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Wellness-Massagen für Hunde? Redakteur Frank Henke und Hund Pluto wagen den Selbstversuch

Skeptischer Spaniel trifft liegenden Leoparden

Von Frank Henke

veröffentlicht am 08.02.2009 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 13:21 Uhr

Ob Tellington-Touch oder nicht: Den Bauch gekrault bekommen, ist
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Hameln. Cockerspaniel Pluto hat Sinn für die schönen Dinge des Lebens: Spaziergänge am Nordseestrand, Ausschlafen am Sonntag, ein erfrischendes Bad an heißen Tagen (und eigentlich auch an kalten) und delikate Leberwurst-Kanapees möglichst in rauen Mengen. Wellness für Hunde? Passt da gar nicht schlecht ins Programm.

Die Hamelner Tierärztin, Heilpraktikerin und Tierverhaltenstherapeutin Dr. Gabriele Volker bietet in der Praxis Reinecke Kurse zur Wellness-Massage bei Hunden an. Dabei geht es aber nicht darum, dass die Expertin den gestressten Vierbeiner einmal gehörig durchknetet, sondern darum, den Haltern eine Anleitung für die gekonnte Tierentspannung zu vermitteln.

„Für die Besitzer

eine echte Hilfe“

Pluto führt sich beim ersten Termin gleich mal wie ein Hund auf, der Entspannung dringend nötig hat: Die Massage-Expertin ist ihm suspekt, der Fotograf ist eine echte Bedrohung und der Ort des Geschehens – eine Tierarztpraxis! – sowieso schon mal jede Skepsis wert. Der vorab zurechtgelegten kritischen Eingangsfrage, wozu um Himmelswillen Hunde denn nun Wellness benötigen, nimmt ein kurzer Seitenblick auf den gerade sehr verspannten Probanden sogleich die rechte Schärfe. „Manche Hunde stehen im Dauerstress“, führt Volker aus. Zum Beispiel, weil der Halter ungewollt Signale der Bedrohung aussendet. Oder aufgrund von traumatischen Erlebnissen. Muskelverspannungen, Probleme mit Fell und Haut oder Infektionen seien die Folge – eigentlich ganz wie beim gestressten Menschen. „Für die Besitzer ist es da eine echte Hilfe, Wege zu kennen, den Hund zu entspannen.“ Außerdem würde so die Bindung zwischen Tier und Mensch gestärkt.

Weil sich Pluto gerade lieber hinter einen Sessel verzogen hat, werden die Wege zu Entspannung und Zufriedenheit zunächst mal theoretisch erklärt. Volker ist seit zehn Jahren Heilpraktikerin. So schwört sie auf Akupressur, Akupunktmassage und Tellington-Touch (siehe „Stichwort“). Die korrekte Tellington-Berührung ist bereits eine Wissenschaft für sich: „Man muss sich eine Uhr vorstellen“, erklärt die Tierärztin. Die Hand beschreibt auf dem Hundefell eine Bewegung, die bei sechs Uhr beginnt und nach etwa einer und einer viertel Drehung bei acht bis neun Uhr endet. Die Intensität des Drucks sollte sich im Lauf der Drehung ändern. Aha. Die Handhaltung variiert von der „Muschel“ über den „Liegenden Leoparden“ bis zum „Waschbären“. So blumig heißen sonst nur Yoga-Stellungen.

Als Pluto sich wieder hinter seinem Sessel hervorwagt, ist er von dem freundlichen Gekreisel dann doch erstaunlich schnell überzeugt. Mit der Hand beschreibe ich kleine Kreise vom Nacken in Richtung Rute. Pluto liegt wie hingegossen auf seinem eigens mitgebrachten Schaffell und seufzt gelassen. Wobei ihn die Tellington-Kreise der Expertin seltsamerweise auffallend mehr entspannen als die gewohnte Hand des Herrchens. Gekonnt ist gekonnt. Aber warum nun ausgerechnet eindreiviertel Kreise? „Weil es eine ungewöhnliche Bewegung ist. Das sorgt für Aufmerksamkeit“, erklärt Volker. Plutos mitunter besinnlicher Blick gibt ihr Recht.

Energiefluss bei

Mensch und Tier

Bei unserem zweiten Besuch steht vor allem Akupressur auf dem Programm. Plutos kleiner Wellnesskurs wird zur flotten Rundreise durch die Welt der alternativen Medizin. Die heutige Station: Traditionelle Chinesische Medizin. Von Plutos Energiefluss ist die Rede. Von seiner sonnenzugewandten Yang- und seiner schattigen Yin-Seite. Und schon soll ich selbst meine fließende Energie zwischen den parallelgehaltenen Händen spüren – was misslingt. Die Heilpraktikerin ist ein bisschen enttäuscht: „Meistens fühlt sich nach einiger Zeit eine Hand wärmer an.“ Aber sei’s drum: Hier geht es um die Hunde-Energie. Als ich gut zwei Zentimeter über seinem Fell seinen „kleinen Energiekreislauf“ entlangfahre, stört ihn das zumindest nicht. Auch wenn er weiterhin die rettende Tür im Auge behält. Dann wird es handfester: Wir tasten uns zu einigen von Plutos Akupressurpunkten vor. Den Druck auf Yin Tang, bei Hund wie Mensch zwischen den Augen gelegen, quittiert Pluto mit mehlsackgleichem Zusammensacken. „Dieser Punkt sorgt für Entspannung“, sagt Volker. Pluto würde nicken, wenn es seine Art wäre.

Etwa eine dreiviertel Stunde dauert unsere Sitzung. Am Ende hat der Spaniel genug von den Bemühungen um seinen Energiefluss: Mit Karacho zieht er aus der Praxis, im Sinn vermutlich den nächstbesten Wald, einen modrigen Tümpel oder wenigstens einen schlammigen Feldweg. Die ganz klassische Art von Hunde-Wellness eben.

Termine: Dr. Gabriele Volker bietet Kurse zur Wellnessmassage bei Hunden in der Tierarztpraxis Dr. Reinecke, Klütstraße 32, an. Plätze frei sind noch in dem Kurs, der am Mittwoch, 18. März, beginnt (drei Termine jeweils mittwochs 18 Uhr, 40 Euro). Um das Thema „Wege zum entspannten Hund“ geht es auch in einem Vortrag am Dienstag, 24. Februar, 20.30 Uhr an selber Stelle (15 Euro). Anmeldung unter 05151/ 107117.

Akupressur? Gerne – am liebsten an den Ohren! Cockerspaniel Pluto lässt sich auf neue Erfahrungen ein.

Fotos: Wal



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