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Über 10 000 Übernachtungen

Schullandheim Riepenburg - mit Rugby auf Erfolgskurs

HAMELN/GROSS BERKEL. Das Schullandheim Riepenburg kann sich über mangelnde Besucherzahlen nicht beklagen. 2016 wurde sogar die Marke der erhofften 10 000 Übernachtungen geknackt - nicht zuletzt wegen des exklusiven Sportangebots.

veröffentlicht am 07.06.2017 um 16:36 Uhr
aktualisiert am 08.06.2017 um 00:12 Uhr

Ex-Rugby-Nationalspieler Frank Himmer lebt und arbeitet an der Riepenburg. Mindestens zehn Personen – und ein freies Fenster im Kalender sind die Voraussetzungen, um dort Zeit verbringen zu können. Die meisten Besucher (knapp 6500 Übernachtungen) kom
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Carl – „mit C!“ – wedelt, einer der drei Waschbären kommt neugierig ans Gitter, die Ziege – von ihnen gibt es hier vier – lässt sich beim Fressen nicht stören, als Frank Himmer auftaucht. Die Tiere sind fester Bestandteil des Rundgangs, den der 48-Jährige mit den neuen Gruppen macht. Derer gab es im vergangenen Jahr reichlich im Schullandheim Riepenburg: Die Marke von 10 000 Übernachtungen (einst mehr erhofftes denn gesetztes Ziel) wurde geknackt.

„Trotz – oder gerade wegen – dieser Abgeschiedenheit haben sich die Belegungszahlen des Schullandheims seit zirka drei Jahren stark verbessert.“ So beschreibt der Träger, die Region Hannover, die Erfolgsgeschichte, die das Schullandheim mit Hamelner Postleitzahl hinlegt. Seit diesen drei Jahren steht Frank Himmer an der Spitze eines fünfköpfigen Teams, das an fast sieben Tagen die Woche alles daran setzt, vor allem die kleinen, letztlich aber alle Gäste, zufrieden wieder zu verabschieden. 8,3 Prozent Steigerung der Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr 2015, einst leere Monate im Winter werden jetzt auch nachgefragt.

Während die Region Hannover als Träger der drei Schullandheime Torfhaus, Nieblum und Riepenburg pro Übernachtung durchschnittlich 7,50 Euro dazuschießt, sind es für die Riepenburg nur 3,70 Euro, erzählt Himmer. Mit stolzgeschwellter Brust könnte er da sitzen, stattdessen verweist er auf seine „Mannschaft“, mit der alles vom Kochen über die Programmgestaltung bis zur Grundstückspflege gewuppt wird. Er zeigt sich dankbar.

Foto: bha
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Das klinge vielleicht komisch, meint Himmer, aber „das ist wie’n Geschenk für mich“, sagt er über seine Arbeit inmitten der Natur, auf einem Gelände mit herrlichem Ausblick bis zum Schloss Schwöbber. Himmer steht am Grill, wenn gegrillt wird, Himmer ist bei der Essensausgabe dabei, Himmer ist der Trainer, der die Kinder in seinen Lieblingssport einweist: Rugby.

Ohne Rugby keine Riepenburg, könnte denken, wer Himmer zuhört. „Ich habe immer was mit Rugby gemacht“ – und jetzt könne er alles, was er bisher gemacht habe, eins zu eins umsetzen. Das scheint anzukommen, nicht nur bei der Hauptzielgruppe „Schulen“, die mit 5525 Übernachtungen zu Buche schlagen. Auf Platz zwei folgen „Kirchen“ mit 1383 Übernachtungen, dann kommen „Sportgruppen“ (902 Übernachtungen), die das Gelände gerne für Trainingslager und Teambuilding nutzen. Die Belegungssteigerung sei auch das Ergebnis einer Öffnung der Einrichtung gegenüber anderen Nutzergruppen neben den Schulen, heißt es seitens der Region Hannover in einem Bericht. Und weiter: „So sind in den vergangenen Jahren die Buchungen durch Sportvereine aufgrund des vorhandenen Programmbestandteils ,Rugby‘ gestiegen.“

Unterschriebene Rugby-Bälle auf der Fensterbank des Büros im Keller, das mit Autogrammen übersäte Trikot der deutschen Rugby-Nationalmannschaft (auch sie war schon hier) an der Wand vor den Speiseräumen – der Kontaktsport mit dem ovalen Ball, bei der es ordentlich zur Sache geht bei größtmöglicher Fairness, prägt die Programme des Schullandheimes. Doch nicht allein. Es können Sockenpuppen gebastelt, Holzbrettchen mit Namen und Bildern gebrannt, Nachtwanderungen unternommen, bei Waldführungen gelernt, Tischtennis gespielt, Waschbären gefüttert, Roller gefahren, Touren im Hochseilgarten gewagt, die Glasbläserei besichtigt, Freundschaften geschlossen, Familienfeiern genossen werden. „Wir müssen uns immer was einfallen lassen“, sagt Himmer über die Notwendigkeit neuer Angebote, um attraktiv zu bleiben. Den Erfolg des Hauses schreibt er weiteren Faktoren zu: der familiären Atmosphäre und dem Essen. Wer das Ergebnis aus Tüten verabscheut, weiß, dass dies ein Argument sein kann: „Wir stampfen unseren Kartoffelbrei.“

„Moin!“, sagt Himmer. „Moin, moin“, rufen fünf Kinder zurück. „Das feiern die total ab“, sagt der Team-Chef über diese Art der Begrüßung, die seine Idee war – um ein lang gezogenes „Guuuten Mooooargen, Heeerrr Hiiimmeeer“ dauerhaft zu umschiffen. Er gibt den Kindern viel, und die Kinder geben zurück. Manchmal sogar ihren Namen. Carl – mit C! – erzählt Himmer, war ein Junge, der sich nach wenigen Metern Wanderung hinsetzte und nicht mehr weiterwollte. Sein Hund – eine powervolle Mischung aus Rhodesian Ridgeback und Deutschem Schäferhund – habe es auf den ersten Spaziergängen genauso gemacht. Und so seinen Namen erhalten. 

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