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Zum Weltlinkshändertag: Johanna Thiemer ist 20 Jahre alt, studiert Jura und sitzt im Stadtrat

Sie macht das mit links

Die Saiten ihrer Gitarre zupft Johanna Thiemer mit rechts. „Gewohnheitssache“, sagt sie. „Ich habe das von Anfang an so gelernt.“ Linkshänder wie sie haben oft mit den kleinen Tücken des Alltags zu kämpfen. Mal verwischt die Tinte beim Schreiben, mal fällt das Schneiden mit der Schere schwer.

veröffentlicht am 12.08.2018 um 11:24 Uhr

„Politik ist für mich der Weg, wie ich etwas bewegen kann“: Johanna Thiemer ist engagiert. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Foto: mo
Muschik, Moritz

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HAMELN. Das geht auch Johanna Thiemer so, die vieles mit links macht. Ganz so leicht ist die Organisation ihres Alltags aber nicht – denn der ist ganz schön durchgeplant. Sie studiert Jura in Hannover und sitzt als mit Abstand jüngstes Mitglied im Stadtrat in Hameln. „Neben Politik und Studium bleibt nicht so viel Zeit“, sagt sie. Aber sie macht das alles aus Überzeugung.

„Politik ist für mich der Weg, wie ich etwas bewegen kann“, sagt die Studentin. „Es war mir schon immer wichtig, selbst mit anzufassen – gerade, wenn man unzufrieden ist mit bestimmten Umständen.“ Und sie packt an. Seit zwei Jahren sitzt sie im Hamelner Stadtrat. Als sie gewählt wurde, war sie gerade mal 18 Jahre alt. Probleme, ernstgenommen zu werden, habe sie nicht. Sie würde sich aber wünschen, dass sich mehr junge Menschen engagieren. „Die Toleranz untereinander kann viel größer sein“, sagt sie. Das hat sie als Vorsitzende beim Ring politischer Jugend Hameln-Pyrmont festgestellt, dem Zusammenschluss mehrerer Jugendorganisationen.

Was sich ändern müsste, um mehr junge Menschen für Politik zu begeistern? „Es bräuchte viel mehr Partizipationsmöglichkeiten“, sagt sie. Viele hätten das Gefühl, dass es keinen Weg gebe, sich einzubringen. „Zumindest nicht so, dass man das Gefühl hat, etwas zu erreichen.“ Sie schlägt vor, interessantere Zugänge zur Politik schon über die Schule zu schaffen. „Bis zur Oberstufe fand ich Politikunterricht immer ganz furchtbar“, meint die 20-Jährige, die aufs Albert-Einstein-Gymnasium in Hameln ging. Bis zur Oberstufe habe es ihr im Politikunterricht an echten Themen gefehlt, über die sie diskutieren konnte. In der Oberstufe wurde das anders. Aus ihrer Sicht ist es wichtig, den „Zusammenhang zu schaffen zwischen dem, was man gerne macht und der Politik, die dafür notwendig ist“.

Nach dem Abitur vor zwei Jahren begann sie mit dem Jura-Studium in Hannover. Nebenbei fing sie an, sich stärker in der CDU zu engagieren. Sie begleitete den Wahlkampf, sprach mit Bürgern an deren Haustür. „Dabei habe ich gemerkt, was die Politik den Menschen bedeutet und was sie wirklich bewegt“, sagt sie. Ihre Arbeit im Stadtrat hilft ihr auch im Studium weiter. Sie kann Zusammenhänge besser verstehen, hat ein Beispiel vor Augen. Seit kurzer Zeit ist sie Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung. Einige Seminare kommen durch das Stipendium noch hinzu. Nach dem Ende der politischen Sommerpause stehen nun eh wieder mehr Sitzungen auf dem Plan. Doch Thiemer hat nicht das Gefühl, sich zu viel aufgehalst zu haben. „Aber klar: Ich muss meine Woche durchplanen. Sonst wird’s chaotisch.“ Sie studiert zwar in Hannover, wohnt aber weiterhin in Hameln. „Sonst müsste ich für die politischen Termine aus Hannover pendeln“, sagt sie. So fährt sie lieber zum Studieren nach Hannover, lernt hauptsächlich von Hameln aus.

Momentan absolviert sie ein Praktikum im Amtsgericht, muss noch eine Hausarbeit schreiben. „Von der vorlesungsfreien Zeit merke ich nicht so viel“, sagt sie. Johanna Thiemer meint aber auch: „Wenn einem etwas Spaß macht, macht man es gerne.“ Vielleicht macht man es dann sogar mit links …



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