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Reste einer Zinngießerwerkstatt in der Kleinen Straße entdeckt

Sensationsfund in Fachwerkhaus

Hameln. Was könnte so ein altes Haus doch alles erzählen — wenn das denn ginge. Von schweren Geburten in seinen vier Wänden, von Krankheiten und Epidemien seiner Bewohner, von Glücksmomenten, von Zeiten wirtschaftlicher Not oder auch von Intrigen, die in ihm ausgeheckt worden sein könnten. Im Laufe von Jahrhunderten kämen sicher etliche spannende Vorkommnisse und Anekdoten zusammen. Reichlich etwas aufzeigen könnte auch das schmale Fachwerkhaus an der Kleinen Straße, das gerade liebevoll von Grund auf restauriert wird.

veröffentlicht am 21.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:41 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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„Das Haus wird sicherlich schon einige Geschichten erlebt haben“, ist sich Ingo Danielsen sicher. Der Hamelner und seine Frau Teresa haben das zuvor noch nicht restaurierte Haus im März letzten Jahres erworben. Ein Stück seiner Vergangenheit trat jetzt bei den Bauarbeiten zutage. Als „eine echte Sensation“ bezeichnet der Archäologe Dr. Jens Berthold den Fund, auf den Danielsen beim Entkernen im Fundamentbereich des Fachwerkhauses gestoßen ist. Berthold spricht von den Resten einer Zinngießerwerkstatt des 17. Jahrhunderts. Dieser Handwerkszweig sei deutschlandweit nur sehr selten archäologisch belegt worden. Ferner wurde eine Brandschuttschicht vorgefunden, welche auf einen Stadtbrand im 17. Jahrhundert hinweist. Darunter befinden sich ein Gewölbekeller und ehemalige Fußböden, womöglich mit Resten eines Kachelofenstandortes. „Ich habe den Fußboden aufgenommen und mit einer Stange vorsichtig sondiert und in den Boden hineingeschlagen. An einer Stelle bin ich mit der Stange auf einen Widerstand gestoßen. An der Stelle haben wir einen offen liegenden alten Pflasterbelag freigelegt, den werden wir auch erhalten“, sagt der Hamelner, der daraufhin den Archäologen Joachim Schween hinzuzog. Den für die Hamelner Stadtgeschichte enorm wertvollen Fund wird heute ein Team der Kommunalarchäologie Schaumburger Landschaft genau erläutern.

„Aus einem Haus kann man viel ablesen. Beim Umbau schaut man in die Geschichte rein“, hat der Bauherr in der Zwischenzeit schon erfahren. Wie alt sein Haus ist, kann der 38-Jährige allerdings noch nicht genau sagen. „Wenn ich jetzt ein Jahr nennen würde, müsste ich lügen, weil es noch nicht klar ist. Abschließend kann man noch keine Aussage dazu treffen. Es sind auf jeden Fall große Teile aus dem 17. Jahrhundert drin“, sagt der Hamelner, der selbst als Gästeführer tätig ist. „Ich versuche bei Führungen, den Gästen unsere Stadt zu erklären und sie zu begeistern. Und wenn ich jetzt vor Ort selber einen Teil der Stadtgeschichte sehe oder miterlebe, dann kann ich das an die Gäste natürlich viel besser weitergeben. Das macht Spaß“, meint Danielsen.

Der Staudengärtner guckt nicht nur auf Steine und Fachwerkständer seines zukünftigen Wohnhauses, auch auf die Namen der Vorbewohner des Bauwerks hat er einen Blick geworfen. Einige Namen kennt er schon, obwohl er erst angefangen hat, nach ihnen schon forschen. „Damit startet man im Stadtarchiv. Zum Teil kann man über die alten Steuerlisten erfahren, wer dort gewohnt hat“, erzählt Danielsen. In Kürze wird Danielsen, Mitglied im „Verein für regionale Kultur und Zeitgeschichte“, erst einmal mehr über die Bedeutung der Funde erfahren, die er kürzlich selbst gemacht hat.

Ingo Danielsen säubert Bruchsteine, um sie später wieder verbauen zu können. Der Hamelner stieß bei Sanierungsarbeiten an seinem Fachwerkhaus auf einen alten Pflasterbelag.Wal/fn



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