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Falken weg – Silo am Hafen bald auch

Silo am Hafen: Abriss nach 50 Jahren

HAMELN. Jetzt geht es dem alten Silo am Hamelner Hafen an den Kragen. Die Sichtung von geschützten Turmfalken, die dort brüten sollten, hatte den Abriss im April verschoben. Auf dem Areal sollen künftig Lastwagen-Stellflächen entstehen. Wir erzählen die Geschichte des Zweckbaus.

veröffentlicht am 10.09.2018 um 14:07 Uhr
aktualisiert am 10.09.2018 um 22:10 Uhr

38 Meter hoch ist das alte Silo am Hamelner Hafen. Es soll abgerissen werden. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Der hohe Zweckbau am Hafen wäre fast wenige Wochen vor dem 50. Jahrestag seiner Errichtung dem Erdboden gleichgemacht worden. Wenn sich nicht ein ganzjährig geschützter Felsbrüter für das Gebäude interessiert hätte. Im April dieses Jahres – Abrissbagger standen schon parat – sollte der am Hamelner Hafen stehende Silo abgetragen werden. Der Abriss musste verschoben werden. Grund war die Sichtung eines seit 2015 auf der Vornwarnstufe der Roten Liste stehenden Vogels – dem Turmfalken (wir berichteten). Es war nicht ausgeschlossen, dass ein Falkenpaar in einem am Gebäude angebrachten Nistkasten brütete.

Hatte der Hafensilo in den vergangenen Jahren ausgedient, war der Bau bei seiner Fertigstellung auf dem damals neuesten Stand der Technik. „Im Hafen ist, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, ein neuer Akzent gesetzt worden“, schrieb die Dewezet 1968 über den Neubau, von dem sich Hameln eine Belebung des Hafenumschlags erhoffte. Den 38 Meter hohen Stahlprofilwand-Silo ließ die Zweigstelle der Wirtschaftlichen Landhandelsvereinigung (WLV) errichten. Fassungsvermögen: stolze 2500 Tonnen auf einer Grundfläche von neun mal 19 Metern.

Außergewöhnlich groß war in der damaligen Zeit die hohe Aufnahmeleistung. Zwei Fahrzeuge konnten gleichzeitig entleert werden. Pro Stunde verschwanden maximal 80 Tonnen Getreide im riesigen Stahlkoloss. Anhänger oder Sattelschlepper fuhren auf eine acht Meter lange Hydraulikvorrichtung und wurden zur Seite gekippt. Für Bauern bedeutete das kurze Wartezeiten.

Foto: Archiv/Dewezet
  • Foto: Archiv/Dewezet

An das schnelle Entladen des Getreides am Hafen erinnert sich Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender des Landvolks im Landkreis Hameln-Pyrmont. „Das war die leistungsstärkste Anlage im Stadtgebiet“, weiß der Landwirt aus Tündern noch heute.

Eine Trocknungsanlage mit einer Stundenleistung von fünf Tonnen sorgte dafür, dass das Getreide lagerfähig blieb. Aus dem Silo heraus konnte das Korn auf Lastwagen, Eisenbahnwaggons, aber auch Schiffe verladen werden.

Die Schaffung von Lastwagen-Stellflächen ist nun der Grund, weshalb das Gebäude weichen muss. Geplant sei, in dieser Woche zunächst einen Zwischenbau abzureißen, bevor danach der Silo abgetragen wird, heißt es von der Translogistik Hameln GmbH. Das Unternehmen betreibt seit 2010 auf dem Gelände am Senator-Meyer-Weg eine Spedition.

Die Falken haben sich inzwischen zurückgezogen. Mit dem Abriss kann begonnen werden. Dem Besitzer sei eine Befreiung vom § 44 des Bundesnaturschutzgesetztes genehmigt worden, heißt es von der Stadt Hameln. „Auflagen waren, dass die Brutzeit abgewartet werden und das Gebäude auf Fledermausvorkommen überprüft werden musste“, so eine Stadtsprecherin. Beides sei in der Zwischenzeit geschehen, Fledermäuse seien keine entdeckt worden.

„Aus unserer Sicht gibt es keine Bedenken mehr, dass sich noch Turmfalken am Gebäude aufhalten“, sagt Dietmar Meier vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Mit dem Gebäude verschwindet vermutlich auch der speziell auf den geschützten Vogel zugeschnittene Nistkasten, an dem bereits ein Dach fehlt. Eine künstliche Brutbehausung soll den Falken jedoch wieder zur Verfügung gestellt werden. Die Frage ist nur, wo der Kasten stehen wird. Die Untere Naturschutzbehörde suche einen alternativen Standort für die Niststätte, sagt die Sprecherin.



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