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Gutachten zum Verkauf des Weserberglandzentrums liegt vor

Scheiden tut weh

Das Weserberglandzentrum soll schon länger verkauft werden, denn die Auslastung lässt zu wünschen übrig. Doch Theater, Bellevue-Center und Hotel Mercure sind rechtlich und baulich so eng mit dem WBZ verzahnt, dass nicht sicher ist, ob ein Verkauf wirklich zustande kommt – entscheiden müssen am Ende die Politiker.

veröffentlicht am 25.06.2017 um 17:57 Uhr
aktualisiert am 26.06.2017 um 21:51 Uhr

Eine positive Nachricht: Die Auslastung des WBZ ist in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, in diesem Jahr wird es noch ein wenig besser. Foto: Archiv/Dana
Dr. Guido Erol Hesse-Öztanil

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Dr. Guido Erol Hesse-Öztanil Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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HAMELN. Es ist wie bei einer Scheidung: Bevor die Ehepartner getrennte Wege gehen können, werden die Vermögensverhältnisse ermittelt und die Frage geklärt, wem künftig was gehören soll. So müht sich die Verwaltung damit ab, die räumliche Verbundenheit des Weserbergland-Zentrums (WBZ) mit gleich drei „Partnern“ – Theater, Bellevue-Center und Hotel Mercure – aufzulösen. Zumindest auf dem Papier. Das ist Voraussetzung für den Verkauf des Veranstaltungszentrums, das sich bislang nur schwer wirtschaftlich von der Hameln und Marketing und Tourismus GmbH betreiben lässt. Die HMT ist für die Vermarktung der städtischen Veranstaltungshäuser – dazu zählt neben dem WBZ noch die Rattenfänger-Halle – verantwortlich.

Bereits im Dezember 2015 hatte die damals aus CDU und Grünen bestehende Mehrheitsgruppe im Rat die Verwaltung beauftragt, einen Käufer für das 1500 Quadratmeter große Gebäude zu finden und eine Ausschreibung vorzubereiten. Der Investor muss dabei folgende Kröte schlucken: Die Stadt will sich die Nutzungsrechte vertraglich sichern, um auch künftig Ratssitzungen und andere wichtige Veranstaltungen im WBZ stattfinden zu lassen.

Rund 20 Monate später ist man auf den ersten Blick von einer schriftlich verfassten Verkaufs-Offerte immer noch weit entfernt. Still ruht der See. Das erweckt den Eindruck, im Rathaus habe man das Thema aus den Augen verloren. Das sei nicht der Fall, entgegnet die Verwaltung. Vielmehr stelle sich die „Abarbeitung des Ratsbeschlusses“ als „äußerst kompliziert“ dar. Eine Aussage, die jedoch in schöner Regelmäßigkeit zu hören ist, wenn das Rathaus Auskunft zum geplanten WBZ-Verkauf erteilt. Man verweist stets auf die komplexe rechtliche Situation, die zu klären sei. Eine genaue Trennlinie, sowohl juristisch als auch baulich, müsse zum Theater, zum Bellevue-Center und Hotel Mercure gezogen werden – was nicht ohne Weiteres möglich sei. Vor allem die enge Verzahnung von WBZ und Theater bereite Kopfzerbrechen. „Wasser, Strom, die gesamte technische Infrastruktur sowie die Rettungswege und der Brandschutz beider Gebäude sind verknüpft“, erklärt Rathaus-Sprecher Thomas Wahmes.

Von einer Ausschreibung sei man „sehr sehr weit“ entfernt, hatte die Stadt im Februar 2016 verkündet. Im Frühjahr 2017 hieß es, eine Ausschreibung sei nicht mehr im ersten Halbjahr 2017 zu erwarten. Seitdem herrscht Stillschweigen.

Eine Nachfrage ergab, dass die Verwaltung das Problem der Trennung nicht mit eigener Manpower zu klären in der Lage ist. Erst dann aber können ein Verkaufspreis festgelegt und eine Ausschreibung erstellt werden. „Die Mitarbeiter sind mit anderen, drängenden Themen vollauf beschäftigt und gehen schon auf dem Zahnfleisch“, sagt der Stadtsprecher und verweist auf die Bauarbeiten am Schulzentrum Nord und Städtebauförderungsprojekte. Hinzu kommt: „Offensichtlich wurde die Komplexität dieser Materie politisch bislang unterschätzt.“

Externe Fachleuchte wurden also herangezogen. Mit der Frage der rechtlichen Trennung setzte sich eine auf Baurecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei auseinander, die baulichen Aspekte nahm ein Architekt unter die Lupe. Die rechtliche Prüfung ist mittlerweile abgeschlossen. Zu den Kosten für das Gutachten will sich die Stadt nicht äußern. Der Betrag für die juristische Expertise liege im unteren vierstelligen Bereich.

Und welche Schlüsse zieht die Verwaltung aufgrund der Expertenmeinungen? Zumindest die, dass eine Trennung schwierig sein dürfte. „Die Umsetzung wird angesichts der Größe des Gebäudes, der einzelnen notwendigen Regelungen und insbesondere der vorhandenen Anlagen und Betriebstechnik einen hohen Zeit- und wohl auch Kostenaufwand bedingen“, resümiert Wahmes. Das wiederum wird sich „auf den zu erzielenden Verkaufserlös“ auswirken.

Nach der Sommerpause werden die Ratsmitglieder in ihrer Post die Verwaltungsvorlage zum WBZ-Verkauf finden. Das Thema wird erstmals auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses am 10. August stehen.

Dass letztlich die Veräußerung des WBZ wirklich eingeleitet wird, ist keinesfalls sicher. Am Ende könnte die Verwaltung der Politik empfehlen, das WBZ in städtischer Hand zu belassen. Das wäre der Fall, wenn die Kosten für die Trennung der Gebäude unverhältnismäßig hoch ausfielen. Ebenfalls bedenkenswert: Laut HMT-Chef Harald Wanger ist es gelungen, die Auslastung des WBZ in den vergangenen zwei Jahren zu steigern. „In diesem Jahr wird es noch ein wenig besser“, so Wanger. Auch das könnte ein Grund sein, von einem Verkauf abzusehen. Letztlich liegt die Entscheidung bei der Politik. Nach Auskunft von CDU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Meyer-Hermann ging die Initiative für den WBZ-Verkauf vor allem auf die Grünen zurück. Die müssen sich seit der Wahl im Rat mit der SPD und den Linken gegen neue Koalitionspartner durchsetzen. Ein Konflikt scheint vorprogrammiert, standen doch die Sozialdemokraten dem Verkauf bislang skeptisch gegenüber. „Ich bin gespannt, wie es weitergeht“, so Meyer-Hermann.

An der grundsätzlichen Position der Grünen hat sich nichts geändert, auch wenn eine abschließende „Meinungsbildung in der Fraktion“ noch ausstehe, wie Grünen-Chef Sven Kornfeld mitteilt. „Ich stehe einer Veräußerung des WBZ positiv gegenüber.“ Die Stadt müsse nicht unbedingt über ein eigenes Veranstaltungsgebäude verfügen.



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