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Klütschule fehlen für die Umsetzung des Konzeptes Mittel und Räume / Neidvoller Blick nach Celle

Scheitert die Ganztags-Grundschule am Geld?

Hameln (ni). Die Klütschule soll zum kommenden Schuljahr zu Hamelns erster Ganztagsschule im Grundschulbereich werden. Das pädagogische Konzept dafür steht, doch die für die Umsetzung unerlässlichen Rahmenbedingungen sind noch lange nicht erfüllt. „Uns fehlt nicht nur ein Raum, uns fehlen auch noch 10 000 Euro, um das erforderliche Personal bezahlen zu können“, sagt Schulleiter Raimund Seeldrayers. Er sieht der geplanten Ausweitung des Ganztagsangebotes auf alle Jahrgänge der Grundschule darum auch mit gemischten Gefühlen entgegen – und blickt neidvoll nach Celle. Die Stadt im Süden der Lüneburger Heide hat im vergangenen Jahr alle 15 Grundschulen in Ganztagsschulen umgewandelt, dafür drei Millionen Euro in bauliche Veränderungen investiert und darüber hinaus im städtischen Etat ein Jahresbudget von 1,8 Millionen Euro für die laufende finanzielle Unterstützung der Einrichtungen eingeplant. Von den Celler Verhältnissen kann Seeldrayers in Hameln nur träumen.

veröffentlicht am 06.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 23:41 Uhr

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Bezugspersonen wechseln jährlich

Von der Sinnhaftigkeit des Angebotes ist Seeldrayers felsenfest überzeugt, aber die Fülle noch ungeklärter Fragen macht ihm Kopfschmerzen angesichts der Tatsache, dass heute schon 70 Prozent der künftigen Erstklässler an seiner Schule für den Ganztagsbetrieb angemeldet sind. Bislang besteht dieses Angebot nur für die Kinder der jetzigen ersten und zweiten Klassen. Insgesamt 40 Jungen und Mädchen nutzen es; manche täglich, andere nur an einigen Tagen in der Woche. Zwei Betreuer und 64 Quadratmeter Raum stehen den zwei Gruppen zur Verfügung. Mit Beginn des neuen Schuljahres soll das Angebot auf alle Grundschuljahrgänge ausgedehnt werden. Passende Räume gibt es für die neuen Gruppen noch nicht. Doch das Platzproblem, glaubt Seeldrayers, ließe sich wohl durch den Umbau eines zurzeit noch als Lager genutzten Raumes oder durch die Aufstellung eines Containers lösen.

Die Kinder einfach in vorhandenen Unterrichtsräumen unterzubringen, gehe dagegen nicht. Denn die Schüler gestalteten „ihre“ Klassenzimmer immer ganz individuell aus. Keine Dekoration und auch keine an der Wand zur Schau gestellten Arbeitsergebnisse würde lange überleben, „wenn da 20 fremde Kinder rumtoben“. Außerdem seien die Klassenräume auch wegen ihrer Möblierung für das Ganztagsangebot ungeeignet. Seeldrayers: „Man müsste jeden Tag die Möbel rücken“, hätte weder das für den Nachmittag benötigte Material zur Hand noch eine Ruhezone zur Verfügung, die die Schüler noch brauchten, um sich nach dem Essen eine Weile zurückziehen zu können.

Doch selbst wenn die Stadt Hameln als Schulträger in die Tasche greift, um die räumlichen Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung zu schaffen – das Personalproblem wäre damit noch nicht vom Tisch. Mindestens 10 000 Euro sind laut Schulleiter erforderlich, um zwei zusätzliche Mitarbeiter finanzieren zu können. „Das Geld haben wir noch nicht“, sagt Seeldrayers und ist ein wenig beunruhigt, weil die Frage der Finanzierung offenbar auch bei der heutigen Sitzung des Schulausschusses nicht auf der Tagesordnung steht. Als unbefriedigend empfindet er außerdem, dass sich die Schule mit diesem knappen Budget nur ABM-Kräfte leisten kann – mit auf ein Jahr befristeten Arbeitsverträgen. Aus pädagogischer Sicht und vor allem mit Blick auf die steigende Zahl „schwieriger Kinder“ sei dieser häufige Wechsel der Bezugspersonen „alles andere als optimal“, sagt Seeldrayers. Wenigstens zwei feste Stellen wären in seinen Augen nötig, damit die Schule kontinuierlich gute Arbeit im Ganztagsbereich machen könne. Schließlich gehe es dabei um mehr „als nur um die Aufbewahrung von Kindern“.

Stadt Celle investiert in die Zukunft ihrer Kinder

Sollten Raum- und Personalfrage rechtzeitig geklärt sein, könnte umgehend das nächste Problem auftreten: nämlich dass mit dem Angebot von dann insgesamt 80 Plätzen der tatsächliche Bedarf noch lange nicht gedeckt wäre. Als einzige Hamelner Grundschule mit Ganztagsangebot steht die Klütschule allen Kindern der Stadt offen; das ist vom Schulträger so gewollt und schlägt sich bereits in den Anmeldungen für das neue Schuljahr nieder: Zehn Prozent der angehenden Erstklässler kommen aus „fremden“ Schulbezirken und wurden von ihren Eltern gerade wegen des Ganztagsangebotes an der Klütschule angemeldet. Genau die Eltern könnten aber mit Zitronen gehandelt haben. Denn wenn die Nachfrage die Zahl der Ganztagsplätze übersteigt, „müssen wir die Schüler auswählen, die wir aufnehmen und werden dabei die Kinder aus unserem Einzugsgebiet bevorzugen“, erklärt Seeldrayers.

In Celle läuft das alles ganz anders. Seit 2008 sind alle Grundschulen der Stadt Ganztagsschulen. Ein Jahr Planung mit allen Beteiligten – angefangen von den Schulleitern über den Träger der Jugendhilfe bis hin zu freien Trägern der Jugendarbeit, Kindergärten und Eltern – war dem Start vorgeschaltet. Und das Konzept war am Ende offensichtlich so überzeugend, dass die Politiker den beliebten Satz „Kinder sind unsere Zukunft“ nicht nur weiter im Munde führten, sondern auch danach handelten. Sie waren bereit, für die Zukunft „ihrer“ Kinder eine Stange Geld in die Hand zu nehmen – auch für Aufgaben, die eigentlich das Land Niedersachsen finanzieren müsste. Dr. Susanne Schmitt war in Celle die treibende Kraft bei diesem Kraftakt, der schon jetzt die von der Ersten Stadträtin und Sozialdezernentin erhofften Früchte trägt: „Über 50 Prozent unserer Grundschulkinder sind im Nachmittagsbetrieb, vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten.“ Für pädagogisch qualifizierte Mitarbeiter hat Celle ebenfalls gesorgt. Die Stadt löste die 100 Plätze in ihren zehn Horten auf; das dadurch frei gewordene Personal – auch das der freien Träger – arbeitet jetzt an den Grundschulen. Und damit die Teilnahme am Ganztagsbetrieb nicht am Essensgeld für die Kinder scheitert, greift Celle Familien mit geringem Einkommen zusätzlich mit rund 50 000 Euro unter die Arme. „Die Lehrer und die Schulsozialarbeiterin wissen in der Regel, bei welchen Eltern das Geld sehr knapp ist“, sagt Schmitt. Diese Eltern würden „behutsam angesprochen“, und die Stadt entscheide in jedem Einzelfall, ob sie einen Zuschuss zum Essensgeld gewährt, damit die Kinder für einen Euro am Tag in der Schule satt werden können.

10 000 Euro und ein Raum müssen her, um aus der Klütschüle eine Ganztagsschule zu machen.Foto: Wal



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