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Aufhebung der 750-Meter-Abstandsregelung zu Wohngebieten für Hamelns Politiker kein Thema

Seltener Schwarzstorch durchkreuzt die Windkraft-Pläne

Hameln. Deutschlandweit kann die Wende von Atomkraft zu erneuerbarer Energie derzeit nicht schnell genug vollzogen werden. In Hameln allerdings bleiben Windkrafträder verpönt. Sie sollen zwar kommen, weil der Gesetzgeber es will, aber nur in einem einzigen Gebiet und möglichst weit weg von existierender Wohnbebauung. Und ausgerechnet in dieser politischen Wendezeit der Berliner Regierungskoalition durchkreuzt den Kommunalpolitikern der Schwarzstorch die Pläne für das Aufstellen von Windrädern. Der seltene Vogel hat nämlich ausgerechnet die von der Stadt für Windräder favorisierte Fläche D, den nordwestlich von Hilligsfeld gelegenen Liethberg, zu seinem bevorzugten Nist- und Brutgebiet auserkoren. Die Folge: Das Areal, das auf 36 Hektar neun Windräder beherbergen sollte, muss auf Geheiß der Naturschutzbehörden um ein Drittel reduziert werden.

veröffentlicht am 02.04.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:09 Uhr

Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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„Das bedeutet 24 Hektar und höchstens sechs bis vier statt der ursprünglich vorgesehenen neun Windräder“, erläuterte Wolfgang Kaiser vor dem Ausschuss für erneuerbare Energien, Bau und Umwelt. Der Fachbereichsleiter Planen und Bauen regte deshalb als Alternative an, den Abstand zur Wohnbebauung von 750 Metern auf 500 Meter zu reduzieren, um weitere Areale ausweisen zu können. „Wir stehen vor dem Dilemma, Flächen zusätzlich auszuweisen oder mit Planverfahren ganz von vorn anzufangen. Mit dazugehörender Bürgerbeteiligung. Das ist eine politische Entscheidung“, sagte Kaiser. Zudem warnte er vor der Gefahr, zu wenig Fläche auszuweisen. Dies nämlich könnte der Stadt als Verhinderungsplanung ausgelegt werden und zur Folge haben, dass Windenergieanlagen im gesamten Außenbereich Hamelns zulässig werden.

Von vorn zu beginnen und die Begrenzung zur Wohnbebauung auf 500 Meter zu reduzieren, allerdings ist für Hamelns Politiker nun überhaupt kein Thema. Sie fürchten neue Bürgerproteste, was die Vorbereitungen auf die Kommunalwahl am 11. September empfindlich stören könnte. Rüdiger Zemlin (FDP) bezeichnete die vereinbarten 750 Meter Abstand zu Wohngebieten als „nicht diskutabel“ und forderte, diese Distanz im Flächennutzungsplan festzuschreiben. Und das, obwohl seine Partei, die auf Bundesebene zunächst Befürworter einer AKW-Laufzeitenverlängerung war, nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am vergangenen Sonntag aber verkündete, die derzeit abgeschalteten acht Reaktoren nicht wieder ans Netz gehen zu lassen. Einen Vorschlag, wie denn dann Ökostrom in die Steckdosen kommen soll, blieb der Liberale allerdings schuldig.

Ein deutliches Bekenntnis zur Fläche D – auch in reduzierter Form – legte Uwe Schoormann ab. „Das ziehen wir jetzt durch“, sagte der SPD-Fraktionschef und fügte hinzu: „Nichts gegen den Schwarzstorch. Aber es macht mich betroffen und nachdenklich, wenn das Tier stärker geschützt wird als der Mensch.“ Auch Ursula Wehrmann von den Grünen sprach sich dafür aus, die Fläche D ins Verfahren zu bringen; verbunden mit dem Zusatz, nach weiteren Alternativen zu suchen. „80 Prozent der Bevölkerung sind für einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft und für Investitionen in erneuerbare Energien. Und da gehören Windräder nun mal dazu,“ begründete die Grünen-Politikerin. Die Mitglieder des Bauausschusses stimmten letztlich einstimmig, diesen Weg zu gehen, also an der Fläche D nordwestlich von Hilligsfeld festzuhalten und nach zusätzlichen Arealen zu suchen.



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