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Auch Hamelner beschäftigt die Debatte um die Eigenbezeichnung

Sinti? Roma? Oder „Sinti und Roma“?

HAMELN. Sinti und Roma – diese Bezeichnungen sind für viele Deutsche Synonyme. Oftmals ist von Sinti und Roma in einem Atemzug die Rede. Tatsächlich gibt es jedoch nicht unerhebliche Unterschiede zwischen Sinti und Roma. Ein Umstand, der dieser Tage nicht nur überregional, sondern auch unter Hamelner Sinti heftig diskutiert wird.

veröffentlicht am 14.04.2017 um 16:31 Uhr
aktualisiert am 17.04.2017 um 19:11 Uhr

Romani Rose vom „Zentralrat der Sinti und Roma“ weist die Kritik der „Sinti Allianz Deutschland“, die Bezeichnung „Sinti“ durch „Roma“ ersetzen zu wollen, von sich. Foto: dpa
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Seit Mittwoch ist eine Online-Petition der „Sinti Allianz Deutschland“ im Umlauf. Es werden Unterschriften gesammelt. Die deutschen Sinti sollen von der Bundesregierung „als eigenständige deutsche autochthone Minderheit Anerkennung finden“, heißt es dort und weiter: „Sinti sind keine Untergruppe der Roma.“

Auch Hamelner Sinti haben die Petition in ihren Facebook-Chroniken geteilt. „Wir sind deutsche Sinti und keine Roma“, sagt ein Hamelner Sinto (39), der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Unsere Sitten, Religion und Mentalität sind ganz anders. Wir sind keine Ausländer, sondern Teil der deutschen Geschichte.“ Während Roma vor allem in Ost- und Südosteuropa leben, gibt es in Deutschland mehrheitlich Sinti, die auf eine lange deutsche Geschichte zurückblicken können. In Hildesheim wurden Sinti, damals noch „Tataren“ genannt, bereits im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Guiseppe Weiß (39), Sinto aus Hameln, sieht die „Tradition“ der Sinti in Gefahr: „Der Staat kann dann sagen: Die Roma dürfen ja im Krankenhaus arbeiten, dann müssen die Sinti das auch, denn das sind ja auch Roma. Aber unsere Sitten verbieten uns das.“

Deshalb fühlen sich einige Sinti vom „Zentralrat der Sinti und Roma“, der Bürgerrechtsorganisation von Romani Rose, offenbar nicht richtig vertreten. Schon vor zwei Jahren warf die Sinti-Allianz Rose, selbst Sinto, in einem offenen Brief vor, „Sinti als Untergruppe der Roma darzustellen“.

Dabei wird auch in der Wissenschaft von Roma als Oberbegriff gesprochen, demzufolge die Sinti eine von vielen Untergruppen sind. Das Wort „Roma“ kommt aus dem Romanes, was die Sprachen bezeichnet, die von Sinti und Roma gesprochen werden, und bedeutet „Menschen“ oder „Männer“. Aber offensichtlich identifizieren sich viele Sinti nicht mit dieser Zuordnung und wollen mit „Roma“ nicht in Zusammenhang gebracht werden. Sie sehen sich ausschließlich als Sinti.

Der Hamelner Sinto Reilo Weiß (69) kann die Sorge der Sinti-Allianz verstehen. Auch seine Befürchtung bestehe darin, dass Sinti und Roma unter einem Begriff zusammengefasst werden – ungeachtet der kulturellen Unterschiede, die es zwischen Sinti und Roma gebe. „Wir Sinti wollen unsere Kultur, unsere Sitten und Bräuche behalten“, sagt er. Wenn es aber den Begriff „Sinti“ nicht mehr gäbe, fürchtet Weiß, dann hätten die Sinti keine Grundlage mehr für die Verteidigung ihrer Sitten und Bräuche.

Der Zentralrat der Sinti und Roma wies auf Anfrage auf einen am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief an „Sinti und Roma“ hin, mit dem der Vorstand auf die Kritik reagiert. Es sei eine „bösartige Unwahrheit“, dass der Zentralrat die Bezeichnung „Sinti“ durch „Roma“ ersetzen wolle. Vielmehr habe der Zentralrat durchgesetzt, dass sowohl die Bundesregierung als auch internationale Organisationen wie die OSZE „nicht nur von Roma, sondern auch von Sinti sprechen“; daher auch die Selbstbezeichnung „Sinti und Roma“. „Mein Vorstand und ich versichern euch hier noch einmal: Wir bezeichnen uns heute als Sinti, morgen als Sinti und in der Zukunft als Sinti“, heißt es weiter.

Offenbar besteht nicht nur unter Deutschen, die keine Sinti oder Roma sind, Klärungsbedarf darüber, wofür Sinti beziehungsweise Roma steht.

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