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Ministerpräsident spricht mit Häftlingen

Spaziergang durch das Gefängnis

Hameln. Gerade als Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Rasen des Fußballfeldes betritt, fällt ein Tor. Die jungen Häftlinge jubeln. Weil besucht im Rahmen seiner Sommerreise die Jugendanstalt Hameln (JA), um sich ein Bild von den Haftbedingungen zu machen. Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) begleitete ihn.

veröffentlicht am 28.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Nicht bloß ein Pressetermin, sondern ein ganz besonderer Tag ist dies für den 21-jährigen Merano. Seit sieben Monaten lebt er in einer Zelle von knapp zehn Quadratmetern. Wegen Körperverletzung. Im nächsten Monat werde er vorzeitig entlassen, sagt er. Dass Weil mit ihm gesprochen hat und ihm für die Zukunft Glück wünscht, bedeute ihm viel. Sein Zellennachbar hingegen ist von der Besuchergruppe wohl nicht begeistert. Aus seiner Zelle dringt laute Rapmusik.

Merano ist einer der Häftlinge, die noch im Altbau des Gefängnisses untergebracht sind. Wolfgang Kuhlmann, der stellvertretende Anstaltsleiter, erläutert die Probleme des von 1980 stammenden Gebäudes. Der Aufenthaltsraum des Personals sei zu weit weg von den Zellen eingerichtet – unpraktisch für die Aufsicht. Wolle sich ein Mitarbeiter mit einem Häftling zu einem persönlichen Gespräch treffen, habe er die anderen Häftlinge nicht mehr im Blick.

Wie es besser geht, zeigt Kuhlmann im soeben sanierten Teil des Gebäudes: Eine Art Glasaquarium ist in den Aufenthaltsraum der Häftlinge integriert. Hier können die Mitarbeiter die Situation zwischen den Jugendlichen und jungen Erwachsenen überwachen, während sie andere Aufgaben erledigen. Eine Sichtachse führt zu dem Flur mit den Haftzellen. „Je besser die Aufsicht, desto länger können die Häftlinge draußen bleiben“, erklärt Niewisch-Lennartz.

Dann setzen sich die Politiker mit den Sprechern der Häftlingsgruppen zusammen. „Warum kommen die Häftlinge zu dir?“, will der Ministerpräsident wissen. „Die meisten beschweren sich übers Essen.“ Einer der Sprecher ist Abiturient, eine Seltenheit in der Jugendanstalt. Nur etwa 30 Prozent der Gefangenen verfügen bei Haftantritt überhaupt über einen Schulabschluss. Der junge Mann hingegen hat einen Plan für die Zeit nach der Entlassung: „Ich möchte Tiermedizin studieren.“ Vom Gefängnis direkt an die Uni – „das wäre eine gute Karriere“, bemerkt Weil. Warum der junge Mann einsitzt, will der Regierungschef wissen. „Jugendsünden“, antwortet der Häftling verschämt.

Wie es sich anfühlt, in einer Zelle zu übernachten? Zumindest die Justizministerin weiß es. Sie habe in ihrer Referendarzeit einmal den Versuch unternommen. „Eine besondere Erfahrung“, sagt sie.



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