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Politik verwundert über Beratervertrag für Museum und Theater mit ehemaligem Stadtmanager

Schlichte kehrt durch die Hintertür zurück

Hameln (ni). Der ehemalige Stadtmanager Stefan Schlichte ist bei der Stadt Hameln immer noch gut im Geschäft. Von Dezember 2010 bis Ende 2011 war der inzwischen selbstständige Unternehmer per Dienstvertrag mit Koordinierungsaufgaben in der Endphase der Museumserneuerung betraut. Im Mai hat ihn die Verwaltung erneut für 13 Monate als externen Dienstleister eingekauft. Der Geschäftsführer der Schlichte Group soll offenbar beim Beackern der Problemfelder Museum und Theater helfen. Die Politik wundert sich.

veröffentlicht am 01.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 15:41 Uhr

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Auf der Internetseite seines Unternehmens wirbt Schlichte damit, einen „Projektleitungsauftrag der Stadt Hameln“ erhalten zu haben. Über den Inhalt schweigt er („als externer Dienstleister darf ich darüber nichts sagen“) und verweist an die Pressestelle der Stadt. Doch auch deren Informationen sind dürftig. An Schlichte vergeben, so die knappe Auskunft, seien zwei Aufträge. Nämlich „Steuerung und Unterstützung bei der Neustrukturierung der Zusammenarbeit zwischen Museumsverein und Stadt Hameln“ und „Prüfung der Rechtsform-Änderung des Theaters“. In beide Aufgaben soll er wöchentlich maximal 20 Stunden Arbeitszeit investieren.

Dass die vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen Stadt und Museum auf dem Prüfstand steht, ist spätestens seit der Neueröffnung des Museums bekannt. Offen ist dagegen noch, wohin die Reise gehen soll. Von Stärkung des ehrenamtlichen Engagements der Vereinsmitglieder bis hin zu Ambitionen der Stadt, sich mehr Einfluss auf das Hamelner Prestigeobjekt zu sichern – die Bandbreite der Spekulationen ist groß. Die Stadt, verantwortlich für Personal und Betriebskosten, wendet jährlich mehr als 600 000 Euro für die Einrichtung auf. Ob sie für so viel Geld auch mehr Mitspracherecht haben will – oder dem Verein sämtliche Aufgaben überträgt und ihm dafür einen abgespeckten Betrag zur Verfügung stellt – diese beide Zukunftsversionen sind offenbar noch nicht gegeneinander abgewogen. „Darüber müssen die Vertragspartner miteinander reden, und natürlich hat auch die Politik ein Mitspracherecht“, sagt die grüne Fraktionsvorsitzende Ursula Wehrmann. Sie sei bisher davon ausgegangen, dass „unsere Kulturdezernentin Frau Willamowius“ und auch Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann die Gespräche mit dem Museumsvorstand führten. „Was Herr Schlichte dabei machen soll, verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht“, so Wehrmann. Ganz nebenbei habe sie aus der Verwaltung bezüglich des Schlichte-Einsatzes im Museum eine ganz andere Information erhalten: nämlich, „dass er eine für Dezember geplante Sonderausstellung mit vorbereiten soll“. Auch für CDU-Fraktionschef Claudio Griese ist nicht nachvollziehbar, inwieweit ausgerechnet der Betriebswirt und Marketingexperte Schlichte etwas zur Klärung „des sehr komplizierten Rechtsverhältnisses zwischen der Stadt Hameln und dem Museumsverein“ beitragen kann.

Bei den letzten Haushaltsberatungen hat die Mehrheitsgruppe der Verwaltung aufgetragen zu untersuchen, welche Vor- oder Nachteile es hätte, wenn das kommunale Theater der Stadt in eine andere Rechtsform, zum Beispiel in eine GmbH, überführt wird. Wie es aussieht, hat die Verwaltung diesen Prüfauftrag jetzt an Schlichte weitergereicht. Und wie es heißt, soll der externe Berater Schlichte die Fragestellungen erarbeiten, die dann ein mit der Untersuchung zur Änderung der Rechtsform zu beauftragendes externes Fachbüro abarbeiten soll. „Umständlicher geht wohl kaum“, sagt Wehrmann. Und gänzlich unverständlich sei ihr, „warum man dafür einen Herrn Schlichte braucht, statt sich der Kompetenz unserer Theaterleiterin zu bedienen“.

Nicht nur, dass Dorothee Starke ohnehin auf der Gehaltsliste der Stadt stehe. Die Theaterwissenschaftlerin habe sich mit der Thematik auch schon intensiv beschäftigt. Sie habe nämlich in ihrer Magisterarbeit die Wirtschaftlichkeit von Theaterbetrieben in unterschiedlichen Rechtsformen verglichen. Für Claudio Griese läge da nichts näher, als bei der Ausarbeitung des Fragenkataloges auf die Theaterleiterin und ihr Wissen zurückzugreifen. Welche Qualifikation oder Erfahrung Stefan Schlichte auszeichnet, dass die Verwaltung ihm diese Aufgabe übertragen hat, das, sagt der CDU-Chef, „würde mich schon interessieren“.

Kritik wegen des Einkaufs „externer Berater“ handelte sich die Verwaltung erst kürzlich bei den Beratungen zum Neubau der Halle Nord ein. Damals ärgerte sich Wehrmann darüber, dass ein Architekturbüro wegen der Frage des Niedrigenergie-Standards zurate gezogen wurde und bezahlt werden musste, obwohl die heimische Klimaschutzagentur die Infos gratis hätte liefern können.

Bei der Stadt offensichtlich als „externer Berater“ gefragt: Stefan Schlichte, Ex-Stadtmanager und Geschäftsführer der Schlichte Group.

Foto: Wal

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