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Ausstellung „versus: vis-a-vis“

Sonya und Bernd Schlüter küssen die „arche“ wieder wach

HAMELN. Was hat sie nicht schon alles erlebt und überlebt, die „arche“ – und auch jetzt: Phoenix aus der Pandemie-Asche. Ein Dino unter allen Künstlergruppen, die längst einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde beanspruchen könnte. Jetzt zu sehen: Sonya und Bernd Schlüters Werke.

veröffentlicht am 18.09.2021 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2021 um 17:00 Uhr

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Reporter

Was die „arche“ unter anderem auszeichnet und einzigartig macht: Künstlerehepaare wie Sonya und Bernd Schlüter, die mit „versus: vis-a-vis“ am Freitagabend eine Vernissage ganz ohne double trouble in der „arche“-Galerie erleben durften – und, wie Dr. Andreas Hoppe als Laudator es formulierte, die „arche wieder wachgeküsst“.

Und Hoppe, zusammen mit Gisela Gührs ebenfalls ein Künstlerehepaar, das bereits mehrfach gemeinsam in Gruppenausstellungen am Haspelmathturm beteiligt war. Und natürlich an Irene und Josef Apportin erinnert, die beiden Ausnahmekünstler, die vor fast siebzig Jahren die „arche“ mitgegründet haben und zuletzt posthum hier gemeinsam ausgestellt wurden.

Es gibt eine ganze Reihe Beispiele in der Kunstgeschichte, in der die Partnerin in die Rolle der „Muse“ gedrängt wurde und auf eigenes künstlerisches Schaffen verzichten musste. Max Beckmann und Minna Tube als Beispiel, auch Clara und Robert Schumann – aber auch gleichberechtigt wie Hilla und Berd Becher mit ihren seriell fotografierten Industrie-Bauten und aktuell Christo und Jeanne-Claude, deren Traum von der Verhüllung des Pariser „Arc de Triomphe“ am Sonnabend posthum verwirklicht wurde.

Fast ein bisschen programmatisch der Titel, den die Schlüters mit „versus: vis-a-vis“ gewählt haben, wobei versus für gegenübergestellt stehen mag und vis-a-vis für auf Augenhöhe und gleichberechtigt. Zwei Künstlerindividuen – sie: Malerin, er: Fotograf – die sich von zwei so unterschiedlichen Seiten einander angenähert haben. Für Sonya Schlüter ist es die Malerei, das Spiel mit Farben und Formen als Basis. Fotos zur Dokumentation brachten sie dazu, sich zunehmend mit digitalen Techniken zu beschäftigen – die klassisch gemalten Skizzen-Bilder am Bildschirm weiterzuentwickeln. Dabei entstanden so eigenständige wie eigenwillige Bilder, die in der vis-a-vis-Sicht mit den Fotografien von Bernd Schlüter frappierende Übereinstimmungen erzielen.

Für Schlüter war es ein orkanartiger Sturm, der vor Jahren über Hameln hinwegfegte und dabei Plakate von Litfaßsäulen gerissen und ebenso rudimentäre wie pittoreske Schichten zurückgelassen hatte. Anlass für unzählige Fotos, die Bernd Schlüter in einer Straßen-Performance am Wilhelmsplatz als Plakate auf die „entblätterten“ Säulen kleben ließ. In Bilderserien finden sich nun Motive davon in einheitlich strengen Formaten, die an Kirchenfenster erinnern, wie Hoppe feststellte oder auch Klaviertasten. Gelegenheit jedenfalls, die so detailreichen, verspielten Arbeiten zu entdecken. So wie Sonya Schlüters Bilder zunehmend an Fotografien erinnern, mutieren Bernd Schlüters Fotografien zunehmend zu raffinierten Gestaltbildern.

In seiner Begrüßung dankte „arche“-Chef Prof. Wulf Schomer ausdrücklich der Stadt für ihre finanzielle Unterstützung in „schwerer Pandemiezeit“. „Die arche“, so Schomer, „segelt also weiter“. Das Ausstellungsthema nannte er ein „vielseitiges, ästhetisches Spannungsfeld zwischen Malerei und Fotografie“. Ratsherr Gerhard Paschwitz überbrachte Wünsche von Rat und Verwaltung und bekannte sich zur „arche“ und dem Wunsch hier finanziell abzufedern, weil, wie er sagte, „uns sonst etwas wegbricht“.


Die Ausstellung bleibt unter Pandemie-Bedingungen bis 7. November geöffnet.



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