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Am 31. Oktober machen Millionen Deutschen jetzt frei

So wirkt sich der neue Feiertag auf die lokale Wirtschaft aus

HAMELN. Viele Norddeutsche können sich über einen zusätzlichen Feiertag freuen: Der 31. Oktober, der evangelische Reformationstag, wird auch in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zukünftig frei sein. Aber wir wirkt sich das auf die Wirtschaft und unterschiedliche Branchen aus. Birte Hansen-Höche hat mit lokalen Unternehmen gesprochen.

veröffentlicht am 20.06.2018 um 15:44 Uhr

Zu Ehren Martin Luthers: Der 31. Oktober steht nun in Niedersachsen als Feiertag im Kalender. Foto: dpa
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Olé, olé, olé, olééé – nein, es geht nicht um Fußball, sondern das könnte der Jubelgesang vieler Menschen sein, die einen weiteren freien Tag in Aussicht haben, ohne dass sie dafür Urlaub nehmen müssen. Ach so, eines kurz in eigener Sache eingeworfen: Am 31. Oktober erscheint die Dewezet nicht. Arbeiten müssen einzelne Redakteure an dem neu gewonnenen Feiertag aber trotzdem – wie so viele andere Arbeitnehmer und Selbstständige auch. Das neue Gesetz, das am Dienstag vom Niedersächsischen Landtag beschlossen wurde, wirbelt einiges durcheinander.

Der Blick geht zu den Nachbarn in Nordrhein-Westfalen, flankiert von einer Ankündigung: Wir liefern euch künftig das Pendant zum Lippertag! Von „Rache“ will hier niemand sprechen, aber stellt euch ein auf Staus, übervolle Fußgängerzonen, volle Geschäfte, belegte Parkplätze. Minden, zum Beispiel, oder Bielefeld – im Gegenzug erhaltet ihr dann aber auch Schmerzensgeld am letzten Tag im Oktober. In Hameln dagegen bedeutet derselbe Tag: Ebbe in den Kassen einerseits, andererseits Füße hoch. „Für die Mitarbeiter ist das schön – ein freier Tag mehr bedeutet ja auch mehr Lebensqualität“, sagt Holger Wellner vom Einzelhandelsverband Hameln-Pyrmont. Und unterm Strich verteilten sich die Einnahmen dann einfach anders – für den Einzelhandel also kein Problem und gut verkraftbar.

Entspannen können dann auch Birgit Köpps-Padberg als Sprecherin der Hamelner Apotheken und ihr Team von der Allee-Apotheke sowie der Großteil der Mitarbeiter jener Apotheken, die für den Notdienst eingeteilt sind. „Wir machen immer eine Jahresplanung“, erzählt Köpps-Padberg, und nach der übernehmen die Löwenapotheke in Hessisch Oldendorf und die Hölty’sche Apotheke Coppenbrügge den Notdienst, den meist nur die Apothekerin oder der Apotheker selbst abdeckt. „Vorher und nachher ist bei uns immer besonders viel los“, sagt Birgit Köpps-Padberg über die grundsätzlichen Auswirkungen eines Feiertages auf den Betrieb in ihrer Apotheke.

Weil der Mensch naturgemäß vor Feiertagen von Versorgungsängsten heimgesucht wird, dürfte es in den Supermärkten und Discountern am 30. Oktober ähnlich zugehen. Ob die Einkäufe dann das wettmachen, was am Feiertag nicht herausgetragen wird, hängt von der Art des Feiertages ab. Stehen feierliche Familienessen an, könnte durch einen Feiertag ein Plus verbucht werden. Wie stark und auf welcher Seite ein Feiertag zu Buche schlägt, hängt stark davon ab, auf welchen Wochentag er fällt. Ein geschlossener Samstag schmerzt dort finanziell stärker als ein Mittwoch – oder auch nicht, weil er das Wochenende verlängert und die Menschen deswegen tendenziell mehr kauften, um zwei Tage zu überbrücken; der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) hat darüber keine gesicherten Erkenntnisse, wie Sprecher Christian Böttcher in Berlin am Telefon sagt. „Hätten wir auch gerne“, sagt Böttcher über den weiteren Feiertag. Berlin hat nämlich nur: noohoooin. So wie Niedersachsen damals… Allerdings wird auch dort überlegt, auch noch irgendeinen freien Tag zusätzlich einzuführen.

Während im Roten Rathaus also noch geschuftet werden muss, können die meisten Mitarbeiter der Hamelner Stadtverwaltung am 31. Oktober Lebeschön machen. Nur einige haben dann Bereitschaftsdienst, wie Sprecher Thomas Wahmes sagt. „Die Freude überwiegt“, ergänzt er und spielt damit auf einen Wermutstropfen an: So schön Freihaben ist, bedeutet das letztlich auch „noch mehr Arbeitsverdichtung“. Aber, immerhin, das Ungleichgewicht hinsichtlich der Feiertage gegenüber dem Süden verkleinert sich damit etwas. Die Feiertagsdifferenz in der Partie Niedersachsen : Bayern beträgt dann nur noch drei.

Im Sana-Krankenhaus wird die Besetzung von Normal-Betrieb auf die Wochenend- und Feiertagsstärke verringert, in der Notfallpraxis gelten statt der Mittwochszeit dann eben auch die Feiertagszeiten: von 10 bis 14 Uhr und von 17 bis 20 Uhr.

Und während einige Polizisten, Feuerwehrkräfte, Pfleger, Ärzte, Redakteure, Eltern Dienst schieben, werden die vorausschauendsten Planer unter den Arbeitnehmern dann schon längst den Kalender 2019 gezückt und ausgerechnet haben, wie sie den Brückentag am Freitag, 1. November, für sich am besten nutzen können.

Ach ja, Pastoren werden am 31. Oktober natürlich auch arbeiten – welche Pläne und Gottesdienste aber der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hameln-Pyrmont für den Reformationstag schmiedet, war am Mittwoch noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Mein Standpunkt
Birte Hansen
Von Birte Hansen-Höche

Im Internet wird geunkt: Hätte der neue freie Tag nicht im Juli oder August liegen können, und bitte immer auf einem Donnerstag? Bei allem Streit um den „richtigen“ Tag ist vielen Menschen, die am 31. Oktober Freizeit genießen können, der religiöse Hintergrund des Datums am Ende wohl egal.



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