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Kastanien am Infocenter wurden offenbar nicht fachgerecht geschnitten

Sind die Bäume zum Sterben verurteilt?

HAMELN. Besucher, die sich im Moment vor der vor dem Infocenter der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) aufhalten, werden sich wundern. Selbst der Laie sieht: Hier muss irgendetwas schief gelaufen sein. Etwas eigenwillig beschnitten steht die Kastanie direkt vor dem Eingang.

veröffentlicht am 29.05.2016 um 19:19 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:54 Uhr

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Michael Zimmermann

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Asymmetrisch thront die gekappte Baumkrone über dem Stamm. Gleich um die Ecke, an der Bushaltestelle an der Kastanienallee, erging es zwei weiteren Bäumen ähnlich. Auch sie wurden gestutzt, und das offenbar recht dilettantisch. Den Auftrag hat offenbar die HMT erteilt.

„An einigen Stellen wurde anscheinend noch nicht einmal gesägt, sondern einfach nur abgeknickt. So eine Ausführung verschandelt das Stadtbild“, meint Architekt und Stadtplaner Rald Medeke.

Er ist mit seiner Meinung nicht allein. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Hamelner Rat, Ursula Wehrmann, ist entsetzt: „Offenbar wurden noch nicht einmal die Wunden verschlossen. Diese Bäume sind damit praktisch zum Sterben verurteilt.“ Die ausführende Firma habe die Bäume an den Leittrieben so schwer beschädigt, dass diese über kurz oder lang absterben würden, klagt sie.

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  • Dass die Kastanien vor der HMT beschnitten worden sind, sorgt für Ärger mit der Stadt. Foto: Dana

Die drei Kastanien wurden vor etwa 15 Jahren dort gepflanzt, im Moment stehen sie in voller Blüte. Seit dem Jahr 2000 steht das Haus an dieser Stelle, wenig später kamen die Kastanien als Geschenk dazu. Die HMT verweist gegenüber der Dewezet darauf, dass sie die Bäume pflegen soll, darauf habe man sich damals geeinigt. Ein Beschnitt gehöre nun einmal dazu und müsse auch in gewissen Abständen erfolgen, schließlich gelten für das Infocenter als Passivhaus besondere Standards, um den niedrigen Ernergieverbrauch auch zu gewährleisten. Diese sähen unter anderem vor, dass die Fassade nicht verschattet wird. Bei so großen und schnell wachsenden Bäumen wie Kastanien passiere das allerdings sehr schnell. HMT will abwarten und die Bäume verstärkt bewässern

Hier liege auch der eigentliche Fehler. Passivhäuser und hohe Bäume passten einfach nicht zusammen. Im konkreten Fall seien die Kronen schon besonders nah am Gebäude gewesen und hätten mit ihrer Höhe auch die Solarzellen am Haus bald überwuchert. Der Beschnitt selbst sei nicht während der Blüte geschehen, sondern schon im Frühjahr. Erst jetzt, wo die Blätter voll ausgewachsen sind, falle einigen Leuten auf, dass die Krone anders aussieht.

Warum die Arbeiten nicht von einem Fachunternehmen ausgeführt wurden, konnte aber bisher noch niemand sagen. Offenbar wurde einer der Gärtner, die sich ohnehin um die Grünpflege auf dem Gelände kümmerten, beauftragt, die Bäume zu stutzen.

Die HMT will zuerst einmal abwarten und die Kastanien verstärkt bewässern. Anfang dieser Woche sollen dann Vertreter der Stadt zusammen mit der HMT beraten, ob und mit welchen Maßnahmen die Bäume noch zu retten sind.

Sollten sie mittelfristig doch absterben, wäre das bedauerlich, so Pressesprecherin Anastasia Patsiarizis. „Es ist aber in unserem Interesse, dann auch für Ersatz zu sorgen.“ Dann aber mit kleineren Bäumen, die langsamer sprießen.

Im Vorfeld hatte die HMT offenbar bei der Stadtverwaltung einen Beschnitt angefragt, dies wurde jedoch abgelehnt. Nun forderte die Stadt, die immerhin mit 75 Prozent Gesellschafter am Betrieb ist, eine Stellungnahme von der Leitung der HMT ein.

Aufsichtsrat und Verwaltungsausschuss wollten nicht nur mehr über die Beweggründe wissen, sondern auch, wie ein angemessener Ersatz für mindestens zwei der Bäume aussehen solle, sagt Ursula Wehrmann. Nur der Baum direkt vor der Tür gehört auch der HMT, die anderen beiden stehen auf öffentlichem Grund.

Der Wirbel um die Kastanien fällt in eine politisch brisante Phase. Am 15. Juni soll die umstrittene neue Baumschutzsatzung für die Kernstadt beschlossen werden, die höhere Ausgleichszahlungen und Ersatzpflanzungen für entfernte Bäume vorsieht.

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