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Schöne Welt an der Weser

veröffentlicht am 16.10.2009 um 19:29 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Ruthenstraße

So schön, und so utopisch: Die Ideen für das Holz-König-Gelände an der Ruthenstraße, die Studenten der Fachhochschule Osnabrück entworfen haben. Es gilt wegen seiner Lage direkt an der Weser bei den Stadtplanern als Filetgrundstück, das im Idealfall touristisch genutzt würde. Das Ergebnis nach allen Gesprächen, die in 20 Jahren zwischen Eigentümern und Stadt geführt und allen Konzepten, die entwickelt wurden: Parkplätze und eine plane Fläche, auf der immerhin Brandruinen nicht mehr die Sicht verschandeln. Geplant: Noch mehr Parkplätze.
 Hingegen die farbigen Entwürfe der Studenten, die bis Ende Oktober in der Jugendwerkstatt zu sehen sind, lassen die Herzen aller Grünanlagen-Liebhaber, Skater, Kletterer und Müßiggänger höherschlagen. Da hat beispielsweise Daniel Theidel (23) eine Fläche für Künstler bereitgehalten, auf der sie ihre Werke präsentieren könnten, während sich Jugendliche einige Meter weiter in einem Extra-Bereich beim sogenannten Paintball mit Farbkügelchen beschießen oder durch den Hochseilklettergarten kraxeln. Er hat gerade Formen zur Strukturierung der Fläche gewählt, und ist selbst aber angetan von den amorphen Formen in der Parklandschaft mit Skaterbereich, die sein Kommilitone, der neben ihm ausstellt, bevorzugt hat. Dessen Entwurf sieht reichlich Platz für Skater vor, und wer’s weniger aktiv braucht, geht ins Café mit Dachbegrünung. „Eine grüne Oase zu schaffen mit Aufenthaltsqualität“ lautete dessen selbst gewähltes Ziel.
 Sportplätze, Wände zum Klettern oder Bouldern (Klettern in geringer Höhe ohne Anseilen) hier, ein Forum, in dem getanzt werden könnte, alte Bahnschienen, die zusammen mit Stahlrohren als Tore verteilt auf dem Areal an vergangene Industrienutzung erinnern, dort – das 10 000 Quadratmeter große Gelände zwischen der Sumpfblume und der Jugendwerkstatt bot den Studenten reichlich Platz zum mentalen und grafischen Austoben.
 Unter Leitung des Professors für Städtebau und Freiraumplanung, Dirk Manzke, haben sie im dritten Semester Arbeiten angefertigt, die wirtschaftliche Interessen eines Eigentümers gänzlich außer Acht lassen durften. Ihre Ideen mussten sich trotzdem im Rahmen bewegen, der durch drei Leitlinien abgesteckt war: Lärm vom Industriegebiet musste berücksichtigt, das Thema Freizeit und Tourismus sollte bedient und die Bedürfnisse älterer und jüngerer Generationen wollten unter einen Hut gebracht werden. Und noch etwas war Pflicht: den alten Derrick-Kran als Industriedenkmal stehen zu lassen, der zurzeit aufgearbeitet wird.
 Zwischen der Wirklichkeit in Beton und den einladenden Grünflächen, teils mit hellem Sandstein und Holzbänken, teils mit riesigen Fiberglasfelsen zum Klettern, liegen Welten. Und das Geld, das es bräuchte, um diese Kluft zu überbrücken, liegt nirgends rum. Der Eigentümer hat kaum Interesse an einem Park um des schönen Parks Willen; Investoren, die Ähnliches selbstlos und ohne Aussicht auf Gewinn betreiben würden, sind nicht in Sicht, und die Stadt, die das Areal für mehr als eine Millionen Euro kaufen müsste, um es in ihrem Sinne zu nutzen, ist zum Sparen verdonnert. So macht denn auch Wolfgang Kaiser vom Fachbereich Bauen deutlich: „Die Frage nach der Umsetzung stellt sich nicht.“ Die Entwürfe sollen als Denkanstöße verstanden werden, weil die Diskussionen um mögliche Nutzungen des Geländes, „sehr festgefahren“ sind.
 Auch die Hamelner Politiker sollen sich mit der Ausstellung in der Jugendwerkstatt beschäftigen, wünscht sich zumindest Bürgermeister Herbert Rode, der als Vorsitzender gern den nächsten Bauausschuss dort tagen lassen würde.



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