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Nach Überfall auf Tankstelle: Nachtschalter sollen Schutz bieten

Sicherheit oder Profit? Warum Pächter auf einen Nachtschalter verzichten

Hameln. Nach dem Überfall am vergangenen Wochenende auf die Westfalen-Tankstelle an der Pyrmonter Straße werden Rufe nach einem Nachtschalter laut. Sie sind eine Option für mehr Sicherheit, aber manche Pächter verzichten offenbar darauf. Dazu gehört auch die Westfalen-Tankstelle. Aber warum ist das so?

veröffentlicht am 24.02.2016 um 19:11 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Hameln. Nach dem Überfall am vergangenen Wochenende auf die Westfalen-Tankstelle an der Pyrmonter Straße werden Rufe nach einem Nachtschalter laut. Drei Unbekannte waren am frühen Samstagmorgen in das Geschäft gestürmt, bedrohten eine 39 Jahre alte Angestellte mit einem Messer und nahmen Bargeld sowie eine noch unbekannte Menge Zigaretten mit (wir berichteten). Eine heiße Spur hat die Polizei trotz eingeleiteter Fahndung bislang aber noch nicht. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Aktuell werden Hinweise ausgewertet“, teilt Hauptkommissar Jörn Schedlitzki auf Anfrage mit.

Nachtschalter

sind schlecht für den Umsatz

Eine Option zum Schutz vor Überfällen können Nachtschalter darstellen. Viele Tankstellen setzen auf diese Lösung – auch um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. Die Westfalen-Tankstelle besitzt ebenfalls eine solche Einrichtung – doch der Schalter wurde in jener Nacht nicht genutzt. Warum die Betreiber auf den Einsatz verzichteten, ist in dieser Woche nicht in Erfahrung zu bringen. Die Familie befinde sich im Urlaub, teilt eine Mitarbeiterin mit. Die Westfalen AG erklärt dazu: „Auch wenn wir als Unternehmen sagen ‚Safety first‘: Das ist immer noch die Entscheidung des Pächters“, sagt Pressesprecher Stefan Jung.

Aber warum verzichten manche Tankstellen-Pächter überhaupt auf den Schutz? Oft seien die Pächter hin- und hergerissen, erklärt Jung. Der Grund für den Zwiespalt: Zwar schaffe ein Nachschalter mehr Sicherheit – gleichzeitig schmälere er aber auch den Umsatz. „Die Impulskäufe fallen flach“, beschreibt Jung das Dilemma der Betreiber. Hinter verschlossenen Türen und mit Headset am Ohr kann ein Einkauf nun mal etwas länger dauern, da der Mitarbeiter alle Waren persönlich zur Klappe bringen muss. Und gerade abends und nachts, wenn Supermärkte und Discounter geschlossen haben, verkaufen Tankstellen sehr gut. Die Pächter leben zum Großteil vom Verkauf von Waren wie Zigaretten, Snacks, Zeitschriften oder Getränken. Machte das Shopgeschäft vor 30 Jahren nur etwa ein Drittel des Umsatzes aus, sind es heute nach Angaben von Aral – der größten Tankstellenkette in Deutschland – knapp zwei Drittel. Im Durchschnitt verdient ein Tankstellen-Betreiber laut Aral rund 60 000 Euro im Jahr.

Gerade deshalb bieten immer mehr Tankstellen eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung an und entwickeln sich immer mehr zu Einkaufsmärkten. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Mit Benzin lässt sich bei weitem nicht so viel Geld verdienen. „Im Jahresschnitt liegt der Gewinn durch den Verkauf von Kraftstoff bei einem Cent je Liter“, sagt Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen.

Der Ölkonzern Shell unterhält in Hameln drei Tankstellen. Zwei der Anlagen werden aus einem kleinen Häuschen heraus betrieben und haben nachts geschlossen. „Die dritte Tankstelle am Reimerdeskamp macht um 23 Uhr zu“, teilt Shell-Sprecherin Cornelia Wolber mit. Von daher ergebe sich die Frage nach einem Nachtschalter gar nicht. Generell gibt Shell bei jeder Tankstelle eine Empfehlung aus, ab wann ein Nachtschalter genutzt werden sollte. „Es unterscheidet sich zeitlich, je nach Einschätzung der örtlichen Lage. In der Regel wird aber ab 22 Uhr auf Nachtschalter umgestellt“, sagt Wolber und fügt hinzu: „Die Sicherheit des Personals hat oberste Priorität.“

Andreas Zimmer, der die Aral-Tankstelle an der Deisterstraße betreibt, ist überzeugt: „Der Schutz von Leib und Leben sollte wichtiger sein als das schnelle Geschäft.“ Bei Aral gebe es eine klare Auflage: Sobald eine Tankstation nachts nur noch mit einem Mitarbeiter besetzt sei, müsse auf Nachtschalter umgestellt werden. „Das steht auch so in allen Versicherungsbedingungen“, sagt er. Zimmer glaubt übrigens nicht, dass der Einsatz eines Nachtschalters zu nennenswerten Einbußen beim Umsatz führt.



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