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Lokale Bundestagsabgeordnete stimmten mit Ja

SPD und Grüne feiern „Ehe für Alle“

HAMELN/ BERLIN. Plötzlich ging alles ganz schnell: Der Bundestag hat am Freitag Ja zur Öffnung der Ehe für Homosexuelle gesagt. Eine große Mehrheit der Abgeordneten stimmte dafür, auch die drei Bundestagsmitglieder aus dem Weserbergland, Gabriele Lösekrug-Möller (SPD), Jutta Krellmann (Linke) und Michael Vietz (CDU).

veröffentlicht am 30.06.2017 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 30.06.2017 um 18:50 Uhr

Mit einhundert bunten Luftballons gaben SPD und Grüne ihr „Ja-Wort“ für die „Ehe für alle“. Foto: Dana
Michael Zimmermann

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Noch sehr beeindruckt, wie voll das Parlament an diesem Freitagmorgen war, freute sich Jutta Krellmann über das „Super Ergebnis“. Die Öffnung der Ehe auf den Weg zu bringen, habe ihre Partei über viele Jahre versucht. „Toll, dass es jetzt geklappt hat.“ Aber auch in anderen Punkten wie der sachgrundlosen Befristung müsse die SPD über ihren Schatten springen. Die Abstimmung zeige, dass eine Linke Mehrheit in den vergangenen Jahren vieles hätte anpacken können.

„Trotz eines kritikwürdigen Verfahrens und aus meiner Sicht noch offener rechtlicher Fragen“, habe Vietz zugestimmt, wie er hinterher erklärte. Aus seiner Fraktion stimmten außer ihm noch 74 weitere Abgeordnete für die Eheöffnung. „Durch die Ausdehnung des Instituts der Ehe auf Personen gleichen Geschlechts wird keine bestehende oder zukünftige Ehe rechtlich oder moralisch schlechter gestellt“, so Vietz. „Sie werden weder infrage gestellt noch entwertet.“ Grundsätzliches Ziel bleibe zwar die Förderung von Familien mit Kindern, die Entscheidung für eine Ehe sei aber „immer eine Entscheidung für ein zutiefst wertkonservatives Lebensmodell“. Dem gebühre Respekt und Zustimmung. Für das Thema hätte er sich jedoch eine breitere Diskussion gewünscht.

Dass ihr Parlamentarierleben mit so einer Entscheidung ende, freue sie sehr, sagt Gabriele Lösekrug-Möller, die sich im September nicht mehr zur Wahl stellt. Besonders zufrieden sei sie, dass die Gesetzesänderung eine so große Mehrheit gefunden habe. „Es ist ein großer Gewinn für diejenigen, die jetzt heiraten dürfen und niemand hat dadurch etwas verloren.“

Die Bundestagsdebatte habe sie persönlich als sehr facettenreich und „im Wesentlichen respektvoll“ empfunden. Die SPD habe die Gunst der Stunde nutzen müssen und nun Klarheit in der Frage der Gleichstellung geschaffen. „Wir haben heute Diskriminierung beendet“, sagt Lösekrug-Möller. „Solche Tage sind gute Tage.“

Gute Laune auch bei SPD und Grünen vor Ort: Mit einhundert bunten, herzförmigen Luftballons, die sie am Rathausplatz in die Luft steigen ließen, feierten sie am Nachmittag das Abstimmungsergebnis. Mit der Entscheidung für die „Ehe für alle“ sei in diesem Zusammenhang endlich ein längst überfälliger Schritt gemacht worden, der auch in der Gesellschaft bereits breiter Konsens sei.

Sobald klar gewesen sei, dass die Entscheidung noch am Freitag kommen sollte, haben sie ein Zeichen setzen wollen, erklären die beiden Hamelner Ratsfrauen Tomke Meier (SPD) und Anett Dreisvogt (Grüne), die die gemeinsame Aktion kurzfristig geplant hatten, der sich auch die Vorsitzende der Fraktion Frischer Wind/Piraten anschloss. Sie hätten darauf aufmerksam machen wollen, wer jahrelang für die Öffnung der Ehe gekämpft habe, sagt Meier. „Und das war nicht die CDU.“ Vier Jahre in der Großen Koalition hätten für die SPD in dieser Frage auch einige Zwänge bedeutet, sagt sie. Der sich seit Montag abzeichnende Spielraum habe nun aber genutzt werden müssen. Ihre Ratskollegin Anett Dreisvogt findet es „super, dass es endlich passiert. Das ist ein tolles Zeichen.“ Der erste Antrag der Grünen sei schließlich schon 1994 in den Bundestag eingebracht worden. Auf diesen Tag habe sich lange gefreut.

Dass alle drei Bundestagsabgeordneten mit Ja stimmten, zeige, wie weltoffen und bunt Hameln-Pyrmont sei, findet Meier. „Die Region zeichnet sich durch ein gutes Miteinander aus.“ Das habe nicht zuletzt auch die Flüchtlingskrise gezeigt. So sieht das auch Dirk Adomat. Für den SPD-Landtagskandidaten aus Hessisch Oldendorf liegt die Stärke der Region darin, „dass wir und guter Nachbarschaft miteinander leben.“ Die Menschen würden nicht nach ihrem Lebensmodell beurteilt, sondern nach ihrem Engagement in der Gemeinschaft.

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