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Amüsanter und lehrreicher Abend mit Erfolgsautor Bastian Sick

So macht Deutschlernen echt Spaß

HAMELN. Wie heißt die Mehrzahl von Ananas? Bestimmt nicht Ananasse. Wie viele Bindestriche bracht eine „Helmut Schmidt Schule“? Ist das „Deppen-Apostroph“ mittlerweile vom Duden erlaubt?

veröffentlicht am 07.04.2019 um 13:46 Uhr
aktualisiert am 07.04.2019 um 20:30 Uhr

Wie lautet die Mehrzahl von Ananas? Bastian Sick weiß es natürlich. Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Keine Frage, Bastian Sick ist nicht nur ein exzellenter Kenner der deutschen Sprache, sondern weiß sein Wissen auch hervorragend zu vermitteln. „Das ist Infotainment vom Feinsten“, schwärmte dann auch der Hamelner Jurist Dr. Jörn Hülsemann. „Unsere Juristensprache muss leider sehr präzise sein, da kann sie nicht immer kreativ sein“, bedauerte der 48-jährige Fachanwalt.

Als überaus kreativ erwies sich der Autor und Journalist Bastian Sick, Jahrgang 1965, dagegen im Umgang mit allerlei gängigen Sprachschludrigkeiten, die schon Gegenstand des ersten seiner mittlerweile 14 Bücher, seinem 2012 erschienenen Bestseller „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ gewesen waren.

Mittlerweile habe sich der Dativ im allgemeinen Gebrauch endgültig durchgesetzt, was Sick anhand von Beispielen wie „Sicherheitsbeamter von Gauck beklaut“ oder „Kritiker von Putin erschossen“ belegte.

In einer langen Reihe von Werbeinschriften illustrierte Sick verbales, orthografisches und grammatikalisches Nicht-Wissen, vom „Damen-Tischirt“ über das Angebot „Eine Pizza bestellen, zwei bezahlen“ bis zu den süßen „Panischen Orangen“.

Auch die Mehrzahl von „Ananas“ gab zu denken, manche Antworten wie „Ananässer“ oder „Anana‘s“ Anlass zum Tränenlachen.

Während das „Hohe Zeh“ jedoch noch amüsierte, mussten sich die Lacher und Schenkelklopfer im Publikum aber auch schnell die Grenzen des eigenen Sprachwissens aufzeigen lassen. Was bedeutet „unverwandt“? Heißt eine alle 14 Tage erscheinende Zeitung nun „vierzehntägig“ oder „vierzehntäglich“? Bin ich jemandem „wohlgesinnt“ oder „wohlgesonnen“? „Habe ich doch tatsächlich noch was gelernt“, musste auch eine ältere Lehrerin in der ersten Reihe eingestehen.

Was genau ist ein Busen? Wird ein „Deppen-Apostroph“ mittlerweile vom Duden toleriert? Wie steht es um die Zusammen- und Getrenntschreibung von Hauptwörtern? Alles das verdeutlichte Bastian Sick mit einer wahren Flut, vielleicht manchmal mit zu vielen, dennoch zweifellos rundum amüsanten Beispielen.

Sick ist kein moralisierender Sprachkritikaster, der sich ins allgemeine Lamento vom angeblichen rapiden Niedergang der deutschen Sprache einreiht. Im Gegenteil. Er tritt vehement für den Erhalt liebenswerter, aber außer Mode geratender Begriffe ein, sieht die Alltags- und Umgangssprache jedoch einem rasanten Wandel ausgesetzt. „Dabei gibt es einerseits viele kreative Wortneuschöpfungen, während anderes eben in Vergessenheit gerät.“ Sick agiert dabei ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger, macht aber klar, dass es den Wert, die Schönheit und die Ausdruckskraft des Deutschen zu bewahren gilt. So bleibt neben Lachnummer wie „Stet‘s frische Brötchen“ oder dem „Rentnerschlachtfest“ auch immer ein gut gemeintes, nachvollziehbares Bemühen um die Pflege und den Erhalt der deutschen Sprache. Auch wenn Sprachwissenschaftler Sicks Bemühungen kritisch sehen und seine Glossen als Pflichtlektüre nur eingeschränkt Aufnahme ins gymnasiale Kerncurriculum gefunden haben, ein Abend mit Bastian Sicks Infotainment in Sachen Deutschunterricht ist allemal amüsanter und lehrreicher als manch verschlafene Deutschstunde.



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