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Schuleingangsuntersuchung: In Hameln-Pyrmont weit mehr Kinder mit „Auffälligkeiten“ als in Schaumburg

Sind Schaumburger Kinder tatsächlich besser als Hamelner?

LANDKREIS. Zwei Zahlen, viele Fragen. Zunächst die Zahl, die in Hameln für Schrecken sorgte: 35,6 Prozent. Nur etwas mehr als ein Drittel der Kinder in Hameln-Pyrmont , war nach ärztlicher Ansicht „ohne Auffälligkeiten“ und erhielten eine „uneingeschränkte Empfehlung“ für den Schulbesuch. Das stellten die Mediziner des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes in Hameln-Pyrmont fest.
Die Zahl, die im Nachbarlandkreis für Verwunderung sorgt: 62 Prozent. So viele Kinder erhielten in Schaumburg die uneingeschränkte Empfehlung. Sind unsere Kinder also klüger, besser oder reifer als die Kinder aus Hameln-Pyrmont? Ein genauer Blick auf die Zahlen zeichnet ein etwas differenziertes Bild.

veröffentlicht am 04.12.2018 um 14:46 Uhr
aktualisiert am 04.12.2018 um 16:00 Uhr

Lange hüpfen kann doch jedes Kind? Stimmt nicht, wie sich bei Schuleingangsuntersuchungen oft herausstellt. Wovon hängt es ab, was Kinder bis zur Einschulung können? Die Faktoren sind vielfältig: Der Ausbildungsgrad der Eltern spielt laut Niedersächs

Autor:

Birte Hansen-Höche und Jakob Gokl
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Ein Blick auf die Auswertungen des Vorjahres 2017 zeigen: Die Ergebnisse für die Hameln-Pyrmonter Kinder lagen in mehreren Bereichen unter dem Landesdurchschnitt und auch hinter den Schaumburgern, in anderen dagegen schnitten sie etwas besser ab. Eine zentrale Statistik, aus der hervorgeht, welchen Rang die Gesundheitsämter der jeweiligen Kommunen mit ihren Untersuchungsergebnissen auf Landesebene einnehmen, gibt es für die Öffentlichkeit nicht. Ausführliche Auswertungen der Teilbereiche und Einschätzungen zur Gesamtsituation jedoch sind Gegenstand des Berichts „Kindergesundheit im Einschulungsalter“, der alle zwei Jahre und zuletzt eben für 2017 veröffentlicht wurde.

Unter dem Landesdurchschnitt bei der Einstufung „ohne Auffälligkeiten“ blieb Hameln-Pyrmont demnach in den Bereichen Sehvermögen (69,1 Prozent im Vergleich zu 75,8 Prozent im niedersächsischen Durchschnitt und zu 74,4 Prozent in Schaumburg), grobmotorische Entwicklung (73,4 Prozent / 79 Prozent Land / 74,4 Prozent SHG) und Feinmotorik (71,4 Prozent / 73,6 Prozent / 56,2 Prozent). Beim Sprachvermögen lagen die Hameln-Pyrmonter mit 66,7 Prozent ohne Auffälligkeiten wiederum deutlich über dem Landesdurchschnitt von 57,2 Prozent und 47,1 Prozent in Schaumburg. Und das trotz eines hohen Anteils an Kindern mit Migrationshintergrund, verglichen mit Schaumburg. Dort stammten 81,2 Prozent aus Deutschland, in Hameln waren es nur 76,6 Prozent.

Eine Erklärung seitens des Landkreises Hameln-Pyrmont zur Einordnung der Ergebnisse und welche Konsequenzen aus ihnen gezogen wird, steht noch aus. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) erklärt auf Anfrage, dass es sowohl zwischen den Kommunen als auch innerhalb eines Gesundheitsamtes zu einer „Varianz der Daten“ kommen kann, sprich: Arzt A bewertet anders als Arzt B. Dass es grundsätzlich Handlungsbedarf gibt, ist jedoch unstrittig. So heißt es in dem Bericht: „Angesichts der vielen Auffälligkeiten im Bereich der Sprache, der Feinmotorik und des Verhaltens stellt sich die Frage, ob und wie Kinder künftig besser in ihrer Entwicklung unterstützt werden können.“

Die Frage stellen sich auch Schulleiter, die mit den Kollegen täglich vor der Herausforderung stehen, Kindern ohne und jenen mit (teils erheblichen) Auffälligkeiten gleichsam gerecht zu werden. Vor allem in der „Wahrnehmung“ und „Konzentrationsfähigkeit“ macht ein Schulleiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, bei zunehmend mehr Kindern Defizite aus.

Wenn ein Kind auffällig ist, Schwierigkeiten hat und/oder bereitet, gibt es Gespräche mit den Eltern, Hinweise auf Hilfe durch Ärzte, Berater, Therapeuten. Und wenn das nicht hilft? „Unser Problem ist: Wo soll das Kind dann hin?“, sagt der Schulleiter mit Blick auf nicht vorhandene Förderschulen für manche Belange. Manchmal „sind wir ratlos“. „Frühzeitig“ müsste den Kindern geholfen werden, denn „unser Problem ist: Sie sind dann erstmal da“, sagt er über die Kinder, die trotz aller Auffälligkeiten eingeschult werden, obwohl es ihnen guttäte, noch im Kindergarten zu bleiben. Und dann versuche er auch, sie so lange wie möglich zu halten und zu fördern.



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