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Bima erklärt, wie der geringe Quadratmeterpreis zustande kommt

So kam es zum Kasernen-Schnäppchen

HAMELN. Ein Traum für Hausbauer: 1,32 Euro pro Quadratmeter, zentral, beste Lage, Schulen vor der Tür. Zum Vergleich: Am Schöt wird zurzeit ein Grundstück für 166 Euro pro Quadratmeter verkauft, am Basberg für 112 Euro. Das Kasernen-Gelände ist also ein echtes Schnäppchen, legt man lediglich den Kaufpreis zugrunde, den die Stadt in Form ihrer Tochtergesellschaft GSW zahlen muss. Aber wie kam es zu diesem Schnäppchen?

veröffentlicht am 25.05.2018 um 19:26 Uhr

Das Hauptgebäude auf dem Kasernengelände – dass es abgerissen wird, steht fest, wann es aber mit den Arbeiten losgeht, noch nicht. Foto: Dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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84 525 Euro für eine Fläche, die so groß ist wie fast neun Fußballfelder. Dass dieser Preis 390 000 Euro unter jenem liegt, mit dem die Stadt Hameln vor über einem Jahr kalkuliert hatte, bedarf einer Erklärung. Denn selbst die damals genannten 478 000 Euro konnten bereits als günstig bezeichnet werden. Welches die Ursachen für diese Differenz sind, lässt sich zurzeit nur vermuten: Die GSW verweist auf den Stadtbaurat Hermann Aden, der die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) geführt hat – und der in dieser Woche nicht da ist.

Grundsätzlich wirken verschiedene Faktoren auf den Preis, den die Bima letztlich für ihre Liegenschaften veranschlagt. Die Grundlage für die Wertermittlung bildet immer das Nachnutzungskonzept, das eine Kommune vorlegt, wie Thorsten Grützner von der Bima in Bonn erklärt. Knapp zusammengefasst heißt das: Verdient die Kommune hinterher mit dem, was sie dort vorhat, Geld, fällt der Kaufpreis höher aus. Ein Gegenbeispiel bildet das Wouldham Camp: Das 22 Hektar große Gelände, das Hochwassergebiet ist, soll renaturiert werden und wies am Ende einen negativen Verkehrswert aus. Der letztlich veranschlagte symbolische Preis: Ein Euro.

Grützner schildert, wie die Bima, ausgehend vom Konzept, weiterrechnet: „Von den Boden- und gegebenenfalls Gebäudewerten werden die Kosten für die Baureifmachung der Liegenschaften abgezogen.“ Dazu gehörten „insbesondere der erforderliche Rückbau vorhandener Gebäude und versiegelter Flächen, die erstmalige Erschließung von Straßen, Abwasserkanälen, Grünanlagen etc.“ Was genau berücksichtigt werde, zeige sich immer erst im Laufe der Verhandlungen, wenn feststeht, welche Maßnahmen auf dem Gelände ergriffen werden sollen und welche Kosten sie verursachen. „Bei dem von Ihnen genannten Betrag handelt es sich möglicherweise um einen Zwischenstand der internen Kalkulation der Stadt. Aus diesem Grund kann ich hierzu keine Stellung nehmen“, schreibt Grützner als Antwort auf die Frage, wie sich die große Differenz zwischen Preis eins und jetzigem Preis ergeben haben könnte. Abgesehen davon, hat auch für das Linsingen-Gelände eine Verbilligungsrichtlinie gegriffen, wie Grützner sagt: „Im Fall der Linsingen-Kaserne hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages eine Verbilligung des ermittelten Verkehrswertes gewährt.“ Im Ergebnis habe sich der Kaufpreis von 84 525 Euro errechnet.

Diese Verbilligungen werden Kommunen für bestimmte Nutzungszwecke von der Bima gewährt. Wie es jetzt mit dem Gelände weitergeht, ist noch offen. „Nach den Sommerferien“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes über den Zeitplan. Bezüglich der Aufgabenverteilung zwischen Mutter und Tochter liefen seit geraumer Zeit Abstimmungsgespräche. Die GSW ist übrigens, obwohl als GmbH aufgestellt, laut GSW-Geschäftsführer Christian Matter ebenso an Ausschreibungspflichten und Regeln fürs Vergaberecht gebunden wie die Stadt Hameln. 1,32 Euro pro Quadratmeter – das ist natürlich nicht alles, was an Kosten auf die Stadt zukommt. Für Abriss, Entsorgung, Planung und Bau hat die Verwaltung bislang mit rund elf Millionen Euro kalkuliert, denen 2,5 Millionen Euro Einnahmen gegenübergestellt werden. So teuer würden es private Hausbauer dann wohl doch eher in Ausnahmefällen angehen…

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