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Ein etwas anderes Neujahrskonzert mit dem Orchester des Stadttheaters Hildesheim

Schlager, Schnulzen und Schmonzetten

HAMELN. Vor 23 Jahren, im Januar 1995, gab es erstmals ein Neujahrskonzert mit dem Orchester des Stadttheaters Hildesheim im Hamelner Theater. Und über all die folgende Zeit hörte man gepflegte Klassik, fast immer präsentiert und moderiert von Werner Seitzer, der nach langem Wirken einem Nachfolger Platz machte: Florian Ziemen ist der neue Generalmusikdirektor.

veröffentlicht am 07.01.2019 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 07.01.2019 um 17:50 Uhr

Brillierten: Solistin Neele Kramer mit Generalmusikdirektor Florian Ziemen. Foto: geb

Autor:

Ernst-W. Holländer

Vor einem Jahr erlebte man ihn erstmals mit einem immerhin ungewöhnlichen, aber doch weitgehend klassischen Programm.

Aber diesmal war es ganz anders. Angekündigt waren Schlager, Schnulzen und Schmonzetten, aber im ersten Teil des Konzerts ging es noch recht „gesittet“ zu. Erich Wolfgang Korngold, hier als Komponist der Oper „Die tote Stadt“ bekannt, hat in den USA viel Filmmusik geschrieben, und so hörte man mit packendem, ja, anfangs recht grellem Einsatz der TfN-Philharmonie Aufregendes, aber auch Lyrisches aus seiner Feder. Neele Kramer, eine der Solistinnen im Hildesheimer Ensemble, sang dann wohlklingend „Speak Low“ von Kurt Weill, und wenig später war Meike Hartmann mit Stücken aus den „Brettl-Liedern“ des damals noch sehr zahmen späteren „Zwölf-Töners“ Arnold Schönberg zu hören. Dazwischen aber ein musikalisches Juwel, meisterhaft gespielt: das zauberhafte Adagietto aus Gustav Mahlers fünfter Sinfonie.

Dann aber konnten die Hildesheimer wirklich ganz anders: Rossini, der Meister großer Opern, mochte wohl auch mal richtig albern sein, und so stammt von ihm das „Katzenquartett“ mit überwältigendem Text. Zu den Damen gesellten sich Levente György und Uwe Tobias Hieronimi, und alle vier überboten sich im virtuosen und schrillen „Miau“. Katzenjammer erlebten wir danach nicht.

Nach der Pause gab es erst das allzu schnell dahingefetzte Vorspiel zu Bizets „Carmen“, und dann beschäftigte man sich mit dieser Oper: urkomisch Neele Kramer mit „Lass mich einmal deine Carmen sein“, noch komischer Hildesheims bewährter, sonst so seriöser, Bassist Hieronimi mit „Carmen, hab erbarmen“, geklagt immerhin von Max Raabe. Wer hätte eigentlich gewusst, dass „Funiculi, Funicola“ von Nicolai Rimsky-Korsakow stammt? Wenn man es nun hörte, dachte man vielleicht an einen gar nicht so stubenreinen Text dazu. Aber jetzt waren auch alle fröhlichen Geister losgelassen: Levente György schmetterte den Hit „Volare“, und das Publikum durfte mitsingen.

Es fehlte noch der Badewannen-Tango, genüsslich vorgetragen von Hieronimi. Was dann als „Ganz große Oper“ über die Bühne kam, waren orchestrale Takte aus wohlbekannten Werken, gefolgt von witzigen Texten und einigem Klamauk, es durfte auch geklatscht und gepfiffen werden. Man hatte ja seinen Spaß daran, aber einigen war vielleicht der Spaß vergangen. Ob sie dann wohl von dem doch noch ganz klassisch vorgetragenen Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater wieder versöhnt waren?

Hier das eindeutig Positive an diesem Neujahrskonzert: Florian Ziemen, der versierte Generalmusikdirektor in Hildesheim, leitete das brillant musizierende Orchester, voll im Einsatz bis hin zur Erschöpfung und merklicher Atemnot. Manchmal, wenn er das Publikum anfeuerte, spielten seine Musiker auch ganz sicher ohne seine Leitung. Nicht zu vergessen: seine Leistung beim Arrangieren, beim Einstudieren, auch beim kundigen Moderieren verdient hohes Lob! Alle vier Solisten hatten spürbar helle Freude an ihren Aufgaben, am Spiel, an der Parodie, und sie gaben ihr Bestes. Schließlich: der frenetische Applaus des Publikums, die „Standing Ovations“, das begeisterte Mitgehen, all das bewies unzweifelhaft: Dies war auch ein besonderes Neujahrskonzert, ein Konzert auf neuen Wegen.



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