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Container-Ärger in Afferde: Hauseigentümer besetzt Bauplatz – und verhindert Pflasterung

Senior auf Klappstuhl verhindert Baggerarbeiten

Afferde. Wenn sich ein gestandener ehemaliger Hauptkommissar dazu hinreißen lässt, eine Baustelle zu besetzen, um eine von der Stadt veranlasste Baumaßnahme zu blockieren, muss der Mann schon eine gehörige Portion Wut im Bauch haben.

veröffentlicht am 31.05.2016 um 07:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Bei Manfred Reinecke, der sich am Montag an der Leipziger Straße in Afferde mit einem Klappstuhl auf einer Baustelle niederließ, um die Fertigstellung einer Pflasterung für mehrere Glascontainer zu stoppen, ist dies so. „Das ist für mich die einzige Möglichkeit, die Stadt dazu zu zwingen, so gegen mich einzuschreiten, dass ich rechtliche Maßnahmen gegen sie und das Bauvorhaben ergreifen kann“, erläutert Reinecke seine Strategie.

Aber worum geht es Reinecke eigentlich. Seit einem halben Jahr kämpft er dagegen, dass gegenüber seinem an das Ehepaar Lutz vermieteten Haus im Januar Glascontainer aufgestellt wurden und sowohl seine als auch die benachbarten Mieter seines Bruders Helmut Reinecke, selbst Ratsherr und CDU-Fraktionsvorsitzender im Ortsrat von Afferde, zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten durch den lautstarken Einwurf von Altglas in die Container in ihrer Ruhe gestört werden und mittlerweile mit Kündigung drohen.

Manfred Reinecke geht davon aus, dass die Stadt die Pflasterung auf der Grünfläche illegal vornimmt, weil sie dafür keine Baugenehmigung habe. Die könne sie sich zwar selbst erteilen, aber dann könne er beim Verwaltungsgericht in Hannover dagegen vorgehen, glaubt Reinecke. Verwaltung denkt nun erst einmal nach

Bei der Stadt Hameln wird das anders gesehen. Die Pflasterung sei gemäß § 60 Anhang Nr. 5.5 der Niedersächsischen Bauordnung verfahrensfrei, zumal es sich um ein stadteigenes Grundstück handle. Auch denke die Stadt nicht darüber nach, den Standort zu verlegen, „da er nach allen bisherigen Rückmeldungen sehr viel besser geeignet ist als der bisherige“. Bis Ende vergangenen Jahres hatten die Container in der Nähe des Sportheims in Afferde gestanden. „Dort hatten sie eine Entfernung von 60 Metern zum nächsten Haus“, moniert Reinecke, „hier sind es mal gerade 25 Meter.“

Nach der Besetzung des Bauplatzes hatte Reinecke damit gerechnet, dass entweder die Stadt Hameln oder das ausführende Bauunternehmen Thies Rose aus Bodenwerder die Polizei rufen werde, um durch einen Platzverweis die Bauarbeiten fortführen zu lassen. Zwar informierte Rose die Stadt dementsprechend, die jedoch reagierte nicht. „Wir werden im Rathaus darüber nachdenken, wie jetzt weiter verfahren wird“, erklärte Stadtpressesprecher Thomas Wahmes.

Unverrichteter Dinge mussten auch zwei Mitarbeiter der Firma Tönsmeier wieder abziehen. Sie sollten einen der Glascontainer versetzen, um Platz für die Pflasterung zu schaffen, was Helmut Reinecke durch Blockierung des braunen Behälters verhinderte.

Da die Stadt zeitnah keine direkten Gegenmaßnahmen ergriff, packten die Mitarbeiter von Thies Rose ihre Sachen und zogen zu einer anderen Baustelle weiter. „Wir können hier ja schließlich nicht tatenlos rumstehen“, betonte Rose seine Entscheidung. „Wir werden hier erst weiter machen, wenn das rechtlich sauber geklärt ist.“

Das aber wollen die Brüder Reinecke durch weitere Platzbesetzungen auf jeden Fall verhindern.

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