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Baugebiet in Tündern soll zügig kommen / Emotionale Diskussion

Spatenstich vielleicht schon im Frühjahr 2017

HAMELN. Der dritte Abschnitt des Baugebietes in Tündern sorgt auch nach einem Jahr für emotionale Diskussionen unter den Anwohnern. Bei einer Sondersitzung des Ortsrats ging hervor, dass das Baugebiet vielleicht schon im Frühjahr 2017 kommen soll.

veröffentlicht am 09.06.2016 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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HAMELN. „Mir war gar nicht bewusst, wie heiß die Kartoffel wirklich ist“, sagte Bernd Schmalenberger. Der Diplom-Ingenieur vom „Planerzirkel“ aus Hildesheim gab zu, dass er die Aufgabe, eine für alle tragbare Lösung im Streit um den dritten Abschnitt des Baugebiets „Auf der Linkworth“ in Tündern zu finden, womöglich nicht angenommen hätte. Dass das Thema auch nach über einem Jahr der Gespräche und Runden Tische noch immer heiß diskutiert wird, zeigte sich am Mittwochabend in einer Sondersitzung des Ortsrats in Tündern.

In einer emotionalen Debatte kritisierten die 30 anwesenden Anwohner der ersten Abschnitte und der Langen Straße den Kompromiss zwischen Stadt, Landbesitzern, zusammengeschlossen im Realverband, und der Sparkasse Hameln-Weserbergland als Erschließungsträger. Dieser sieht vor, dass die 27 Bauplätze über eine südliche Zufahrt in Verlängerung der Langen Straße erschlossen werden. Ein 20 Meter langes Teilstück eines Feldwegs stellen die Landbesitzer zur Verfügung – ursprünglich ging es um 47 Meter, die der Realverband aber nicht verkaufen wollte, um weiter zu den Feldern gelangen zu können.

Acht Bauplätze sollen nur von Norden aus anfahrbar sein

Sechs weitere Bauplätze sind optional. Sie befinden sich auf Privatgrundstücken, könnten aber ebenfalls im dritten Abschnitt erschlossen werden. „Das funktioniert nur, wenn alle mitmachen“, sagte Schmalenberger. Nach Abschluss der Arbeiten sollen acht Bauplätze räumlich abgetrennt werden und anschließend nur noch von Norden her anfahrbar sein. Zwischen den Abschnitten sind zwei Fußwege als Verbindung zu den übrigen 19 Bauplätzen geplant.

Im Eingangsbereich der südlichen Zufahrt sollen zwölf Parkplätze eingerichtet werden – sie sind für die Beschäftigen der Grundschule und Kita vorgesehen und sollen Teil eines Konzepts sein, um für eine „vernünftige Entspannung“ der Verkehrsprobleme im Bereich Lange Straße zu sorgen, wie Stadtbaurat Hermann Aden es formulierte.

Laut Andreas Seidel, Leiter der Abteilung für Ordnung und Straßenverkehr, rührten die Probleme an der Langen Straße aus Sicht der Stadt vornehmlich vom Parkplatz-Suchverkehr her. Die meisten Stellflächen an der Straße seien bislang von Dauerparkern – wie den Lehrern und Erziehern – besetzt, was morgens und mittags an den Einrichtungen häufig zu „gefährlichen oder verkehrsbehindernden Situationen“ führe.

Deshalb will die Verwaltung nun erstmals im Stadtgebiet eine „Elterntaxi“-Haltestelle vor der Grundschule schaffen. Dazu würde der Parkstreifen zu einer Hol- und Bringzone umgewandelt werden, in der Fahrzeuge maximal drei Minuten stehen dürften. „Wir hoffen, dass wir den Verkehr auf der Langen Straße so besser organisieren können“, sagte Seidel. Es sei viel Überzeugungsarbeit notwendig. Die Stadt arbeitet bei dem Projekt mit der Schul- und Kitaleitung zusammen, es sind Flyer und Info-Veranstaltungen geplant, um die Eltern für die Maßnahmen zu sensibilisieren.

Während sich die Mitglieder des Ortsrats freuten, dass nun ein Durchbruch im Streit um den dritten Bauabschnitt gelungen sei, äußerten die Anwohner zahlreiche Einwände. So sagte Margit Burr, Sprecherin von 15 Anwohnern der Langen Straße, dass aus ihrer Sicht nicht von einem Kompromiss zu reden sei. „Fakt ist, wir kriegen hier zusätzlichen Verkehr, obwohl wir durch Schule, Kita und Sporthalle ohnehin schon sehr belastet sind.“ Im Umfeld gebe es bereits genügend Parkplätze, meinte Burr und zeigte sich wenig überzeugt, ob die von der Stadt angekündigten Maßnahmen greifen werden. Zudem zweifelte sie an, dass sich die Autofahrer an die neuen Regelungen halten würden.

Aden entgegnete, dass die Missachtung von Verkehrsregeln wohl ein explizites Problem der Tünderaner sei. „80 bis 85 Prozent der Menschen halten sich automatisch an Verkehrsregeln.“ Auf die übrigen müsse man einwirken – notfalls auch mit verstärkten Kontrollen, deutete er an.

Christian Ohm wünschte sich stellvertretend für zahlreiche Anwohner, dass der stark frequentierte Spielplatz, bislang provisorisch an der Straße „Hellbergblick“ angelegt, in den dritten Abschnitt versetzt würde – so wie es ursprünglich mal vorgesehen war. André Horstmeyer als Vertreter der Sparkasse versprach, diese Anliegen gemeinsam mit Schmalenberger prüfen zu wollen. Als einen Grund nannte Ohm den „geballten Verkehr“, was Aden aber relativiert wissen wollte. Er fragte sich: „Wer fährt mit denn auf dem Dorf mit dem Auto zum Spielplatz“ – und erntete spöttisches Gelächter.

Achim Bandorski wollte die Zahl der nördlichen Bauplätze noch von acht auf vier reduzieren. Der Grund: Die Häuser sollen schon bald von der Kreisstraße aus nur noch über den ersten Abschnitt aus erreichbar sein. „Wir wissen nicht, was passiert, wenn im Norden der zweite Abschnitt dicht gemacht wird“, sagte er. Aden stellte jedoch klar, dass das nicht möglich sei. „Es allen wirklich recht zu machen, ist nicht das Wesen eines Kompromisses“, sagte der Stadtbaurat und zeigte sich zuversichtlich, dass der Spatenstich bereits im Frühjahr 2017 erfolgen könnte. Ortsbürgermeisterin Elke Meyer (SPD) meinte schließlich: „Wir bringen den dritten Abschnitt auf den Weg. Das ist ein riesiger Gewinn für den Ort.“

20 Bauanfragen liegen vor

Der Erschließungsträger ist zufrieden: André Horstmeyer, Geschäftsführer der Sparkasse Weserbergland Finanzservices GmbH, freut sich, dass „alle Beteiligten sehr konstruktiv gearbeitet und sich zielorientiert verhalten“ hätten. „Das liegt auch daran, dass man über Sinn und Nutzen unseres Vorhabens nicht lange reden musste“, meint er. Bislang lägen der Sparkasse etwa 20 Anfragen vor. „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Horstmeyer. Die Interessenten stammen laut seiner Aussage vornehmlich aus dem Raum Hameln und dem näheren Umfeld. Beim Kreditinstitut gibt man sich zuversichtlich, dass schon bald die Handwerker und Bagger auf der Linkworth anrücken können. „Natürlich muss das Projekt, wie stets in solchen Fällen, den Weg durch die erforderlichen Gremien und Ausschüsse gehen“, sagt Horstmeyer und schätzt, dass man nach einem beschleunigten Verfahren im ersten Quartal 2017 soweit sein könnte.



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