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Hameln/Minden (ni/mt). Die Stadtwerke Hameln strecken ihre Fühler in Richtung Nordrhein-Westfalen aus. „Wir wollen Energieversorger in Minden werden“, sagt GWS-Geschäftsführerin Susanne Treptow der Dewezet.

veröffentlicht am 01.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 18:21 Uhr

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Die Weichen für Aktivitäten in der fahrradfreundlichen 85000-Einwohner-Stadt an der Weser sind bereits gestellt – nämlich mit der Gründung der „Stadtwerke Minden GmbH“. Der GWS-Aufsichtsrat hat einer Beteiligung an dem Unternehmen bereits im Mai zugestimmt. Treptow geht davon aus, im Frühjahr 2011 die Vertriebsaktivitäten in Minden aufnehmen und um Kunden werben zu können. „Wir sind günstig und wir sind gut“, lautet ihre freundlich verpackte Kampfansage an den Energieriesen e.on, zu dessen Kerngebiet Minden zählt. Im Landkreis Hameln-Pyrmont, ebenfalls e.on-Netzgebiet, sei es den Stadtwerken in der jüngsten Vergangenheit schließlich auch gelungen, dem großen Konkurrenten rund 6000 Kunden abzunehmen.

Die Mindener Stadtwerke GmbH ist seit dem 19. August in das Handelsregister eingetragen – im Auftrag Treptows. Knapp vier Jahre nach der Verschmelzung der Stadtwerke Minden mit der e.on Westfalen-Weser sind sie plötzlich wieder da, die Mindener Stadtwerke. Zumindest auf dem Papier.

Doch das ist in diesem Fall nicht geduldig. Ganz im Gegenteil. Schon in sechs Monaten könnte aus dem Eintrag ein lebendiges Unternehmen geworden sein, das Strom und Gas verkauft – unter der Ägide der Stadt Minden beziehungsweise ihrer Tochtergesellschaft Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungs GmbH (MEW).

Wie das funktioniert, schilderte Treptow in der vergangenen Woche dem Mindener Bürgermeister Michael Buhre und den Fraktionsvorsitzenden. Die 41-Jährige redet dabei nicht lange um den Kern der Sache herum, sondern schilderte, worauf sie in der Energiefrage setzt: „Auf die regionale Stärke.“

Nachhaltig agieren, wirtschaftlich handeln und im Wettbewerb auch mit den Großen der Energiebranche erfolgreich bestehen – dass dies funktioniert, beweist Treptow mit den Stadtwerken Hameln, für die die Diplom-Kauffrau seit rund 20 Jahren arbeitet. Sie organisierte die Beteiligung der Hamelner an den Stadtwerken Springe und gründete die Stadtwerke Weserbergland mit. Und durch familiäre Beziehungen kam sie auf Minden im e.on-Land.

Denn was 1902 in der Weserstadt mit der Gründung der Stadtwerke Minden als Erfolgsgeschichte begann, bröckelte im Laufe der Jahrzehnte dahin. So übernahmen am 1. Januar 2002 die Elektrizitätswerke Minden-Ravensberg (EMR) die bis dahin rein in kommunaler Hand befindlichen Stadtwerke Minden zu 100 Prozent. Zuvor hatte es schon eine kleinere Beteiligung gegeben. Dann übernahm e.on 25 Prozent der Anteile der EMR. Zum Jahresbeginn 2002 wurde e.on durch die Mehrheitsbeteiligung bei den EMR auch Eigentümer an den Stadtwerken Minden. Im August 2007 wurde schließlich bekanntgegeben, dass die Stadtwerke rückwirkend zum 1. Januar mit der e.on Westfalen-Weser verschmolzen wurden. 105 Jahre nach ihrer Gründung wurden sie in aller Stille beigesetzt.

Dass die Stadtwerke nun wieder auferstehen, wird in der Mindener Politik nicht für unmöglich gehalten. Rekommunalisierung lautet die Devise, die inzwischen in vielen Städten der Republik in den Mund genommen wird. Warum das so ist, schildert Treptow: „Mit der Übernahme der Energieversorgung durch die großen Konzerne ist die Verbundenheit zum Bürger verloren gegangen.“ Und dann sagt sie noch: „Da uns die großen Konzerne nicht weiterbringen, ist der Trend eindeutig: Die Energieversorgung wieder selbst in die Hand nehmen.“

Dabei ist vor allem auch interessant, dass in den kommenden Jahren weit über 2000 Konzessionen auslaufen: Nutzungsrechte an den öffentlichen Netzen. In Minden betrifft das 2017 das Stromnetz, vier Jahre später folgen das Gas- und Wassernetz. Und das Interesse an diesen Netzen dürfte groß sein. Alles Gründe, um die Mindener Stadtwerke neu zu gründen.

Dieses mit eindeutigem Ziel: „Wahrnehmung von Aufgaben der Energie- und Wasserversorgung insbesondere im Bereich erneuerbarer Energien sowie der kommunalen Daseinsvorsorge und des kommunalen Infrastrukturmanagements für kommunale Gesellschafter und für die Mindener Bürgerinnen und Bürger“, heißt es im Handelsregistereintrag der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die ein Stammkapital von 25 000 Euro ausweist.

Dabei lässt die Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln keinen Zweifel daran, dass sie die Stadt Minden gerne mit im Boot haben möchte. Bei einem anvisierten Stammkapital von 500 000 Euro schlägt sie vor, die Kommune solle 51 Prozent der Gesellschaftsanteile übernehmen, und die GWS eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent halten.

Mitte November soll der Hamelner Verstoß im Mindener Hauptausschuss behandelt werden. Dabei zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Stadt nicht selbst in die Stadtwerke-Gesellschaft einsteigen würde, sondern ihr 100-prozentiges Tochterunternehmen Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Wird man sich in der Politik schnell einig, könnten die Mindener Stadtwerke schon ab April 2011 Strom und Gas vertreiben. Und auch eine Idee für Geschäftsräume und ein Kundencenter gibt es: die ehemalige Verbraucherberatung am Großen Domhof.

Bild mit Symbolcharakter: Stadtwerke-Chefin Susanne Treptow reicht Minden schon mal den Stecker. Montage: Wal



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