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Französische Kammerphilharmonie erntet Beifallsstürme

Schillernde Dramatik und klagende Tiefe

HAMELN. Lara ist 12, geht in die 7D und hat sich wie ihre 26 Mitschüler für den Konzertbesuch herausgeputzt. Gut vorbereitet und mit einem informativen Arbeitsblatt ausgestattet, warten die Vikilu-Schüler und ihre Musiklehrerin, die Pianistin Cecily Reimann, gespannt auf das vierte Konzert der Dewezet-Classics-Serie.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 15:52 Uhr

Johanna Stier beeindruckte nicht nur Dirigent Philip van Buren mit ihrem Spiel auf der Oboe. foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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„Mit allen Siebten einmal im Jahr ins Konzert, da müssen sie durch“, sagt Reimann schmunzelnd. Gleich der Auftakt des Konzertabends ist aber ganz nach dem Geschmack der jungen wie älteren Besucher, die das große Haus des Hamelner Theaters leider nur zur Hälfte füllen. Joseph Boulogne Chevalier de Saint Georges, der „Mozart Noir“, geboren angeblich 1739 als Sohn einer Sklavin auf der Karibikinsel Guadeloupe, Fechter, Turner, Abenteurer, Generalmusikdirektor von Marie Antoinette, war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Musiklebens der Revolutionsepoche. Seine „Symphonie G-Dur, op. 11 Nr. 1“ erweist sich als überaus mozartesk.

Und so konnten die mit der Formensprache Mozarts vertrauten jungen Zuhörer die schillernde Dramatik des Stückes ohne größere Schwierigkeiten verfolgen. Zumal die jungen Musizierenden der international renommierten Französischen Kammerphilharmonie unter Philip van Buren dessen Dynamik hervorragend akzentuieren. Es erklingt ein an dramatische gestalteten Wohlklängen reiches, sehr effektvoll gestaltetes Musikstück. Kein Wunder, dass der Oberst der „Légion Saint-Georges“ damit seinerzeit in Paris große Publikumserfolge feiern konnte.

Auf Wunsch des erkrankten Hamelner Theaterintendanten dann das „Konzert für Oboe und kleines Orchester D-Dur“ von Richard Strauß. Uraufgeführt 1946 in Zürich, dem dortigen Tonhalle-Orchester gewidmet, in klassischer Form geschrieben. mit einem Solopart, der das ganze Stück durchläuft. Johanna Stier, vielfach ausgezeichnete Stipendiatin der Mozart-Gesellschaft Dortmund erntete für ihre Leistung Bravorufe und anhaltenden Applaus. In der Pause stellte sich die 1991 geborene Musikerin den Fragen der Schüler. Die erfuhren, dass Stiers Oboe knapp 10000 Euro kostet, sie ihre Mundstück-Blättchen selber herstellt, rund 100 Auftritte pro Jahr absolviert und durch ihre musikinteressierten Eltern, vor allem aber durch den Eindruck bei einem Konzertbesuch in diese Laufbahn gekommen sei.

Derart motiviert hörte der Konzertbesuchernachwuchs die abschließende D-Moll Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart mit möglicherweise etwas anderen Ohren. „Das kennen wir, das ist ja auch sehr bekannt“, so eine Schülerin über die Komposition, die für Robert Schumann einfach nur von „griechisch schwebender Grazie“ war. Im Gegensatz zur schillernden Farbigkeit der Eingangsstückes des Abends machte die Französische Philharmonie deutlich, dass Mozart eben unvergleichlich ist und stellte die wohlklingende, wenngleich vielfach leicht aufgesetzte Dramatik Joseph Boulognes gegen das existenzielle, von Trauer, Klage und aufs menschlich Wesentliche konzentrierte Mozartsche Meisterwerk.

Tosender Applaus, Bravorufe, eine technisch brillante Pizzikato-Zugabe und der Ruf eines Besuchers „Wiederkommen“ beendeten einen für Jung und Alt ebenso genussvollen wie erfahrungs- und lehrreichen Konzertabend.

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