weather-image
Geliehene Buntstifte und Essen vom Schiller-Gymnasium: Ein Besuch bei den Kindern der ausgebrannten Kita

Spielen im Provisorium

Hameln. Mittwochmittag, 13 Uhr. Trotz strahlend blauem Himmel herrschen in der Hamelner Innenstadt nur 9 Grad. Charlotte sitzt mit einer pinken Pudelmütze auf dem Kopf am Rande des Kinderspielplatzes im Innenhof der Kurie Jerusalem und malt ein Bild. „Das ist ein Schmetterling“, sagt die Vierjährige und wechselt den orange- gegen einen pinkfarbenen Buntstift. Als ich sie frage, wie es ihr hier gefällt, überlegt sie kurz. „Gut“, sagt sie, die Sommersprossen auf ihrer Nase tanzen in der Mittagssonne. Besser als vorher? Charlotte scheint auf einmal einzufallen, dass irgendetwas anders ist als sonst. „Genauso gut“, sagt sie mit kurzer Verzögerung – und dann malt sie weiter, als würde sie gar nicht wahrnehmen, dass der Buntstift, der Stuhl, der Tisch, der ganze Kindergarten ein anderer ist.

veröffentlicht am 27.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:58 Uhr

270_008_7043212_hm_202_2703_kiga.jpg
Wiebke Kanz

Autor

Wiebke Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die 36 Jungen und Mädchen der am frühen Dienstagmorgen ausgebrannten Kindertagesstätte an der Domeierstraße scheinen sich am schnellsten an ihr neues, provisorisches Domizil an der Alten Marktstraße gewöhnt zu haben. Während sie auf den nackten Fliesen des Multifunktionsraumes herumrutschen und Kita-Leiterin Gudrun Heinrichs erklärt, dass hier natürlich noch ein Teppich fehle, etwas Schallschutz sowie Stellwände, um in dem großen Raum mehrere kleine Spielecken einrichten zu können, wird klar: Ankommen, sich eingewöhnen, die neue Situation realisieren – das müssen hier vor allem die Erwachsenen.

Damit das möglichst schnell geschieht, zieht, so der Eindruck, im Moment die ganze Stadt an einem Strang: Am Dienstag kamen die beiden nach dem Brand heimatlosen Kita-Gruppen kurzfristig im städtischen Kultur- und Bildungshaus „Regenbogen“ unter, seit gestern nun teilen sie sich mit dem „Kinderspielhaus“, in dem nachmittags Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren betreut werden, die Kurie. Die Kita der Eugen-Reintjes-Stiftung, die „Altstadtmäuse“ und die Kita Rohrsen/Hilligsfeld haben Spielzeug, Buntstifte und Möbel gespendet – alles, was andernorts nicht dringend gebraucht wird, erreichte gestern die Alte Marktstraße. „Die Kinder haben sogar einen eigenen Eingang“, berichtet Heinrichs, „und Mittagessen bekommen wir von der Mensa des Schiller-Gymnasiums geliefert“.

Für wie lange sich der Kindergarten in der Kurie einrichten muss, weiß niemand so genau. Neue Erkenntnisse darüber, ob das Feuer durch einen technischen Defekt oder möglicherweise doch durch Brandstiftung ausgelöst wurde, gibt es bislang nicht. „Wir stellen uns darauf ein, dass wir mehrere Monate lang nicht zurück in unsere Kita können“, sagt Kita-Leiterin Heinrichs.

270_008_7043210_hm_201_2703_kiga.jpg
  • Die Kinder der ausgebrannten Kita an der Domeierstraße spielen bis auf Weiteres in der Kurie Jerusalem. Andere Kindergärten spendeten Spielzeug und Möbel, das Mittagessen kommt von der Mensa des Schiller-Gymnasiums – und sogar ein eigener Eingang wurde kurzerhand geschaffen. ww

Die Kinder, die ab 13 Uhr nach und nach im „Kinderspielhaus“ eintreffen, nehmen ihre neuen „Mitbewohner“ jedenfalls mit offenen Armen auf: „Es ist viel besser, wenn die Kleinen hier sind“, sagt ein Mädchen – bevor es sich auf den Spielplatz stürzt. Das Spielen im Provisorium funktioniert bereits bestens.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare