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100 Teilnehmer vom Amphiclub Berlin in Hameln zu Besuch / „Das Virus ist vererbbar“

Skurrile Gefährte zu Wasser und zu Lande

Hameln. Was am Sonntag erst auf und dann neben der Weser zu sehen war, verwunderte die Passanten sichtbar, ließ stolze Cabrio- und Limousinenbesitzer staunen und vielleicht sogar ein wenig neidisch werden: Die Autos auf der Weser. Und was für welche. In leuchtendem Türkis, strahlendem Pink, knallrot teils mit Sonnenschirmen bestückt, brachten sie sich erst langsam auf dem Wasser schippernd in Höhe des Marineschiffs Pluto in Position, um dann hintereinander als Autos die Rampe hinaufzuknattern. Aus ganz Deutschland waren zu Ostern 100 Teilnehmer zum „Familientreff“ mit 18 Amphibienfahrzeugen der Marke Amphicar des Amphicar Club Berlin nach Hameln angereist.

veröffentlicht am 13.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Heiko Gropp
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Organisiert hatte das Treffen das Ehepaar René und Christine Pohl aus Aerzen, ebenfalls Besitzer eines Amphicars. Als Quartier für die Teilnehmer diente das Gelände am Waldbad Halvestorf, von wo aus Fahrten mit den Amphibienfahrzeugen zu Lande und zu Wasser im Weserbergland unternommen wurden. Am Sonnabend wurde Hameln über die Straße angesteuert, um dann Rinteln über die Weser zu erreichen. Ostersonntag ging es über die B83 nach Bodenwerder, und von dort über die Weser zurück nach Hameln, wo sie das Wasser unter großem Applaus verließen und in einer Reihe auf dem Trockenen geparkt, von vielen Passanten bewundert wurden. Drei Stunden hatte die Fahrt von Bodenwerder nach Hameln gedauert – Stärkung in Form von Kaffee und Kuchen gab es für die Fahrer und Passagiere dann auf der Pluto durch die Marinekameradschaft Hameln.

Tour ohne den Rattenfänger

So ein Fahrzeug zu besitzen und zu fahren sei schon kein Hobby mehr, das sei Passion, sagt René Pohl. Mit 16 habe er die Gelegenheit gehabt, mit einem Amphicar mitzufahren. Danach stand für ihn fest, das wolle er auch: selbst eines besitzen und fahren. Der Lebenstraum ging in Erfüllung.

Gebaut wurden die Fahrzeuge mit ihren 38 PS und 1200 Kubikzentimetermotoren in Berlin und Lübeck bis 1967 als eigenständige Marke. Den Vortrieb im Wasser liefern zwei Schiffsschrauben, die aber nur bei näherem Hinsehen unter dem Heck des Wagens zu sehen sind. Salzwasser sei der größte Feind des Auto, so Pohl. Insofern schließe sich die Nordsee für Fahrten auf dem Wasser aus. „Und weil sie uns wertvoll sind, lassen wir die Fahrzeuge im Winter bei Eis und Schnee und vor allen Dingen bei Salz auf der Straße in der Garage.“

Mit Deutschlandflagge und 38 PS von Bodenwerder nach Hameln. Mit
  • Mit Deutschlandflagge und 38 PS von Bodenwerder nach Hameln. Mit rund 18 Amphibienfahrzeugen war der Amphicar Club Berlin in die Rattenfängerstadt gereist.
Ottmar Englert aus Neuenstadt zeigt auf eine der Schiffsschraube
  • Ottmar Englert aus Neuenstadt zeigt auf eine der Schiffsschrauben an seinem Amphicar.

40 000 Euro könne der Liebhaberpreis betragen, erklärt Pohl, „aber wer verkauft schon so ein Auto“. Die Fahrzeuge befänden sich zum Teil in dritter Generation im Familienbesitz – der „Amphicar-Virus“ ist eben vererbbar“. Wichtig für alle Besitzer seien der Spaßfaktor und innerhalb des Clubs der Zusammenhalt, die Freundschaften untereinander.

Etwas enttäuscht äußerte sich Christine Pohl über die Hamelner Marketing- und Tourismus GmbH. Dort hatte sie eine Stadtführung für die Clubmitglieder für Ostersonntag beziehungsweise den Rattenfänger angefragt. Er sollte, so der Wunsch, nach einer Fahrt mit dem Amphicar über die Weser zum Kaffee eingeladen werden und dann eine Stadtführung machen. Eine Antwort von der HMT sei leider ausgeblieben. Michael Boyer, erster Rattenfänger am Platz, habe sich zwar gemeldet und anklingen lassen, dass es ihm Sonntag nicht passe, der Montag aber möglich sei. „Da reisen ja aber schon alle wieder ab,“ so Pohl. Ihr Fazit: „Schade für die Stadt, und schade für uns. Wir hätten gerne für die Rattenfängerstadt in diesem Jubiläumsjahr geworben.“

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