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Was Unternehmerinnen von der Forderung der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) halten

Sollen „Quotenfrauen“ Chefetagen der Wirtschaft erobern?

Hameln (ni). Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will Frauen den Weg in die Chefetagen der deutschen Wirtschaft ebnen. Doch das von der streitbaren CDU-Politikerin anvisierte Mittel zur Erreichung dieses Zieles ist umstritten. Mit der von der Leyenschen „Frauenquote“ tun sich offensichtlich nicht nur Männer, sondern auch weibliche Führungskräfte schwer. Wir haben Reaktionen von Frauen aus der heimischen Region eingefangen. Begeisterung hört sich anders an.

veröffentlicht am 01.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 05:41 Uhr

I. A. Lohmann
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An den Zahlen gibt es nichts zu deuteln: Frauen sind auf der Vorstandsebene und in den Aufsichtsräten großer Firmen eindeutig unterrepräsentiert. An dieser Tatsache hat auch die vor zehn Jahren von zahlreichen Unternehmen unterzeichnete Selbstverpflichtung nichts geändert, für einen höheren Frauenanteil in den Spitzenpositionen ihres Unternehmens zu sorgen. Ob mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Quote mehr Bewegung in die immer noch von Männern dominierten Chefetagen kommt – Irmgard A. Lohmann hat da ihre Zweifel.

Lohmann ist Steuerberaterin und vereidigte Buchprüferin mit eigenem Büro. Sie ist Arbeitgeberin und Mutter und darüber hinaus auf vielen Feldern engagiert: als Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU im Kreisverband Hameln-Pyrmont, als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Hamelner Frauenverbände, als Gründungsmitglied des Arbeitskreises Unternehmerinnen und als CDU-Abgeordnete im Kreistag. Eine Quotenregelung, wie von der Leyen sie anstrebt, „wird nicht schaden, aber auch nicht viel nutzen“, vermutet Lohmann. Gegen eine Einführung hätte sie trotzdem nichts einzuwenden, „denn es würde die Denke in den Personalbüros der Chefetagen sicher beeinflussen“. Allerdings sucht sie die Gründe für fehlende Frauenpräsenz in eben jenen Etagen beileibe nicht nur bei den Unternehmen – sondern genau so bei den Frauen selbst. „Frauen trauen es sich oft nicht zu, sich auf solche Posten zu bewerben“, sagt Lohmann und verspricht sich darum von einer Frauenquote auch, „dass sie Frauen motiviert, sich auf Führungspositionen zu bewerben“. Hinterhertragen werde man ihnen diese Jobs nicht, „sie müssen sich schon selbst darum bemühen“. Und tatsächlich willens sein, die Früchte von 40 Jahren Emanzipationsbewegung auch zu ernten. Lohmann: „Da hat sich vieles zum Positiven verändert, doch die Frauen nehmen es noch gar nicht so an.“

Ohne flankierende Maßnahmen – und dazu gehört für Lohmann neben ausreichenden Betreuungsangeboten für Kinder auch eine Korrektur des in Kinder- und Schulbüchern immer noch vermittelten Idealbildes von der Frau als „sorgende Mutter“. Der sorgende Vater an der Seite einer Gattin, die ihre Karriereplanung mit der gleichen Zielstrebigkeit angeht wie der Mann, komme dagegen so gut wie gar nicht vor. Überkommene Vorstellungen von der Rollenverteilung in der Famlie lebten dadurch fort. Auch die Frauen ließen sich davon nach wie vor beeinflussen, steckten eher im Beruf zurück als sich den (versteckten) Vorwurf gefallen zu lassen, sie kümmerten sich nicht genug um ihren Nachwuchs – und tappten so in die Teilzeitfalle,

K. Bönsch
  • K. Bönsch
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„Ich bin prinzipiell gegen eine Qutenregelung“, sagt Kathrein Bönsch. Die Eigentümerin einer Werbeagentur engagiert sich politisch bei den Liberalen und hält überhaupt nichts von staatlichen Eingriffen in die Vertragsfreiheit der Unternehmen. Vielmehr sollte der Staat dafür sorgen, „dass die Kinder vom ersten Tag bis zum zehnten, besser noch bis 14. Lebensjahr vernünftig und verlässlich betreut werden“. Nur dann könnten sich Frauen auch als Mütter ihrer Karriere widmen und würden zu einem verlässlichen Partner für die Wirtschaft. Verlässlich deshalb, weil ihr der „kleine Makel der Schwangerschaft“ dann nicht mehr ins Gewicht fiele, der Frauen unter den heute gegebenen Bedingungen immer noch zu einem „unkalkulierbaren Risiko für die Unternehmen“ mache.

In einem ist Bönsch sich mit Lohmann einig: Auch in Deutschland müssen endlich Lebensentwürfe als selbstverständlich akzeptiert werden, die es Frauen erlauben, individuelle Karrieren zu verfolgen, ohne dass sie auf etwas verzichten müssen. Die es ermöglichen, dass eine Frau mit zwei, drei Kindern ohne gesellschaftliche Ächtung Vollzeit arbeiten kann, wenn sie das will.

Dass die Quote dabei hilfreich sein könnte, glaubt Bönsch allerdings nicht, sondern befürchtet eher das Gegenteil. Nämlich, dass jede Frau, die befördert wird, nachdem ihr Unternehmen die Quote eingeführt hat, dann unter dem Generalverdacht steht, dass dies mit ihrer tatsächlichen Qualifikation oder Leistung gar nicht so viel zu tun hat. Bönsch: „Wer möchte schon als Quotenfrau bezeichnet werden?“

Frauen in Führungspositionen sind noch die Ausnahme – auch, weil sie sich Spitzenposten nicht zutrauen?



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