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Diese Augen beruhigen

Schulhunde bereichern Unterricht am Vikilu

HAMELN. Die Klassentür geht auf und alle sind ganz schnell ruhig, aber auch begeistert: Suse ist da. Gemeinsam mit der Lehrerin Annabell Thiele betritt die braune Mischlingshündin das Klassenzimmer und steht sofort im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller Schüler. Ein Hund im Gymnasium? Ungewöhnlich. Hunde gehören doch in die Hundeschule?! Dass das auch ganz anders geht, beweist das Viktoria-Luise-Gymnasium.

veröffentlicht am 01.11.2018 um 18:13 Uhr
aktualisiert am 01.11.2018 um 20:30 Uhr

Schulhündin Suse ist der Liebling aller Klassen am Vikilu. Foto: mr
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Seit August 2017 gehören sogar schon zwei Hunde zum Schulleben. Annabell Thiele erzählt: „Ich hatte die Idee zu einem Schulhund, als ich im Referendariat davon gehört hatte und mir einen Hund ansehen konnte.“ Suse machte eine Prüfung als Begleithund und als ihr Einsatz an der Schule genehmigt war, durfte der braune Vierbeiner mit in den Unterricht. Das war so erfolgreich, dass die Labradorhündin Nelly nachzog.

Die Schüler des Vikilu sind begeistert und das zieht sich von den fünften Klassen durch bis in die Klassen und Kurse der Oberstufe. Insgesamt sind die Stunden mit den Hunden – gerade in der Mittelstufe – deutlich ruhiger. Die Schüler nehmen Rücksicht auf die empfindlichen Ohren des Hundes und da vergeht dann auch gerne einmal eine Doppelstunde in der siebten Klasse, ohne dass die Lehrerin ein einziges Mal um Ruhe bitten muss.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einsatz von Tieren als gezieltes pädagogisches „Instrument“ dem Bedürfnis von Kindern entspricht, in Kontakt mit der Natur zu kommen. Kindergärten und andere vorschulische Angebote setzen auf Tierbesuchsdienste oder eigene Tiere, um Kindern den Umgang mit anderen Lebewesen nahezubringen. Da war es nur naheliegend, diesen Ansatz auch in weiterführenden Schulen zu versuchen.

Die Anwesenheit von Heimtieren fördert bei Kindern positive Verhaltensweisen wie Empathie, Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer sowie das Verantwortungsgefühl. Seit knapp 20 Jahren etabliert sich ein erfolgreiches Konzept. Hunderte Schulhunde halten sich derzeit an mehreren Tagen in der Woche in deutschen Klassenzimmern auf.

Die Halterin von Nelly, Nicole Wellershaus, war sich nach der Begleithundprüfung sicher, dass Nelly ihren Einsatz meistern würde und berichtet: „In den ersten Tagen hat man an ihrer Reaktion noch gemerkt, dass die Situation für sie völlig ungewohnt war und sie nicht immer wusste, was gerade von ihr erwartet wurde. Das hat sich aber sehr schnell eingespielt. Heute weiß sie oft schon, in welche Klasse es geht – auch die Schulklingel ist ihr als Signal bekannt. Wie gut Nelly das Signal kennt, zeigte sie, als sie einmal mitten in einem Gespräch mit unserem Schulleiter Dr. Michael Glaubitz aufgestanden und zur Tür gegangen ist, weil es geklingelt hatte. Dr. Glaubitz hat sich dann sehr begeistert über den pflichtbewussten Hund gezeigt.“

Die Klassen werden auf den Einsatz vorbereitet und nach möglichen Allergien oder Ängsten vor dem Tier befragt. Wenn aus dieser Sicht nichts im Wege steht, dann dürfen Suse oder Nelly mit in den Unterricht. Die Hunde werden vielseitig eingesetzt: zur Veranschaulichung im Biologieunterricht, auf Wunsch der Schüler bei Seelsorgegesprächen oder bei Klassenarbeiten, bei denen die Hündin durch die Reihen spaziert. Da bleibt sie bei den besonders nervösen Schülern stehen und kann diese oft allein durch ihre Anwesenheit beruhigen.

Die Schulleitung hat von Anfang an deutlich gemacht, dass sie das Vorhaben unterstützt und befürwortet, es aber keinerlei zeitliche oder finanzielle Unterstützung gibt; allen Mehraufwand betreiben die beiden Lehrerinnen aus Idealismus. Die Schüler danken es ihnen mit großer, kaum nachlassender Begeisterung, mit der sie sich um Suse und Nelly kümmern.

mr



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