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Weihnachtstradition mit uralten Wurzeln / Auch die moderne Medizin schätzt die Heilkraft der Pflanze

Schon Druide Miraculix war die Mistel heilig

Sie führt ein Leben zwischen Himmel und Erde, hoch oben in den Wipfeln der Bäume, und wird – obwohl sie ein Halbschmarotzer ist – schon seit Urzeiten von den Menschen geliebt und verehrt: die Mistel. Den alten Germanen war sie heilig, und spätestens seit Asterix und Obelix wissen wir, dass die wilden, immergrünen, kugelig wachsenden Pflanzen aus der Familie der Sandelholzgewächse Heilkräfte besitzen, die von Miraculix, dem Druiden der pfiffigen Gallier, für die Zubereitung seiner Zaubergetränke genutzt wurden. Die Pflanze wurde mit goldenen Sicheln geerntet und durfte nicht zu Boden fallen, weil sie sonst ihre Wirkung eingebüßt hätte. Viele solcher märchenhaften Geschichten ranken sich um die Mistel. Auch darauf beruht ein Teil ihres Zaubers.

veröffentlicht am 06.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 01:41 Uhr

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Falsch lagen die keltischen Druiden mit ihrem Glauben an die Magie der Mistel jedenfalls nicht: So schätzt die moderne Medizin nicht nur die Blutdruck regulierenden Eigenschaften der pflanzlichen Inhaltsstoffe, sondern auch ein Protein der Mistel, das unkontrolliertes Zellwachstum verhindert und daher in der Krebsbekämpfung eingesetzt wird.

Erst in den Wintermonaten fällt die Pflanze ins Auge: Wenn die Bäume ihre Blätter verloren haben, wird sie zum Hingucker. Etwa 1400 Arten gibt es weltweit. Am häufigsten findet man die Weiße Mistel: Sie wächst auf Laubbäumen wie Pappeln, Birken, Apfel- und Ahornbäumen. „Sie vermehrt sich auf natürliche Art durch die Vögel“, weiß Hartwig Fischer vom Fischerhof, der auf dem Wochenmarkt Misteln in allen Größen zu Preisen zwischen 3 und 20 Euro anbietet. Die älteste ist stolze 50 Jahre alt und mit 20 Euro auch die teuerste. „Misteln wachsen extrem langsam“, erzählt Fischer. Sie vermehren sich über ihre klebrigen Beeren. Die Vögel fressen sie und wischen die am Schnabel hängen gebliebenen Samen an der frischen Baumrinde ab, wo sich im Frühjahr feine Wurzeln aus den Keimen entwickeln. Diese verbreitern sich zu einer klebrigen Haftscheibe, aus der ein Fortsatz durch die Baumrinde bis ins Holz dringt. Erst nach und nach treibt die Pflanze Blätter und beginnt so ihr außergewöhnlich langes Leben. „Es dauert gut drei Jahre bis man überhaupt etwas sieht“, sagt Fischer. Und danach wächst die Pflanze auch nur rund fünf Zentimeter im Jahr.

Misteln, die uns zur Weihnachtszeit so ans Herz gewachsen sind, können für die Wirtspflanzen der Tod sein: „Maximal vier bis fünf Misteln verträgt ein Baum, werden es mehr, geht er kaputt“, ist sich Hartwig Fischer sicher. Drei seiner Apfelbäume hat er deshalb abgeerntet. Zur Freude der Marktbesucher, die sich jetzt bei ihm mit Mistelzweigen eindecken können. Denn traditionell wirkt neben der nachgewiesenen Heilkraft der Pflanze noch ein anderer Zauber, für den man sich Misteln ins Heim holt: Ein weihnachtlicher Kuss unter ihren Zweigen bringt Glück. Und das entsprechende Paar soll dann angeblich im nächsten Jahr auch heiraten. Obwohl Letzteres vermutlich ins Reich der Märchen gehört – das Küssen ist ein schöner Brauch und kann gar nicht oft genug praktiziert werden. Dazu muss man ja nicht zwingend ein Liebespaar sein. Übrigens kommt’s beim Küssen auf die Anzahl der hübschen weißen Beeren an: Pflückt man eine Beere, bedeutet das ein Kuss. Zwei Beeren sind zwei Küsse. Und wenn keine Beeren mehr am Zweig hängen, ist Schluss mit der Küsserei.

Wie sehr die Mistel als Glücksbringer nicht nur in der Vergangenheit von Germanen und Kelten geschätzt wurde, zeigt ein Beispiel aus dem heutigen England. In der Grafschaft Staffordshire würde man keinen Bissen vom Weihnachtspudding genießen, wenn die darunter brennenden Flammen nicht von Mistelzweigen genährt wären.

Früher hatten die Menschen aber auch noch ganz profane, praktische Gründe, die weißen Beeren der Mistel zu schätzen: „Weil sie so klebrig sind, wurde aus ihnen Leim hergestellt“, weiß Hartwig Fischer.

Vom Hamelner Wochen-

markt berichtet

Karin Rohr



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