weather-image
27°
Carolin Kebekus’ Derbheit kommt an

Sexy Biertrinkerin mit Schnauze

HAMELN. Sie mag es deutlich, derb, an Grenzen kratzend: Damit ist Carolin Kebekus zum Star der deutschen weiblichen Comedians geworden. In der Rattenfänger-Halle hatte sie volles Haus für ihr Programm „Alpha Pussy“.

veröffentlicht am 11.03.2018 um 16:43 Uhr
aktualisiert am 12.03.2018 um 15:40 Uhr

Als „Alpha Pussy“ ist Carolin Kebekus, Jahrgang 1980, auf Deutschlands Bühnen unterwegs und haut Sätze und Geschichten raus, die’s in sich haben. Ihre Fans lieben sie dafür. Foto: gla

Autor:

Gabriele Laube
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zwei Stunden auf Stilettos zu balancieren, ist eine respektable sportliche Leistung. Dieser Gedanke bewegt die Sportschuh tragende Autorin auf ihrem Stehplatz – der Veranstalter hat keine örtliche Presse erwartet; ansonsten sitzen die 2000 Fans in der ausverkauften Rattenfänger-Halle, als Deutschlands beliebteste Komikerin Carolin Kebekus auf High Heels die Bühne betritt und als „Alpha Pussy“ ihre köstliche Show startet.

1,64 Meter Frau, gekleidet in ein kurzes sexy Leder-Outfit, damit zeigt die Entertainerin viel Bein. Sie wirft die Haare zurück, lächelt liebreizend – und redet vom Furzen, von Penetration und davon, wie es sich anfühlt, eine Frau ohne Modelmaße zu sein. Letzteres zeigt Kebekus: Sie zieht den engen Minirock hoch und packt fest in das Fett ihres, dünnen, Oberschenkels. Es ist die finale Stelle am weiblichen Körper, die den Modelmaßen mit diesem Spalt zwischen den Beinen, widersteht. Das Überflüssige soll weg, doch es wehrt sich hartnäckig, während die Brüste der Frau beim Abnehmen als Erstes an Masse verlieren. Kebekus spielt mit lebhafter Mimik und übertriebenen Gesten die Verzweifelte, rauft sich die Haare, lässt die Mundwinkel hängen. Gekicher von ihr, Gelächter von ihm, die Zuschauer genießen die Vorstellung. Sie hören von Jugenderlebnissen der Schauspielerin, die in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen ist: Köln-Ostheim. Davon, wie sie sich durchgesetzt hat, als Biertrinkerin mit „Schnauze“, die mit den FC-Köln-Fans fiebert (mitleidiges Klatschen). Wenn sie darüber spricht, wie leicht ein Mädel einem Kerl ihren Furz unterjubeln kann – mit Nase rümpfen, Seitenblick, und unschuldigem Lächeln –, dann schmunzeln auch die Kerle. Oder nicken anerkennend, wenn die taffe Frau von wilden Partys berichtet, zu denen noch persönlich eingeladen wurde. Legendäre Erinnerungen, wie an jenen Abend, an dem Erik im Wohnzimmer durchs Fliegengitter kotzte, bleiben als Bilder im Kopf. Interessiert betrachtet die Erzählerin die Zuschauer – ja, alle klatschen amüsiert.

Besonders Jüngere erkennen sich wieder bei Kebekus’ Sicht auf die heutige Zeit: Die You-Tuberin, die ihren Tagesablauf dokumentiert; die Influencerin; die DM-Taschen-Auspackerin, alle wollen sie süß sein und geliebt werden. Ihr Rat daher für reibungsarm Pubertierende, die Schlager hören statt Nirvana – „Deine Mutter ist deine beste Freundin? Dann hast du ein Problem“ – macht auch nachdenklich.

Breitbeinig steht die 37-Jährige auf der Bühne, auf ihren hohen Hacken. Spricht über die Ausschreitungen beim Kölner Karneval und wundert sich über das neue Sexualstrafrecht, denn „Nein“ ist und war doch immer ein unmissverständliches Wort. Recht hat sie, stark wirkt sie. Für ihre Schlagfertigkeit lieben die Zuschauer Carolin Kebekus. Sie sollte wiederkommen, ein Sitzplatz ist reserviert.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare