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Beratung, Treffen und Sprachkurse im Englischen Viertel geplant

Sinti schon bald mit mehr Rückendeckung?

HAMELN-PYRMONT. Es kommt Bewegung in die Sache einer Interessenvertretung der Sinti: Schon bald sollen einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma Räumlichkeiten des Landkreises zur Verfügung gestellt werden. Bestehende soziale Angebote von Kreis und Stadt sollen für Sinti erweitert werden. Auch die Gründung eines Vereins steht im Raum.

veröffentlicht am 10.05.2018 um 18:39 Uhr
aktualisiert am 11.05.2018 um 16:50 Uhr

Philipp Killmann

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Deutlicher hätte die Notwendigkeit für eine offizielle Vertretung der Sinti in Hameln am Mittwoch nicht zutage treten können. Dabei war es reiner Zufall. Der Landkreis hatte an diesem Tag, nachdem bereits im November ein Gespräch zwischen Kreisverwaltung, Stadt und Sinti stattgefunden hatte (wir berichteten), zu einem weiteren Austausch ins Kreishaus eingeladen, um gemeinsam zu überlegen, wie die Sinti vor Ort unterstützt werden könnten. Dabei wurde beiläufig bekannt, dass unmittelbar vor diesem Gespräch, nur wenige Räume weiter, eine ganztägige Veranstaltung zum Thema Antiziganismus stattfand, die sich speziell an Mitarbeiter von Verwaltungsbehörden gerichtet und zu der die Hamelner Beschäftigungsgesellschaft Impuls eingeladen hatte. Unter den Teilnehmern waren Informationen der Dewezet zufolge lokale Verwaltungsmitarbeiter, Schulvertreter, die städtische Integrationsmanagerin sowie jeweils ein Vertreter der Sinti und Roma. Die beiden Letzteren kamen allerdings nicht aus Hameln oder der Region, sondern vom Landesverband der Sinti und Roma im fernen Baden-Württemberg. Dabei hätte es mit Horst Rosenberg von der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma durchaus mindestens einen Hamelner Sinto als möglichen Ansprechpartner von hier gegeben. Doch so blieben die hiesigen Sinti und Roma bei dieser Veranstaltung außen vor.

Bei dem anschließenden Gespräch mit Landrat Tjark Bartels, Kreisrätin Sabine Meißner, Stadträtin Martina Harms, Swana Anders von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe und weiteren kommunalen Verwaltungsvertretern hingegen saß Horst Rosenberg nun mit am Tisch. An seiner Seite der Politologe und Historiker Boris Erchenbrecher, ebenfalls von der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma in Hannover, sowie Carmen Romano von der Hamelner Sinti-Familie Weiß. Rosenberg und Erchenbrecher stellten die Probleme und Herausforderungen dar, vor denen insbesondere Sinti heute stünden: ein nach wie vor recht stark ausgeprägter Analphabetismus sowie ein im Holocaust verwurzeltes Misstrauen öffentlichen Einrichtungen gegenüber, was beides zu Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Jobcenter und Vermietern führe, und Schulprobleme, die den Zugang zum Bildungssystem und Arbeitsmarkt erschwerten. Tatsächlicher Antiziganismus aufseiten von Nicht-Sinti sowie „gefürchteter Antiziganismus“ aufseiten der Sinti seien ein weiteres nicht unwesentliches Problem. Auf der anderen Seite gehe es darum, Wege zu finden, die Kultur der Sinti zu pflegen und die Sprache, das Romanes, zu erhalten.

Landrat Tjark Bartels und Stadträtin Martina Harms signalisierten Unterstützungsbereitschaft. Ein Raum für die bislang von zu Hause aus geleistete Beratungstätigkeit von Horst Rosenberg, für Gruppen- und Jugendtreffen sowie für Sprachkurse soll schon möglichst zeitnah zur Verfügung gestellt werden. Dafür, hieß es, böten sich zunächst die kreiseigenen Räumlichkeiten im Englischen Viertel in der Nordstadt an. Die bereits bestehenden sozialen Angebote der Kommunen, insbesondere des FiZ (Familie im Zentrum), sollen auch auf – und möglichst unter Einbeziehung von – Sinti zugeschnitten werden. Um die Selbstorganisation der Sinti zu fördern und die Unterstützung von außen zu erleichtern, steht zudem die Überlegung im Raum, einen Verein zu gründen.

In Staunen versetzte Boris Erchenbrecher die Verwaltungsvertreter mit der Information über die Höhe des vom Land Niedersachsen in diesem Jahr noch zur Verfügung gestellten Etats für Projekte zur Verbesserung der sozialen Teilhabe von Sinti und Roma: 150 000 Euro – die es laut Erchenbrecher nach jetzigem Stand im kommenden Jahr allerdings nicht mehr geben werde. Landkreis und Stadt kündigten in Anbetracht dieser unter den Anwesenden verschwindend gering anmutenden Summe an, intern wie extern zu prüfen, inwiefern die Arbeit unter Sinti weiterhin finanziell gefördert werden könnte.



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