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Brautkleid oder Laune der Natur?

Seltene Beobachtung: Weiße Amsel am Futterhaus

HAMELN. Er ist ein heller Farbtupfer im Garten von Monika und Günter Stichweh. Ein außergewöhnlich hell gefärbter Vogel ist neuerdings Gast am Futterhaus. Größe und Form lassen auf eine Amsel – auch Schwarzdrossel genannt – schließen. Doch beim Blick auf das fast durchweg weiße Federkleid kommen Zweifel auf. Nicht nur bei den Stichwehs. Mag das eine seltene Vogelart sein?

veröffentlicht am 03.04.2018 um 18:40 Uhr

Die „weiße“ Amsel besucht seit rund fünf Wochen ein Vogelhaus im Garten von Monika und Günter Stichweh. Foto: pr
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Neben den üblichen schwarzen Männchen und braun gefiederten Weibchen fliegt seit etwa fünf Wochen eine weiße Amsel zum Futter holen ein. Häufig sind solche Vögel nicht zu sehen. Das weiß Hans Arend, Vogelexperte beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Seit 50 Jahren beobachtet der Hessisch Oldendorfer Vögel und ihr Verhalten „So eine Amsel ist schon sehr selten. Ganz Weiße habe ich noch nie gesehen, manchmal welche, die einige weiße Federn hatten“, erzählt Arend.

Das Aussehen dieses Vogels ist zwar ungewöhnlich, doch einen Grund zur Sorge gibt es nicht: Es ist lediglich eine Laune der Natur. Krank ist die Amsel nicht. Sie ist auch kein Albino.

Hier liegt der sogenannte Leuzismus vor, beschreibt der Landesbund für Vogelschutz (Lbv) auf seiner Homepage das außergewöhnliche Aussehen solcher Vögel. Leuzismus ist eine harmlose Defekt-Mutation, die dazu führen kann, dass die darunterliegende Haut rosa wird und die Federn aufgehellte, beziehungsweise vereinzelte weiße Flecken nachweisen, heißt es beim Lbv.

Die Verfärbung sieht man besonders deutlich bei Vögeln mit dunklem Federkleid wie Amseln, Staren oder Krähen. Die unter den Federn liegende Haut ist rosa, da sie keine Melanozyten – farbstoffbildende Zellen – enthält. Ein Fehler, wodurch für die Federfarbe nötiges Melanin von den produzierenden Zellen nicht in die Federn transportiert werden kann. Diese Federn erscheinen dadurch weiß. Beim Leuzismus ist es ebenfalls möglich, dass der Transport des Melanins in die Federn an manchen Stellen noch erfolgt, sodass ein geschecktes Gefieder mit nicht betroffenen und aufgehellten Stellen entstehen kann. Die Schnäbel bleiben dennoch gelb oder orange und die Augen dunkel, anders als bei Albinos.

Oft sind also nur einige Federn bei betroffenen Tieren weiß.“So einen hellen sieht man wirklich schon seltener“, sagt Ommo Hüppop, Wissenschaftler beim Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven. Auf Dauer muss die Wallenser Amsel nicht mit einem weißen Kleid durch die Gegend fliegen. „Es kann eine vorübergehende Erscheinung sein, die nach der nächsten Mauser wieder verschwunden ist“, meint der Ornithologe.

Monika Stichweh hat die weiße Schwarzdrossel inzwischen beim Nestbau in ihrem Garten beobachten können. Gut möglich, dass der Vogel in einer Hecke sein Brutgeschäft erledigen will. Gibt es danach weiße Amseln? „Meines Wissens nach wird das nicht mit vererbt“, macht Hüppop keine allzu große Hoffnung auf helle Nachwuchsamseln.

Wenn auch die Mutation für die Vögel nicht weiter bedenklich ist, leben sie dennoch meist nicht allzu lange. Grund sind ihre Fressfeinde, für die die weißen Vögel eine leichte Beute sind. Hauskatzen und Sperber machen die Tiere im Grün und Braun von Wiesen und Wäldern leichter aus als ihre normal gefärbten Artgenossen. Andersrum: In einem winterlichen Garten ist wiederum die weiße Amsel der heimliche Star.



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