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Schweinegrippe – Angst vorm ersten Schultag?

veröffentlicht am 31.07.2009 um 14:27 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Hameln (tk). Am Donnerstag beginnt die Schule wieder. Dann treffen sich tausende Schülern in ihren Klassenzimmern und bringen viele Geschichten aus dem Urlaub mit – aus Spanien, England, Mexiko oder den USA. Der ein oder andere könnte aber auch die Schweinegrippe im Gepäck haben, so die Angst vieler Eltern. Experten befürchten, dass mit der Rückreisewelle die Schweinegrippe im großen Ausmaß heranrollt – auch in Kindergärten und Schulen. Um den Sorgen vorzubeugen, hat das Gesundheitsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont bereits vor den Ferien ein Merkblatt zur „Neuen Grippe“ an Schulen, Kindergärten und alle Eltern verteilt. Darin weist das Amt auf die Gefahren der Schweinegrippe zum Schulanfang hin, klärt über typische Symptome auf und gibt Tipps, wie Eltern sich verhalten sollen.
Viele Eltern informieren
sich per Telefon

 Dennoch – mit dem Ende der Sommerferien wachsen auch die Ängste vieler Erziehungsberechtigter, dass sich ihre Sprösslinge in der Schule mit dem gefährlichen Virus anstecken können. Das Hamelner Albert-Einstein-Gymnasium geht offensiv mit dem Thema um, und weist als einzige Schule per Link auf der Homepage auf das Merkblatt hin: „Heute beginnt der Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler. Wir hoffen, dass alle gesund aus dem Urlaub zurückgekehrt sind und das folgende Merkblatt des Gesundheitsamtes uns nicht betrifft“.
 „Eine Ansteckung in Schulen ganz auszuschließen, ist unmöglich, Panik braucht aber niemand zu haben“, sagt Dr. Peter Fleischer, Amtsarzt beim Landkreis Hameln-Pyrmont. Bis spät in die Abendstunden klingeln bei ihm besorgte Eltern an, die davon berichten, das ihr Kind nach dem Spanienurlaub angefangen habe zu husten. Von einer gesteigerten Angst vor dem ersten Schultag hat er allerdings noch nichts gespürt, und sieht auch keine Gründe, warum Eltern hadern sollten ihre Kinder in die Schule zu schicken. Das Ansteckungsrisiko sei dort nicht höher als auf dem Spielplatz und ein normaler Husten noch lange keine Schweinegrippe. Erst bei hohem Fieber bestehe Handlungsbedarf, dann sollten Eltern den Arzt umgehend telefonisch informieren und das Kind zuhause bleiben.
 In Berlin und Bayern kam es bereits vor den Sommerferien zur Schließungen zweier Schulen. Dort hatten sich Schüler mit dem Virus infiziert – Gastschüler aus dem Ausland hatte das Virus mitgebracht. Auch diese Maßnahme findet Fleischer überzogen und würde sie nur als letztes Mittel einsetzen, „denn im besten Fall werden wir die betroffenen Schüler gar nicht erst in die Schule lassen“; und weist auf die Sensibilität der Eltern hin: „Sie können mir glauben, die Eltern sind sehr vorsichtig in der Sache und beobachten ihre Kinder sehr genau.“ Außerdem gäbe es ganz einfache Verhaltensweisen, um eine Ansteckung zu verhindern: Händeschütteln, ein Küsschen zur Begrüßung oder eine herzliche Umarmung – auf höfliche Umgangsformen sollte man derzeit verzichten, denn das Virus wird über Tröpfchen weitergegeben.
 Mundschutz und Handschuhe, wie man sie hier und da im Stadtbild sieht, hält Fleischer für überflüssig, auch für das Lehrpersonal. Den Schulen rät er, die Klassenräume intensiv zu lüften, um für viel Frischluft zu sorgen. Auch für die Eltern, deren Sorge manchmal Blüten triebe, hat er einen wichtigen Hinweis: „Wir stehen am Anfang einer Grippewelle. Aufhalten können wir sie nicht, aber soweit verzögern, bis ein wirksamer Impfstoff auf den Markt kommt.“ Jetzt Tamiflu einzulagern sei unsinnig und gefährlich – „das letzte was wir wollen ist eine Resistenz gegen den Impfstoff“.
 Wie die Schulen im Landkreis mit dem Thema umgehen wollen und was in einem konkreten Fall passiert, war während der Ferien nicht in Erfahrung zu bringen. Wie ein Warnsystem ablaufen kann, zeigt aber das Beispiel an einer Berliner Schule. Wegen acht Ansteckungsfällen ließen die Gesundheitsbehörden die Schule sperren. Eltern und Schüler wurden am Sonntag über eine Telefon- und Mailkette informiert. Und die funktionierte gut. Am Morgen kamen nur wenige Schüler. Eine Woche dauerte der Spuk, dann lief der Schulunterricht wieder ganz normal weiter.

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