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von Marc Fisser

Schlafmittel in Buchform

veröffentlicht am 01.12.2014 um 13:06 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:30 Uhr

DDR-Bücher

Was könnte man hier Sinnvolles kaufen?“, fragte sich meine damalige Freundin, als sie 1984 während einer Studienfahrt nach West-Berlin für einige Stunden auch den Ostteil, die „Hauptstadt der DDR“, besuchte. Die 25 DDR-Mark des 1:1-Zwangsumtausches durften nicht mit zurückgenommen werden, waren angesichts des niedrigen Preisniveaus und des mageren exportfreien Warenangebots aber auch nicht leicht auszugeben. So griff sie in einer Buchhandlung zu und glaubte, mir als Politikinteressierten eine Freude zu machen – mit dem „Statut der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ und dem 364-seitigen Erinnerungsband „Die ersten Jahre“ der DDR von „Aktivisten der ersten Stunde“.
 Natürlich habe ich hin und wieder in beiden Büchern geblättert. Aber der pathetisch-ideologische Duktus („Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands als die höchste Form der gesellschaftlich-politischen Organisationsform der Arbeiterklasse …“) machte die Lektüre eher zum Schlafmittel. Trotzdem haben die Bücher ihren Platz im Regal verteidigt – waren sie doch bald historische Zeugnisse.
 Im Sommer 1990 wurde ich für mehrere Wochen von der Dewezet in die Redaktion der „Quedlinburger Zeitung“ entsandt. Die letzten Wochen der DDR vor Ort journalistisch zu begleiten, war ein ganz besonderes Erlebnis. Die Geschichte und die Geschichten lagen förmlich auf der Straße, es gab sehr emotionale menschliche Begegnungen. Die erste Aufregung für mich gab es, als ich nach der Ankunft mein Auto vor der Redaktion im eingeschränkten Halteverbot abstellte, um mich nach einer dauerhaften Parkmöglichkeit zu erkundigen. Als ich nach wenigen Minuten zurückkehrte, klemmte eine polizeiliche Vorladung hinter dem Scheibenwischer. Wegen einer Ordnungswidrigkeit sollte ich mich am selben Tag bis 18 Uhr beim Volkspolizeikreisamt einfinden, um dort Stellung zu nehmen. Ich war zwar etwas eingeschüchtert, hatte jedoch keine Zeit, zur Wache zu gehen. Offenbar hatten die DDR-Polizisten aber auch keine Zeit oder keine Lust, die Sache mit dem BRD-Autofahrer weiterzuverfolgen: Ich habe nie wieder von ihnen gehört. Das „Knöllchen“ ohne Folgen klemmt seitdem im Fotoalbum.



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