weather-image
10°

Lehrerboykott von Klassenfahrten polarisiert – Schüler: „Das ist total unfair“

Schießt die Vikilu ein Eigentor?

Hameln. Die Oberstufenschülerinnen, die vor dem Hauptgebäude der Viktoria-Luise-Schule stehen, lachen erleichtert. Sie haben gerade eine Klausur hinter sich. Die in der 12. Klasse übliche Kursfahrt haben sie ebenfalls hinter sich. Mitgenommen habe sie einmalige Erinnerungen an Prag. Wahrscheinlich werden sie sich noch beim Abitreffen in 20 Jahren lebhaft daran erinnern.

veröffentlicht am 28.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 01:41 Uhr

270_008_6631472_hm106_2809.jpg
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Sie sind froh, sagen sie, dass sie die Fahrt schon hinter sich haben. Denn ob nachfolgende Jahrgänge noch in den Genuss kommen, ist fraglich, seit die Lehrer angekündigt haben, die Fahrten zu streichen. Es sei denn, die Landesregierung rückt von ihren Plänen ab, die Arbeitszeit für Gymnasiallehrer zu erhöhen (wir berichteten).

„Einige Kurse, die bereits gebucht haben, fahren“, sagt eine Elftklässlerin. Doch für die, die bisher nur geplant haben, falle die Fahrt vielleicht flach – unter anderem eine Reise nach Prag. Zum Ausgleich soll etwas anderes organisiert werden. Für die Elftklässerin nur ein schwacher Trost: „Total unfair“, urteilt sie. „Das ist total doof“, stimmen andere ein. „Bei so einer Fahrt lernt man sich doch erst richtig kennen.“ Schlecht sei es auch für seinen kleinen Bruder, der gerade erst an die Schule gekommen sei, meint ein Oberstufenschüler. In der Klasse mit vielen Migranten wäre die Klassenfahrt besonders wichtig.

„Aber die Lehrer können nichts anderes machen“, verteidigt ein anderes Mädchen. Im Unterricht wurde ihnen erklärt, warum der Schritt notwendig sei, sagt sie. Die meisten hatten danach Verständnis für die Lehrer. Dafür, dass die Schüler die Suppe auslöffeln sollen, nur zum Teil. In den Elternhäusern halte sich das Verständnis ebenfalls in Grenzen, ist zu hören.

Die ungewöhnliche Situation an der Vikilu polarisiert. So, wie im Personalrat der Schule über die Wahl des Druckmittels diskutiert wurde, tun es auch die Schüler. Sie wägen Pro und Contra ab, tun sich jedoch schwer mit einer klaren Stellungnahme. Und demonstrieren damit vor allem eins: Hilflosigkeit.

Am liebsten wäre es ihnen, man fände ein anderes Mittel, sie fragen sich, ob wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Muss es zum Beispiel sein, dass dem zweiten Lehrer, der mit auf Klassenfahrt fährt, Minusstunden angerechnet werden? fragt ein Schüler. Auch die vier Überstunden, die die andere Lehrkraft, die mitfährt, für fünf Tage Klassenfahrt angerechnet bekommt, seien nicht gerade viel. Immerhin trägt sie rund um die Uhr Verantwortung. Übrigens: Einen Teil der bei den Fahrten entstehenden Kosten müssen die Lehrer aus eigener Tasche zahlen.

Dennoch: Die Solidarität für die Lehrer scheint auf wackeligen Füßen zu stehen – zumindest vor der Schule. Dort wird von einigen auch noch eine andere Befürchtung geäußert: Was ist, wenn sich als Folge immer weniger Schüler an der Vikilu anmelden? Im Gegensatz zum Schiller- und Albert-Einstein-Gymnasium waren die Anmeldungen immerhin schon in diesem Jahr rückläufig.

Bei allem Verständnis für die Lage der Lehrer haben einige Schüler den leisen Verdacht, dass die Schule mit dieser Aktion ein Eigentor geschossen haben könnte. „Wir wären dann das einzige Gymnasium in Hameln, das keine Klassenfahrten mehr macht,“ sagt einer von ihnen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt