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Eine OP – zwei neue Knie

Seltene OP bringt Stefan Baumbach neue Lebensqualität

HAMELN. Schmerz war bis vor zwei Jahren das bestimmende Gefühl im Leben von Stephan Baumbach. Ohne Schmerzmittel konnte der damals stark übergewichtige Industriemechaniker kaum einen Fuß vor den anderen setzen, Treppensteigen war eine einzige Qual. Bis eine OP sein Leben veränderte.

veröffentlicht am 06.03.2018 um 18:26 Uhr

Gleich zwei Knieprothesen wurden Stephan Baumbach (re.) von Professor Stefan Hankemeier eingesetzt. Zuvor musste er deutlich abnehmen. Foto: dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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„Arbeiten, die man nur im Knien machen kann, haben meine Kollegen für mich übernommen“, erzählt er. Am Ende waren es sechs Ibuprofen pro Tag, als das nicht mehr half, stieg der 47-Jährige auf Tilidin um, ein Opiat.

Aber auch das wirkte bald nicht mehr. Und so kam er zu Professor Stefan Hankemeier, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Sana-Klinikum. Hankemeier half ihm mit einer Operation, die in Deutschland selten ist: In einem zweistündigen Akt wurden Baumbach simultan zwei Knieprothesen eingesetzt. Fünf Tage später konnte der Patient schon wieder über den Flur humpeln, zwei Monate danach ging’s in die Reha, drei Monate später konnte er wieder arbeiten. Ein Wunder?

Nein. Und ganz so einfach war es dann doch nicht. Denn bevor Stephan Baumbach überhaupt bei Hankemeier unters Messer durfte, musste er erst einmal gehörig abnehmen. Als er sich im Februar 2016 operieren ließ, wog er zwischen 80 und 90 Kilo, vorher waren es 150. Das erste mal gesehen hatten sich Hankemeier und Baumbach weitere zwei Jahre zuvor.

Natürlich hatte das Gewicht dazu beigetragen, dass die Arthrose altersuntypisch weit fortgeschritten war. „Beim Gehen wirkt das Körpergewicht mit dreifacher Verstärkung auf das Kniegelenk, beim Joggen mit siebenfacher Verstärkung, erklärt Hankemeier. „Bei Herrn Baumbach war kein Knorpel mehr vorhanden.“ Weil auch beim neuen Gelenk die Gefahr besteht, dass es sich unter zu viel Gewicht lockert, musste Baumbach abnehmen. Er schaffte es mit einer Ernährungsberatung und viel Disziplin. Diese Willenskraft war es, die Hankemeier überzeugte, die OP durchzuführen. „Der Patient muss kooperieren, eine sehr gute Zusammenarbeit ist hier Voraussetzung“, sagt der Orthopäde. Während der Operation komme es darauf an, dass der Operateur das Knie ganz stabil einbaue und dass es sofort funktioniere. „Je länger das Knie offen ist, desto größer ist das Risiko für den Eintritt von Keimen.“ Damit es gut passt, wird die OP am Computer geplant: Entscheidend ist die Größe, die Stellung sowie die notwendige Korrektur. „Das Knie ist das komplizierteste Gelenk, das wir haben, es muss rollen, und mit einer Drehbewegung gleiten können.“ Knieprothesen gibt es erst seit knapp 40 Jahren und Prothesen, die so individuell angepasst werden können, erst seit drei Jahren. In Deutschland gibt es vier Zentren, in denen diese Art von OP durchgeführt wird: Hamburg, Berlin, München – und Hameln. Von den 4000 Operationen im Jahr ist die Knie-OP mit über 1000 die häufigste im Sana. Pro Jahr werden dort 500 Prothesen eingesetzt. Patienten, denen Knieprothesen beidseits eingesetzt wurden, hatte Hankemeier erst sieben.

Stephan Baumbach ist begeistert: „Ich denke gar nicht mehr an die Knie“. Inzwischen geht er mit seinem Hund gern eine Stunde raus oder fährt Fahrrad. Ein bisschen zugenommen hat er, aber nicht viel. Demnächst steht die Meisterprüfung auf dem Plan. Die musste er wegen der kaputten Knie abbrechen.



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