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Der Metalldetektor als Hobby – Archäologe weist auf Schulungen hin

Schatzsuche nur mit Erlaubnis

WESERBERGLAND. Panzerfäuste, Handgranaten, Munition – der Fund nahe Blomberg war vor allem für den Finder ein Knaller. Archäologen allerdings betrachten Spaziergänger, die sich mit Metalldetektoren auf den Weg durch die Natur machen, grundsätzlich eher mit Argwohn: Nur wenige verfügen über eine erforderliche Genehmigung des jeweiligen Landesamtes für Denkmalschutz.

veröffentlicht am 17.02.2019 um 13:20 Uhr

Mit Metalldetektor unterwegs – das Hobby spricht viele an. Kaufen darf das Gerät jeder, damit suchen nur, wer eine offizielle Genehmigung dafür hat – und auch dann nicht überall. FOTO: DPA
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Einfach mal „sondeln“ , wie das Suchen mit Metallsonde auch genannt wird, ist demnach verboten, wie Dr. Jens Berthold erklärt. Er arbeitet als Kommunalarchäologe für die Landkreise Nienburg und Schaumburg (ohne Rinteln) sowie für die Stadt Hameln. Im Wald mit Detektoren zu suchen, ist laut Berthold eine Ordnungswidrigkeit, gegebenenfalls sogar eine Straftat. „Die Gefahr, dass Fundstellen zerstört und geplündert werden und Funde ins Internet gestellt oder undokumentiert und ungemeldet in Schubläden verschwinden, ist sehr reell“, erklärt er.

Um das Hobby der Sucher aber auch für ihre Zwecke nutzen zu können, bietet in Niedersachsen das Landesamt für Denkmalpflege und im Nachbarlandkreis Lippe der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) extra Kurse für Sondengänger an. Darin wird ihnen der theoretische Hintergrund zu Rechten und Pflichten rund um Funde, korrekte Einmessung von Fundorten vermittelt, auch Kampfmittel im Boden und die Gefahren, die von ihnen ausgehen, werden thematisiert. Im Praxisteil können die Teilnehmer zusammen mit einem Experten einer Denkmalschutzbehörde „sondeln“. Was eine Teilnahmebescheinigung nicht ist: die Genehmigung, sich auf die Suche nach Kulturdenkmälern zu machen. Die muss extra bei den zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörden angemeldet werden – bei der Stadt Hameln, beim Landkreis oder beim Denkmalpflegeamt in Bad Pyrmont. In Hameln sind laut Rathaus zurzeit keine „legalen“ Sondengänger unterwegs.

Konkrete Fälle mit Ordnungswidrigkeitsverfahren habe es mangels Identifizierung beziehungsweise Beweislage in der Stadt Hameln noch nicht, berichtet Berthold. Er selbst arbeitet in Schaumburg und Nienburg mit etwa zehn ehrenamtlichen Sondengängern zusammen und stecke viel Zeit in die Betreuung und Fundmeldung. In den vergangenen zwei bis drei Jahren seien immer mehr „Neulinge“ hinzugekommen.

Dass im Wald selbst mit einer behördlich erteilten Genehmigung nicht gesucht werden darf, sondern nur auf Feldern und freien Flächen, hat laut Dr. Jens Berthold folgenden Hintergrund: „Auf Äckern ist der Boden meist bis 30 bis 40 Zentimeter ständig durchgepflügt. Wer hier etwas findet, reißt es nicht aus seinem (Schicht-)Kontext und eine Einmessung etwa per GPS ist Dokumentation genug.

Tiefer als die Pflugschicht reicht die Sonde meist eh nicht. Im Wald ist der Bodenaufbau ganz anders und Störungen sowie Aufträge geringer. Man ist hier unmittelbar in ungestörten Schichten und zerstört beim Graben unmittelbar Befunde und geschlossene Fundzusammenhänge.“ Als Beispiel nennt Berthold eine Burg: „Wer dort mit einer Sonde geht, reißt dann alle Münzen aus der Brandschuttschicht, die uns ein Brand- oder Kriegsereignis datieren würde, das ohne Münzen vielleicht gar nicht mehr genau zu datieren ist.“



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