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Bestatter vertauscht Urnen nach Einäscherung im Hamelner Krematorium

Schusseligkeit oder Vorsatz?

Hameln/Blomberg. Klarer Fall: Bestatter sollen für ein würdevolles Begräbnis sorgen. Der Verstorbene soll seine letzte Ruhe finden, Hinterbliebene sollen dem Verstorbenen in ihrer Trauer am Grab nah sein können – vorausgesetzt natürlich, dass dort dann auch der Richtige ruht.

veröffentlicht am 29.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 06:41 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Zwei vertauschte Urnen beschäftigen derzeit das Amtsgericht im lippischen Blomberg. Eingeäschert wurden die Leichname im Hamelner Krematorium. Dem angeklagten Bestattungsunternehmer wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im Juli 2012 eine Urne vertauscht zu haben. Um dies zu vertuschen, soll er die Etiketten auf dieser und einer weiteren Urne entfernt haben.

Der trauernden Familie war bei der Beisetzung eines Mannes in Blomberg-Herrentrup aufgefallen, dass die Schmuckurne nicht die war, die von den Angehörigen ausgewählt worden war. Der mutmaßliche Schwindel flog auf. „Ich hatte eine silberfarbene Urne ausgesucht, mit Röschen. Die Urne hatte aber jetzt ein ägyptisches Muster“, erzählte die Witwe am Rande der Verhandlung.

Der Bestatter bestritt vor Gericht, die Aufkleber von den Gefäßen entfernt zu haben. Diese müssten abgefallen sein, etwa durch große Hitze, meint der Angeklagte.

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  • Das Hamelner Krematorium am Wehl. Hier wurden im Sommer vergangenen Jahres zwei Leichen eingeäschert, deren Urnen offenbar in Blomberg vertaucht wurden. Kleines Bild: In solch einer Kapsel wird die Asche eines Verstorbenen aufbewahrt. Der Bestatter steckt sie auf Wunsch der Angehörigen in eine Schmuck-Urne. fn

Die Urne, von der die Frau spricht, ist die ausschmückende Über-Urne, und nicht das eigentliche Gefäß mit den sterblichen Überresten. Diese werden nach der Einäscherung im Krematorium in eine sogenannte Aschekapsel, dem eigentlichen Urnengefäß, zusammen mit einem Schamottestein, gefüllt. Dieser Stein liegt während der Einäscherung dem Sarg bei und ist mit einer unverwechselbaren Kremierungs- oder Vorgangsnummer versehen, über die die sterblichen Überreste jederzeit zugeordnet werden können. Neben Name, Geburts-, Sterbe- und Einäscherungstag steht die gleiche Ziffer auf einem Spezialetikett, das auf die Aschekapsel geklebt wird. Diese Schilder sollen nun laut Aussage des Angeklagten durch Hitzeeinwirkung abgefallen sein und zur Verwechslung geführt haben.

Am ersten Tag des Prozesses wurden vier Zeugen gehört: neben einem vom Urnentausch betroffenen Familienmitglied, einer beteiligten Pastorin auch zwei Mitarbeiter des Hamelner Krematoriums. Dort hatte der 58-jährige Bestatter im Juli mehrere Urnen mit Asche abgeholt.

In der Anlage am Wehl werden pro Jahr etwa 2000 Tote eingeäschert. Zum Prozess war wollte sich das Hamelner Unternehmen gestern nicht äußern. Zumindest nicht, „solange das nicht geklärt ist“, sagte ein Mitarbeiter.

Auch zwei Hamelner Bestatter, sie möchten anonym bleiben, wollten sich auf Nachfrage der Dewezet nicht festlegen, ob sich die Etiketten von einer Aschekapsel durch Wärmeeinfluss ablösen können. „Eigentlich sitzen die sehr fest dran“, meinte ein Unternehmer. Für den anderen „kommt es fast schon einem kleinen Wunder gleich“, wenn die Aufkleber so abgefallen wären.

Ein Urteil hat das Amtsgericht Blomberg am ersten Verhandlungstag noch nicht gefällt. Die Verteidigung hat Beweisanträge gestellt. So soll nun ein Gutachter klären, ob sich die Etiketten bei starker Sonnenbestrahlung von Aschekapseln lösen können.

Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter gab es im Jahr 2012 bundesweit 860 000 Beisetzungen – 460 000 waren Feuerbestattungen. „Vielleicht zwei- bis dreimal im Jahr erfahren wir davon, dass Urnen vertauscht wurden“, sagte Verbandssprecher Rolf Lichtner. „Wir wissen aber nicht, ob es nicht noch mehr Fälle gab.“mit dpa



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