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Winter 1978/79 – Als die Verwehungen meterhoch waren

Schneechaos vor 40 Jahren

HAMELN. Temperatursturz, Eisregen, heftige Schneefälle: Zum Jahreswechsel 1978/79 versinkt der Norden Deutschlands im Schnee. Auch im Landkreis Hameln-Pyrmont kommt es zu den „schwersten Schneefällen seit Jahren“. Szenarien, die nach dem langen, heißen Sommer und heftiger werdenden Diskussionen um den Klimawandel anmuten wie aus einer anderen Welt.

veröffentlicht am 02.01.2019 um 18:00 Uhr

Am 14. Februar 1979 helfen zwei Polizisten aus Hameln einem Autofahrer, der feststeckt. foto: Archiv
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Dabei war es zum Weihnachtsfest – wie so oft – noch ziemlich warm. Bei 10 Grad lagen die Temperaturen, dazu Nieselregen. Doch dann fällt das Thermometer. Und zwar um bis zu 30 Grad. Zum Jahreswechsel ist das Chaos dann da. Und als wär das nicht genug, folgt im Februar noch einmal: Schnee, Schnee, Schnee.

Am 14. Februar 1979 – die die Dewezet schreibt, dass die Menschen in Norddeutschland die Nase vom Schnee gestrichen voll haben, – sorgen erst Regen, dann Eis, Schnee, Sturm und meterhohe Verwehungen im Weserbergland für Chaos. In Norddeutschland kommen in diesem ungewöhnlich harten Winter 17 Menschen ums Leben. Bei einem Frontalzusammenstoß auf der vereisten Bundesstraße 83 in der Nähe von Grohnde sterben an diesem Tag drei Menschen, darunter ein vierjähriges Kind.

Nach den erneuten Schneefällen sind Teile Hameln-Pyrmonts von der Außenwelt abgeschnitten. Die Schneewehen bei Bisperode sind mehrere Meter hoch. Die zugewehten Straßen müssen mit Radladern und Fräsen geräumt werden. Bäckermeister August Oerke hält das Bild von seinem seinem Verkaufswagen neben der Schneewehe für die Nachwelt fest..

Posieren vor dem zugefrorenen Weserwehr im Winter 1929. foto: Archiv
  • Posieren vor dem zugefrorenen Weserwehr im Winter 1929. foto: Archiv
Zwangsübernachtung im Post-Linienbus. foto: Archiv
  • Zwangsübernachtung im Post-Linienbus. foto: Archiv
Der Wagen von Bäckermeister Oerke bei Bisperode. foto: archiv
  • Der Wagen von Bäckermeister Oerke bei Bisperode. foto: archiv

Der Bus von Hameln nach Bodenwerder bekommt am späten Nachmittag Order, an der Haltestelle „Auf der Küthe“ auf den Schneepflug zu warten. Am späten Abend bleibt dann auch der Post-Linienbus im Schnee stecken – diesmal kurz vor Bisperode. Von den 45 Fahrgästen machen sich 39 zu Fuß auf und kämpfen sich durch den hohen Schnee. Sechs Fahrgäste, die nach Harderode, Bremke und Bodenwerder wollen, müssen die Nacht gemeinsam mit dem Fahrer im Bus verbringen. Zwei eingeschneite Autofahrer suchen später im Omnibus Schutz vor dem Schneesturm.

Das Sünteltal ist damals Sorgenkind Nummer eins. Baumhohe Schneeverwehungen sorgen dafür, dass die Männer vom Betriebshof nicht zur Ruhe kommen.

Zugleich löst das Schneechaos eine Welle an Hilfsbereitschaft aus: Barbara Oerke, die mit damals mit ihrem Ehemann August in Bisperode eine Bäckerei betreibt, hilft den Eingeschneiten. Unterstützt von einer Verkäuferin kocht die Geschäftsfrau Kaffee und Tee, füllt die Getränke in Thermoskannen und bringt sie den Fahrgästen.

Das Schneechaos hatte damals auch finanzielle Konsequenzen: Per Eilverfügung musste zusätzliches Geld locker gemacht werden, denn die 70 000 Mark, die im Haushalt für den Winterdienst veranschlagt waren, waren bereits Mitte Januar aufgebraucht.

80000 DM mussten damals zugeschossen werden. „Einen Anlass zu einer derartigen Eilverfügung des Oberstadtdirektors mit Zustimmung des Oberbürgermeisters habe ich in meiner mehr als 18-jährigen Amtstätigkeit nicht wieder erlebt“, erklärte damals Oberbürgermeister Dr. Walter-Dieter Kock.

Mit dem Winter 1978/79 kamen die Erinnerungen hoch: Schon einmal hatten die Hamelner Bürger ein solches Wetterextrem erlebt – das war der Winter 1962/63. Und ein Bild aus dem Archiv der Dewezet zeigt, dass es auch 1929 eisig war: Posieren vor dem zugefrorenen Weserwehr war ohne Probleme möglich.



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