weg bahnt.

Spätestens nach der „zwoaten“ oder dritten Maß steigt das Stimmungsbarometer ins Unermessliche. Inzwischen findet selbst der größte AC/DC-Fan unter den Feierwütigen, dass wohl doch die Kastelruther Spatzen die tollste Band der Welt sind. Oder die Allgeier. Die Musiker aus dem Allgäu sorgen „An Tagen wie diesen“ dafür, dass gleich Hunderte meinen, der „Anton aus Tirol“ zu sein, und dies gleich auf den Bänken tanzend lauthals singend kundtun.

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Der weiß-blaue Rausch wird immer blauer: Beschwingt tanzende Paare, ausgestreckte Haxen, Bier getränkter Hallenboden – die Wege an die Tische werden für Nadine & Co. härter. „Hände nach oben und den Kopf schützen.“ Klara hat das nötige Durchsetzungsvermögen und die Routine von sechs Oktoberfesteinsätzen. Und „stark wie ein Tiger“, wie es die Menge im „Fliegerlied“ grölt, ist sie auch. Ihr heutiger Rekord steht bei elf Maßkrügen, dem Gewicht eines Zementsacks.

Die Beine der Servicekräfte scheinen schwerer zu werden. 25 Schweine haben sie gleich ganz verloren – für 100 Haxen! Die stillen neben 80 Leberkäsen, 1000 Bratwürsten und etlichen Weißwurstpaaren die Fleischeslust der Feiernden. Fleischeslust andere Art steigt mit dem Sinken der Hemmschwelle. „Ins Dekolleté wird geschaut, mit Ansage, und das zur Genüge“, erzählt Klara. Aber sonst seien die Hamelner gesittet, grapschen ist hier nicht. Aber dankbar für den Service sind sie: „Das klappt gut. Die sind so flott unterwegs, stehen kaum. Isabelle betreut unseren Tisch, freundlich und nett.“ Achim Sippel aus Coppenbrügge und Michael Richter sind rundum zufrieden mit der Oktoberfestsause. Und Isabelle mit 10 Euro Trinkgeld, das sie anfangs gleich entgegen nehmen konnte. Bezahlt werden die Kellnerinnen hier nicht nach Umsatz, sondern pro Stunde. Und der sei „angemessen für die Arbeit“, die sie hier in den sieben Stunden leisten, ist von Isabelle zu erfahren.

Fotos von Hüttengaudi und Oktoberfest finden Sie unter www.dewezet.de.



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