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„Der verführte Verführer“– eine Premiere

Spannende Reise in die dunkle Psyche des Pfeifers

Hameln. Wie er schreitet, tänzelt, hüpft und springt, mit dämonischen Gesten die Zuschauer lockt, wie er flüstert, säuselt, zürnt und wettert, mit irrem Gelächter die winzige Flöte zückt – das lässt keinen kalt, das geht unter die Haut. Wenn Claus Lindner als „Der verführte Verführer“ Hamelns Pfeifer ein neues, finsteres Gesicht gibt, ist das Publikum wie paralysiert. Dieser Rattenfänger zieht in seinen Bann.

veröffentlicht am 08.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Als Reise in die dunkle Psyche eines Mannes, der in dramatischem Kontrast zu dem bisher so bunten und fröhlichen Rattenfänger steht, hat Regisseurin Johanna Kunze ihr Ein-Mann-Stück angelegt, das als theatralische Inszenierung im Rattenfänger-Jubiläumsjahr neue, düstere Akzente setzt. Eine ungewöhnliche Stadtführung auf historischen Pfaden, die tief eintaucht in Hamelns Vergangenheit.

Mit den vielen Aspekten der Sage, mit den sozialen Strukturen im Mittelalter, mit Hygiene, Rattenplage und Pest hat sich die Regisseurin und Dramaturgin intensiv auseinandergesetzt und eine Handlung geschaffen, die sich wie ein Puzzle aus vielen einzelnen Geschichten zusammensetzt, als exzentrisches Episoden-Theater dem Zuschauer immer neue Einblicke gibt und Interpretationsmöglichkeiten nicht zuletzt im Hinblick auf das Verschwinden der Kinder erschließt. Was war das für ein Mann in dem zerlumpten Kostüm, das ihm für diese Inszenierung auf den Leib geschneidert wurde? Ein Abenteurer? Ein hinterlistiger Betrüger, Scharlatan und Abzocker? Ein harmloser Irrer? Ein Kinderschänder? Ein Psychopath? Oder doch eher der Gedemütigte, Betrogene, Missbrauchte und Verführte? Der von einer selbstsüchtigen, eitlen Gesellschaft ins Abseits geschickte Outlaw und Underdog?

Jede Geschichte, die hier erzählt wird, ist in sich schlüssig, enthält vertraute historischen Fakten, die in den Raum gestellt und neu bewertet werden. Theorien geben Spekulationen Nahrung. Vieles bleibt offen, mysteriös und rätselhaft. Und am Ende ist es der Zuschauer, der selbst urteilen muss, welche der angebotenen Facetten einer ambivalenten Figur für ihn die glaubwürdigste ist. Johanna Kunzes „verführter Verführer“ gibt nicht nur eine Antwort auf die Fragen nach der Psyche des Pfeifers. Sie gibt viele spannende Antworten.

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Facetten einer ambivalenten Persönlichkeit: Claus Lindner zeigt unter der Regie von Johanna Kunze die dunkle Seite eines Rattenfängers, der als „verführter Verführer“ die Zuschauer in

den Bann zieht.

Fotos: Dana

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