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Opfer: Ich wurde angefahren und schwer misshandelt / Schöffengericht spricht fünf Angeklagte frei

„Schlagt ihn tot, er soll nichts mehr sagen“

Hameln. Zwei Väter, deren Söhne und ein weiterer Verwandter sitzen im Hamelner Amtsgericht auf der Anklagebank. Die fünf Männer, die alle denselben Nachnamen tragen, haben ihre Unschuldsmienen aufgesetzt. Sie sehen aus, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Dabei haben Micky D. (56), Eginhard D. (52) und Heribert D. (45) schon einiges auf dem Kerbholz. Micky D., der angeblich weder lesen noch schreiben kann, könnte man durchaus als „schweren Jungen“ bezeichnen: Er hat 20 Eintragungen im Bundeszentralregister, ist bereits wegen Totschlags, Vergewaltigung, Körperverletzungsdelikten, Raubüberfällen und Gefangenenmeuterei verurteilt worden. Heribert und Eginhard D. sind ebenfalls Gewalttäter und schon mehrfach wegen Körperverletzung in Erscheinung getreten. Nur Claudio D. (21) und Ricky D. (20), die Söhne von Heribert und Eginhard, sind bislang noch unbeschriebene Blätter.

veröffentlicht am 01.10.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Das, was die Staatsanwaltschaft den Männern vorgeworfen hat, passt irgendwie ins Bild: Die Gruppe soll am Nachmittag des 18. Mai auf der Wangelister Straße/Ecke Wertheimer Straße den Hamelner Andreas B. schwer misshandelt und verletzt haben. Mögliches Motiv: Der 42-Jährige hatte am 22. November 2009 Strafanzeige gegen Heribert D. erstattet. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass seitens der Familie D. Druck auf Andreas B. ausgeübt wurde, um zu erreichen, dass dieser die Anzeige zurückzieht. Am 16. Mai, also zwei Tage vor der Attacke, soll Micky D. eine Flasche auf den Hamelner geworfen und ihn geschlagen haben.

Andreas B. sagte aus, er sei sofort mit seinem Fahrrad geflüchtet, als er die D.s gesehen habe. Sie hätten ihn verfolgt. Heribert D. habe ihn absichtlich mit seinem Auto angefahren, um ihn zu stoppen. Andreas B. soll in eine Hecke geflogen, geschlagen und getreten worden sein. Er behauptet, Heribert und Micky D. hätten ihn auch mit Teleskopschlagstöcken am Kopf verletzt. Micky D. soll geschrien haben: „Schlagt ihn tot, er soll nichts mehr sagen.“ Andreas B. will „furchtbare Angst“ gehabt und sich tot gestellt haben. Er glaube, sagte er wenige Tage nach dem Vorfall, dass er nur deshalb noch am Leben sei, weil eine Frau geschrien habe. Ein Krankenwagen brachte das am Kopf blutende Opfer, das sich zwei Platzwunden und einen Nasenbeinbruch zugezogen hatte, zur Notaufnahme.

Vier Monate nach dem Überfall müssen sich die fünf Männer vor dem Schöffengericht in Hameln verantworten. Bis auf Ricky D. haben alle einen Verteidiger. Der Vorsitzende Richter Ingo Flasche vernimmt zunächst das Opfer und die Zeugen der Anklage. Andreas B. verstrickt sich in Widersprüche, und die Augenzeugen haben entweder nur sehr wenig oder gar nichts gesehen. Eine Frau schließt aus, dass es ein Mercedes war, mit dem der Mann über den Haufen gefahren wurde. Sie schaut sich ein Foto, das das angebliche Tatfahrzeug zeigt, an und sagt, so ein Auto (es ist Heribert D.s Mercedes) sei es nicht gewesen. Auch die Täter erkennt sie im Gerichtssaal nicht wieder. Heribert D.s Wagen weist keine Beschädigungen auf. Schon bei der Polizei hatte Heribert D. ausgesagt, er habe zur fraglichen Zeit daheim im Garten gesessen und gegrillt. Dafür hat er gleich sechs Zeugen angegeben. Und Eginhard D. behauptete, nicht das Geringste mit der Sache zu tun zu haben.

Die Staatsanwältin und die Strafverteidiger Uwe Behnsen, F.-Eckart Klawitter, Stephan Meyer und Helmut Vogt sind sich ausnahmsweise mal einig – sie plädieren auf Freispruch für die Angeklagten. Ricky D. schließt sich dem Antrag an.

Nach kurzer Beratung verkündet Richter Flasche das Urteil. Die fünf Männer werden freigesprochen – aus Mangel an Beweisen. „Den Angeklagten“, erklärt der Direktor des Hamelner Amtsgerichts, Dr. Herbert Seutemann, „war die Tat nicht sicher nachzuweisen.“

An dieser Stelle soll der Radfahrer von einem Auto angefahren und von mehreren Männern geschlagen und getreten worden sein.

Foto: ube



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