weather-image
14°
Warum will die Stadt die Filetfläche neben der Solarsiedlung nicht mit Häusern bebauen?

Sonnige Aussicht nur für Schafe

Hameln. Das Wohnen in Südhanglage ist beliebt. Den Hamelnern bieten sich dort schöne Aussichten auf die Innenstadt, den Klüt, das Wesertal. Die Grundstücke am Rotenberg waren deshalb einst schnell vergeben. Wer darauf spekuliert hat, dass dieses Wohngebiet bald nach Osten erweitert wird, wo das ehemalige Militärgelände Ravelin Camp seit vier Jahren auf seine Nachnutzung wartet, dürfte enttäuscht sein: Häuser werden oberhalb vom Reimerdeskamp mindestens bis zum Jahr 2033 nicht gebaut. Stattdessen bekommt die Solarsiedlung am Rotenberg einen zehn Hektar, also 100 000 Quadratmeter, großen Solarpark an die Seite. Über diese Nutzung sind sich die Stadtverwaltung und die Bundesrepublik Deutschland einig. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Planung hat im April einstimmig für den Solarpark votiert, auch der Verwaltungsausschuss gab danach grünes Licht.

veröffentlicht am 19.06.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 18:41 Uhr

270_008_6423079_hm106_Wal_2006.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Bebauungsplan ist zwar noch nicht rechtskräftig, der Bund als Eigentümer des früheren Armee-Areals aber aktiv geworden. Er sieht das Projekt als Mosaikstein für die von der schwarz-gelben Regierung propagierte Energiewende. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sucht über das Internet einen Pächter, der auf dem Hang eine große Photovoltaikanlage errichtet und für 20 oder 25 Jahre betreibt. An den Erlösen aus dem Stromverkauf möchte der Bund beteiligt werden. Die Ausschreibung läuft noch bis Freitag kommender Woche. Seit Jahren heißt es in Hameln, die Solarinvestoren stünden Schlange, um diese Fläche nutzen zu können.

„Wir haben verschiedene Nutzungen erwogen“, erklärt Volker Mohr, Fachbereichsleiter Planen und Bauen im Rathaus, „die Fläche ist aber temporär nur für Photovoltaik geeignet.“ Für den Wohnungsbau reiche die Nachfrage nicht aus, für gewerbliche Nutzungen seien die anderen mit dem Briten-Abzug 2014 frei werdenden Grundstücke besser geeignet.

Die Stadt versucht seit vielen Jahren, ihr Baugebiet Hottenbergsfeld vollzubekommen. Dass die Klientel für das vom Stadtzentrum vier Kilometer entfernte, von Bundesstraße und Eisenbahnstrecke tangierte Neubaugebiet möglicherweise nicht dieselbe ist, räumt auch Mohr ein. Mit einer Distanz von nur zwei Kilometern bis zur Innenstadt und noch kürzerem Weg zu Lebensmittelgeschäften und Dienstleistern, zum Kindergarten und Schulzentrum, zum Wald und Feld könnte Ravelins Camp ein Filetstück städtischen Wohnens sein. Doch die Stadt will das Thema „Konversionsflächen vorsichtig steuern“, wie es der Planer ausdrückt. So wird das insgesamt sogar 40 Hektar große Ex-Gelände der britischen Streitkräfte in der Nordstadt erst einmal liegen gelassen – für mindestens zwei Jahrzehnte.

Immobilien-Experte: „Möglichst zentral

und schön soll es sein“

Dabei bestätigt Mohr den Trend zu „höherwertigem Wohnen in Innenstadtnähe“, wie er von heimischen Immobilienexperten unisono beschrieben wird. „Der Markt ist seit 2012 wieder sehr rege“, berichtet Silke Störp von der Volksbank Hameln-Stadthagen. Günter Hellmich (Sparkasse Weserbergland) schildert: „Es besteht ein spürbarer Bedarf an innenstadtnahem Wohnraum für Studenten, junge Familien und für Ältere, die aus umliegenden Dörfern herziehen wollen. Qualitativ hochwertige Wohnungen sind ebenfalls im vorrangigen Bedarf.“

Das historisch niedrige Zinsniveau trägt sicherlich zu dieser Entwicklung bei. Der Zinssatz für Geldvermögen liegt inzwischen teilweise unter der Inflationsrate, gleichzeitig ist das Baugeld so billig wie nie. Auch nach Beobachtung von Gerd Hundertmark (Stadtsparkasse Hameln) wird zunehmend und von allen Generationen in Immobilien investiert – ob in Eigentumswohnungen oder Häuser, ob in alten oder neuen Bauten. „Möglichst zentral und schön soll es sein“, erzählt er von den Wünschen der Interessenten. Mohr unterstreicht: „Eine Stadt hat ein Interesse daran, dass die Menschen zentral wohnen. Diese Innenentwicklung ist in Hameln gewünscht.“ Dadurch wird die städtische Infrastruktur besser genutzt, gleichzeitig durch kurze Wege die Umwelt geschont.

Dass der Bund die Ravelin-Fläche nun nur verpachten statt verkaufen will, erleichtert nach Einschätzung Mohrs die Übergabe. Dadurch seien von Eigentümerseite keine umfangreichen Rückbauten und Erschließungen nötig. Giftige Altlasten gibt es laut Bima auf den für Photovoltaik vorgesehenen Flächen nicht, daneben vielleicht schon: „Als mögliche Belastung kommen Kohlenwasserstoffe und anorganische Schadstoffe aus dem ehemaligen Lager für Öl, Benzin und Schmierstoff sowie Metalle, PAK 1 (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) und bakteriologische Schadstoffe aus einer ehemaligen Kläranlage infrage“, heißt es in der Ausschreibung. Bei „Bodeneingriffen“ müsse besonders vorsichtig vorgegangen werden, denn „Kampfmittelbelastungen bei militärisch genutzten Liegenschaften sind grundsätzlich nicht auszuschließen“. Die Beseitigung der Kampfmittel erfolge durch den Pächter, eine Kostenübernahme durch die Bima wird aber in Aussicht gestellt. Der Bund verlangt vom Pächter, die „vorhandenen Zweckbauten“ abzureißen. Die Kosten „können mit dem monatlich zu zahlenden Entgelt verrechnet werden“. Im Einvernehmen mit der Stadt hat die Bima einen Grünordnungsplan sowie die Kartierung des Vogel- und Reptilienlebens in Auftrag gegeben. Auf dem Grundstück weiden seit 2011 Schafe – dies wird beibehalten.

Langfristig bleiben andere Optionen offen, betonen die Stadtplaner. In der Kernstadt gebe es im übrigen noch viele Lücken, die von Bauwilligen geschlossen werden könnten.

Internet: http://erneuerbare- energien.bundesimmobilien.de/ expose/150376/suche-nach-potentialflaechen/69773360



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare