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Union und SPD wollen Mieter vor Maklerkosten schützen / Hamelner Anbieter fürchten Einbußen

Schwer vermittelbar

Hameln. Wer die Musik bestellt, muss auch bezahlen – mit dieser Regelung wollen Union und SPD Mieter künftig vor hohen Maklergebühren schützen. Vor Gebühren, die der Mieter selbst gar nicht veranlasst hat.

veröffentlicht am 12.11.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Als längst überfällig empfindie viele Verbraucherschützer und leidgeprüfte Mieter die nun beschlossene Regelung. „Eine gute Sache für den Verbraucher“, sagt Hans Jürgen Seifert, 1. Vorsitzender des Mieterbunds Hameln. Eine gute Sache für Verbraucher, eine schlechte für die Makler in Hameln?

Auch wenn die Regelung für ihn nicht gerade erfreulich ist, hat Makler Wolfgang Maeker aus Hameln – zumindest aus Mietersicht – Verständnis für die Regelung. Schließlich sei der Mieter bei einem Einzug bereits durch Umzugskosten und Kaution belastet. Dass wegen der neuen Regelung bereits die Aufträge einbrechen, kann Maeker aber noch nicht beobachten. „Dafür ist es noch nicht konkret genug.“ Sollte das Konzept allerdings genau so umgesetzt werden wie angekündigt, könnte es tatsächlich dazu kommen, dass Eigentümer nicht mehr so schnell den Gang zum Makler machen, prophezeit er.

Wie viele Wohnungen in Hameln per Makler vermittelt werden, darüber gibt es keine Statistiken. Die persönlichen Einschätzungen der Makler liegen weit auseinander: Während der eine von „eher geringen“ Zahlen ausgeht, schätzt ein anderer die Anzahl der per Makler vermieteten Wohnungen auf „60 bis 70 Prozent“. Langes Schlangestehen bei der Massenbesichtigung, wie es in Großstädten durchaus üblich ist, gibt es in Hameln nicht.

Christoph Ziercke, der ebenfalls in Hameln Wohnungen vermittelt, glaubt, dass durch die geplante Änderung bei der Maklergebühr zumindest der Markt bereinigt werde. „Nur die Profis werden überleben.“ Kleinere und mittelgroße Anbieter in Hameln werden im Wettbewerb um die Kunden den Kürzeren ziehen, ist sich Ziercke sicher. „Und die Makler in Hameln werden ihr Dienstleistungsangebot ausbauen müssen.“

Das Image der Makler ist in Deutschland, anders als in anderen Ländern, eher angekratzt. „Makler? Das sind doch die, die mit wenig Aufwand dem Mieter viel Geld aus der Tasche ziehen.“ So oder so ähnlich mögen wohl viele denken. Das größte Problem, so Makler Werner Küll, seien die „schwarzen Schafe“ der Branche, die das Image des Berufsbildes beschädigten. Auch Ziercke weiß um unseriöse Anbieter seiner Zunft – „die machen uns das Leben schwer“. Hauptproblem sei, dass der Zugang zum Beruf nicht streng geregelt sei. „Die Gewerbeordnung fordert nur, dass man noch nicht im Gefängnis war und geordnete Vermögensverhältnisse hat“, fasst er zusammen. Doch einen guten Makler mache weit mehr aus: Fachkompetenz und idealerweise ein einschlägiges Studium. „Wer nur schnelles Geld verdienen will, ist hier falsch“, urteilt auch Küll. Dass der Makler immer nur für den Vermieter arbeite, hält er für „eine sehr einseitige Sichtweise“. Er meint: „Der Makler arbeitet, wenn er seinen Job richtig macht, für beide Seiten. Er ist eigentlich eine neutrale Person.“

Doch was hat ein Mieter vom Makler? Laut Maeker könne der Makler für den Mietinteressenten Forderungen an den Vermieter durchsetzen – „etwa, was die Einrichtungsgegenstände angeht oder den Renovierungsstand“. Ein guter Makler müsse die Wohnung genau kennen. Auch auf die Frage nach der soziale Struktur in der Nachbarschaft sollte er dem Mieter antworten können, sagt Ziercke. Als Alternative zur geplanten Regelung schlägt Maeker vor, die Kosten zwischen Mieter und Vermieter zu teilen. „Das wäre der goldene Mittelweg – beide Parteien ins Boot zu holen.“



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