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Insolvenzverwalter findet keinen Investor für Druckerei – Unternehmen wird abgewickelt

Sedai kündigt 190 Mitarbeitern

HAMELN. Schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Hameln: Die vor Monaten in wirtschaftliche Schieflage geratene Sedai Druck GmbH & Co. KG hat allen 190 Mitarbeitern gekündigt. Ein Investor oder Käufer für das im Insolvenzverfahren befindliche Unternehmen konnte laut Insolvenzverwalter nicht gefunden werden.

veröffentlicht am 04.04.2018 um 14:18 Uhr

Schlechte Nachricht für 190 Mitarbeiter: Das Unternehmen Sedai Druck wird abgewickelt. Foto: Dana
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Insolvenzverwalter Dr. Rainer Eckert sagt: „Für eine mögliche Sanierung des Unternehmens hätte ein schlüssiges Fortführungskonzept inklusive Finanzierungsnachweis vorgelegt werden müssen. Letztlich war niemand bereit oder in der Lage, ein solches Angebot vorzulegen.“ Somit wird das Unternehmen in Klein Berkel nun abgewickelt und geschlossen.

Auf einer Betriebsversammlung ist den 190 Mitarbeitern das Ende ihres Druckerei-Unternehmens verkündet worden. Wie Mitarbeiter berichten, nahm Geschäftsführer Majid Sedai an dieser Versammlung nicht teil. Einige Mitarbeiter sind direkt freigestellt worden, andere haben Kündigungen zu Ende April, wieder andere zu Ende Juni erhalten. Insolvenzverwalter Eckert geht „davon aus, dass die Ausproduktion größtenteils um den 30. April abgeschlossen sein wird“.

Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagt: „Das ist für uns alle sehr schwer. Herr Sedai hat bis zuletzt immer wieder gesagt, dass alles gut werde. Im letzten Jahr haben wir noch Überstunden geschoben. Und auch jetzt hatten wir doch noch eine Menge zu tun.“

Dennoch: Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Sedai Druck GmbH & Co. KG wurde mit Beschluss des Amtsgerichts Hameln am 28. März eröffnet. Die vorläufige Verwaltung war am 31. Januar angeordnet worden. Auch für die Unternehmensmutter Sedai Holding GmbH & Co. KG läuft ein vorläufiges Insolvenzverfahren: Die vorläufige Verwaltung der Sedai Holding GmbH & Co. KG wurde vom Insolvenzgericht am 22. März angeordnet. Nun sind die 190 Mitarbeiter und deren Familien die Leidtragenden. Insolvenzverwalter Eckert verweist darauf, „dass die Druckindustrie gegenwärtig angesichts der fortlaufenden Digitalisierung eine wirtschaftliche Krise durchläuft, die einen zunehmenden Verdrängungswettbewerb sowie einen erheblichen Preisverfall zur Folge hat. Diese Umstände erschweren natürlich eine erfolgreiche Sanierung erheblich.“

Insofern hatte es Branchenkenner verwundert, als Druckerei-Chef Majid Sedai – der einst über sich selbst sagte: „Ich habe mehrere Firmen weltweit“ – im November 2016 verkündete, dass er in einen neuen Druck-Standort in Bad Nenndorf investieren wolle. Dort sollten 50 Millionen Euro investiert werden und 200 neue Arbeitsplätze entstehen. Um die Jahreswende 2017/18 platzten dann aber die Idee, das Invest und der Vertrag in Bad Nenndorf.

In den letzten Wochen haben die Insolvenzverwalter versucht, einen Investor oder Käufer für die Sedai Druck zu finden – ohne Erfolg. Wie Insider berichten, soll das Sedai-Firmenkonstrukt für einen Verkauf nicht unbedingt förderlich gewesen sein, da Immobilien und Maschinen nicht in einer Hand liegen sollen. Käufer und Investoren dürften deshalb wohl auch zurückgeschreckt sein, denn sie hätten quasi nur in eine halbe Druckerei investieren können.

Für Verwirrung sorgt ein Schreiben der Sedai Media GmbH. Ende Februar schrieb deren Geschäftsführer Majid Sedai an Kunden und potenzielle Geschäftspartner, dass die Sedai Media GmbH ab 1. April den Geschäftsbetrieb Druck in der Böcklerstraße in Hameln „uneingeschränkt fortführen“ werde. Allerdings: „Für Altverbindlichkeiten haftet die Sedai Media GmbH nicht.“ Insolvenzverwalter Eckert sagt dazu: „Wir haben auch erst später davon erfahren, dass es ein solches Schreiben gibt.“ Um eine Übernahme habe sich die Sedai Media jedoch nicht bemüht. Dennoch hängen am Betriebsgelände mittlerweile Firmenschilder der Sedai Media.

Der Hamelner Wirtschaftsförderer Thomas Wahmes, der die Firma Sedai gemeinsam mit Oberbürgermeister Claudio Griese intensiv betreut hat, reagiert so auf die Entwicklung bei Sedai: „Es ist ein schwarzer Tag für Hameln. Unsere Gedanken sind zuallererst bei den betroffenen Mitarbeitern. Es gilt jetzt, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit alle Kräfte zu bündeln und für die Betroffenen passende Lösungen zu finden, damit sie möglichst schnell eine neue Tätigkeit finden. Dass dies nicht einfach sein wird, ist uns klar.“ Noch 2017 habe die Stadt eine Förderung geplanter Investitionen vorbereitet – doch „diese Investitionen wurden leider nicht realisiert“. Wahmes: „Die Zeichen standen auf Expansion. Umso mehr trifft uns die Nachricht vom endgültigen Aus der Firma.“



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