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Michael Gordon im Interview

Sohn vom „Medicus“-Autor: „Das hätte mein Vater nie gedacht“

HAMELN. Für die Premiere von „Der Medicus“ im Hamelner Theater ist Michael Gordon extra eingeflogen. „Ich freue mich schon sehr auf das Musical“, sagt der Sohn von Autor Noah Gordon. Dessen Weltbestseller lieferte die Grundlage für die Inszenierung. Am Freitagabend um 19.30 Uhr steht die erste von 30 Shows an.

veröffentlicht am 13.12.2018 um 20:22 Uhr
aktualisiert am 14.12.2018 um 11:59 Uhr

Muschik, Moritz

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Der Flug von Michael Gordon hat etwas Verspätung. Am Nachmittag ist er in Hannover gelandet. Michael Boyer hat ihn abgeholt und sich erkennbar gemacht mit einem großen „Medicus“-Plakat. Gordon kommt aus Barcelona, dort lebt er. Jetzt sitzt er in einer Hotellobby in Hameln – und spricht über seinen Vater, den Bestsellerautor.

Michael Gordon, ihr Vater ist über 90 Jahre alt, lebt in den USA. Wie geht es ihm?
Er ist ein 92 Jahre alter Mann, aber ihm geht es soweit gut. Er genießt die Zeit. Nur er weiß auch, dass jeder, der dieses Alter erreicht, sich der Realität stellen muss. Wir sind regelmäßig in Kontakt. Und er freut sich, dass ich hier bin. Ich bin nicht mein Vater, aber ich tue mein Bestes, um ihn zu vertreten. Zur selben Zeit weiß ich, dass er es genießen würde, Hameln kennenzulernen.

Erreichen Ihren Vater noch immer Mails von Fans, die seine Bücher gelesen haben?
Ja, tatsächlich. Er freut sich sehr darüber. Die Mails kommen aus aller Welt. Es ist schön, dass viele Menschen seine Arbeit schätzen.

Michael Gordon im Gespräch mit Moritz Muschik. Foto: pr

Mit seiner Frau Lorraine, Ihrer Mutter, lebt er in einer Seniorenresidenz. Dort betreut er die Bibliothek, die er der Gemeinschaft geschenkt hat.
Auch meine Mutter hat sich daran beteiligt. Meine Eltern waren eine der ersten Paare, die in eine der Wohnungen gezogen sind. Die Bibliothek ist wunderschön, sehr geräumig. Es gibt sogar einen Kamin. Dort sind alle Genres zu finden. Meine Eltern sind sehr stolz darauf.

Wie war es für Sie, als Sohn eines Bestsellerautors aufzuwachsen?
Ich hatte eine normale und glückliche Kindheit. Ich war um die sechs Jahre alt, als sein erstes Buch zum Bestseller wurde. Er war sehr froh. Seine Arbeitszeiten als selbstständiger Autor haben gut zu uns Kindern gepasst. Er war verfügbar für mich nach der Schule, hat mir beim Baseballspielen zugeschaut.

Haben Sie sein Talent als Schriftsteller geerbt?
Nicht wirklich. Ich mag es, zu schreiben. Aber ich versuche nicht, die Karriere meines Vaters zu wiederholen. Ich manage die Rechte an seinen Werken, bin sein Berater.

Familie scheint bei Ihnen wichtig zu sein.
Ja, auf jeden Fall. Jeder hat sein eigenes Leben, aber auch die Arbeit meines Vaters ist uns allen wichtig. Mein Vater ist der kreative Gestalter, meine Mutter die, die alles managet und organisiert. Mein Vater ist nicht dafür bekannt, sehr organisiert zu sein (lacht).

Noah Gordon sollte eigentlich Arzt werden.
Ja. Besonders seine Mutter wollte, dass er zur Medizinschule geht. Gegen ihren Traum hat er Journalismus studiert. Ironischerweise hat er ein Buch mit dem Namen „Der Medicus“ geschrieben. Junge Leser schreiben uns, dass sie durch das Buch zum Medizinstudium gekommen sind. Mein Vater selbst hat nie Druck auf uns Kinder ausgeübt. Er wollte aber immer, dass ich einen Schreibkurs belege.

Haben Sie das getan?
Einen Schreibkurs habe ich nicht gemacht, aber einen Literaturkurs.

Wie oft haben Sie „Der Medicus“ gelesen?
Nicht so oft wie viele Fans, aber einige Male.

Der Roman wurde verfilmt, es gibt jetzt auch ein Musical in Hameln. Was bedeutet das Ihrem Vater?
Er ist sehr gerührt. Und er ist stolz, dass seine Arbeit in verschiedenen Formaten produziert wird. Das hätte er nie gedacht. Musicals sind ein anderes Medium, um die Story zu transportieren. Ich glaube, er ist sehr zufrieden.



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