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Nur 35,6 Prozent erhalten uneingeschränkte Einschulungsempfehlung

Schuleingangsuntersuchung: Viele Kinder „mit Auffälligkeiten“

HAMELN. Bei der Schuleingangsuntersuchung wird unter anderem geprüft, wie fit die Kinder motorisch sind, wie gut sie sich konzentrieren können, welche Formen sie schon kennen, wie gut sie zuhören, hören und sehen können, über welchen Wortschatz sie bereits verfügen. Bei der verpflichtenden Untersuchung im Gesundheitsamt Hameln waren nur 35,6 Prozent „ohne Auffälligkeiten“. Vor drei Jahren lag die Quote noch bei 46,2 Prozent.

veröffentlicht am 29.11.2018 um 18:35 Uhr
aktualisiert am 29.11.2018 um 19:58 Uhr

Foto: Pixabay
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Was vor etwa einem Dreivierteljahr bei der Schuleingangsuntersuchung herauskam, wird seit über drei Monaten dem Praxistest unterzogen – das Ergebnis ist mancherorts ernüchternd: Nur 35,6 Prozent der Kinder waren bei der verpflichtenden Untersuchung im Gesundheitsamt nach Einschätzung der Ärzte „ohne Auffälligkeiten“, wie aus der Statistik hervorgeht, die der Landkreis jetzt auf Nachfrage bekannt gibt. Schon vor drei Jahren beobachteten die Ärzte des Kreisgesundheitsamtes an der Hugenottenstraße die Entwicklung „mit Sorge“, wie es hieß, doch damals lag der Anteil der Kinder „ohne Auffälligkeiten“ immerhin noch bei 46,2 Prozent. Nur die Basis ist gleich: In beiden Jahren wurden 1257 Kinder untersucht.

Kinder, die aufgrund ihres Alters bis zu einem bestimmten Stichtag in jenem Sommer eingeschult werden könnten, bekommen im Rahmen der Untersuchung verschiedene Aufgaben gestellt. Damit wird unter anderem geprüft, wie fit die Kinder motorisch sind, wie gut sie sich konzentrieren können, welche Formen sie schon kennen und auch malen, wie gut sie zuhören, hören und sehen können, über welchen Wortschatz sie bereits verfügen. Das standardisierte Programm und die Methodik, die dahinter liegen, wird von einer Arbeitsgruppe namens „Sophia“ (Sozialpädiatrisches Programm Hannover – Jugendärztliche Aufgaben) erstellt und weiterentwickelt; daran beteiligt sind 26 Gesundheitsämter. Untersuchungen in Uelzen laufen also nach demselben Programm wie in Hameln ab.

Für 43 Prozent der Kinder wurde zwar eine Einschulung empfohlen, jedoch unter „Berücksichtigung schulrelevanter leichter Auffälligkeiten“. Das heißt: An die Schulen werden Informationen aus den Schuleingangsuntersuchungen weitergegeben, „die für die individuelle Förderung des Kindes und die jahrgangsbezogene Planung berücksichtigt und genutzt werden können“, erklärt der Landkreis. Bei weiteren sechs Prozent soll die Schule selbst im weiteren Verlauf pädagogische Überprüfungen vornehmen, und für 4,8 Prozent sollte „sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf“ geprüft werden. Dazu gehören Kinder mit zum Teil „erheblichen Entwicklungsrückständen oder Behinderungen“, die nach Einschätzung der Ärzte wahrscheinlich langfristig Unterstützung für die körperliche und/oder geistige Entwicklung benötigen. Für 4,9 Prozent wurde empfohlen, sie noch zurückzustellen und Fördermaßnahmen zu ergreifen. Noch einmal 4,6 Prozent wurde nahegelegt, noch nicht einzuschulen – diese Kinder zählen zu den sogenannten Kann-Kindern, bei denen die Eltern aufgrund des Geburtsdatums die Wahl haben, ob sie in diesem oder im nächsten Jahr einschulen.

Welche Rolle der Migrationshintergrund vieler Kinder bei dieser Auswertung spielt, vermag der Landkreis noch nicht zu sagen, heißt es. Eine differenzierende Statistik könne aus technischen Gründen nicht erstellt werden. Vor drei Jahren war deutlich geworden, dass Kinder mit Migrationshintergrund in der Beurteilung der verschiedenen Kategorien schlechter abgeschnitten hatten als die Gesamtheit.

Aufgrund der Entwicklung, dass immer mehr Kinder kurz vor der Einschulung offenbar nicht entsprechend schulreif sind, laufen seit langer Zeit Anstrengungen, bereits die Vierjährigen zu untersuchen, „ums sie schon frühzeitig fördern zu können“, sagt der Landkreis. „Fit mit 4“, so der Name des Projekts scheitert in Hameln-Pyrmont seit Jahren am Personalmangel. „Wir haben keine Ärztin für die Untersuchung“, heißt es aus der Kreisverwaltung. Zwar hätten sich Interessenten beworben, zwei seien für den Jugendmedizinischen Dienst auch eingestellt worden, mussten letztlich aber an anderer Stelle Weggänge kompensieren. Ohnehin ist es für Mediziner finanziell offenbar attraktiver, nicht für eine Kommune zu arbeiten. Die Entwicklung der Vergütung im Öffentlichen Dienst ist laut Sprecherin des Landkreises Sandra Lummitsch weit hinter jenen an Krankenhäusern zurückgeblieben. Offene Stellen könnten kaum noch besetzt werden und blieben zum Teil über Jahre unbesetzt.

Mein Standpunkt
Birte Hansen
Von Birte Hansen-Höche

Einige Eltern halten von den Untersuchungen nichts, auch, weil ihre Kinder in dieser Ausnahmesituation anders ticken als sonst und weil sie die Einschätzung nicht teilen. Dessen ungeachtet ist die Entwicklung erschreckend. Über die Ursachen kann spekuliert werden – warum können Kinder nicht auf einem Bein hüpfen, sich nicht konzentrieren, Gesagtes nicht verstehen? In erster Linie sind wohl die Eltern gefragt – intensive Zeit gemeinsam mit ihren Kindern verbringen, vorlesen, draußen toben, gut ernähren, … 



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