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Prozess um Familienfehde mit sieben Verletzten beginnt / Gericht will auf alles vorbereitet sein

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen

Hameln. Der Prozess um eine gewalttätige Familienfehde, der am Montag vor dem Hamelner Schöffengericht beginnt, findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Justiz hat die Polizei um Unterstützung gebeten. „Wir stufen das Verfahren als sensibel ein und wollen auf alles vorbereitet sein“, sagt der Direktor des Amtsgerichts Hameln, Dr. Herbert Seutemann, auf Anfrage der Dewezet. Es geht um die juristische Aufarbeitung einer Massenschlägerei an der Deisterallee, bei der am Nachmittag des 10. August 2011 sieben Menschen teils schwer verletzt wurden. Es soll seinerzeit um verletzte Ehre gegangen sein. Am Tatort hatten Kriminalisten Messer, Baseballschläger, Latten und eine Gaspistole sichergestellt.

veröffentlicht am 02.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

VON ULRICH BEHMANN
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Vier Angeklagte – Mutter (56), Vater (53) und zwei Söhne (23, 33) – müssen sich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vor und bezeichnet die Tat als eine „das Leben gefährdende Behandlung“. Der Frau wird Beihilfe zur Last gelegt. Sie soll gerufen haben: „Schlag sie weiter, bis sie tot sind.“

Der Vorwurf des versuchten Totschlags scheint vom Tisch zu sein. Kurz nach der Tat standen Vater und Söhne – noch im Verdacht, ein versuchtes Tötungsdelikt begangen zu haben. Sie sollen mit Latten und Knüppeln gezielt auf den Kopf ihres Opfers geschlagen haben. Ermittler gingen zunächst davon aus, „dass sie den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen haben“.

Die beiden Familien, die aneinandergeraten sind, sollen eng miteinander verwandt und verschwägert sein. Sowohl die eine als auch die andere Familie stammt ursprünglich aus dem Libanon. Sie sehen sich weder als Kurden noch als Türken. „Es sind Araber vom Stamm der Mardelli, die auch Mhallami genannt werden“, so eine zuverlässige Quelle. Mardelli ist von der Herkunftsgegend Mardin abgeleitet. Im Beirut (Libanon) werden die Mardelli als Kurden bezeichnet. Die Kurden aber sagen, die Mardelli seien keine Kurden. Und die Türken nennen sie „die Araber“. „Wir sind ein eigenes Volk, sprechen Arabisch und haben unsere Wurzeln in der Osttürkei“, sagt ein Stammesmitglied. Die meisten Mardelli kamen während des Bürgerkrieges im Libanon nach Deutschland.

In Hameln war es offenbar so, dass sich ein Mann von seiner Frau getrennt hat. Die beiden Familien sollen zunächst damit einverstanden gewesen sein, dem Paar, das Kinder hat, die Gelegenheit zu geben, eine Ehepause einzulegen. Man hatte die Hoffnung, dass die Eheleute wieder zusammenfinden werden. Jemand aus dem Umfeld der Beteiligten sagte gestern im Gespräch mit der Dewezet: „Die Brüder der Frau und der Ehemann haben sich gegenseitig beleidigt. Ein Wort gab das andere.“ Die Sache sei zum Schluss total aus dem Ruder gelaufen. Aus guten Freunden seien plötzlich verbitterte Feinde geworden. „Das Paar hat sich leider getrennt.“ Ein arabischer Streitschlichter habe nach der Fehde zwischen den Familien vermittelt. „Die Lage hat sich beruhigt. Viele Probleme sind inzwischen ausgeräumt. Sie sind fast wieder Freunde“, wird behauptet.

Das Opfer (32), das im August auf den Kopf geschlagen und dreimal mit einer Gaspistole beschossen worden sein soll, tritt vor Gericht als Nebenkläger auf – nicht gerade ein Zeichen, das auf Vergebung hindeutet. Bei dem 32-Jährigen handelt es sich um den Mann, der sich von seiner Ehefrau getrennt hatte. Er soll bereits am 31. Mai vor der Polizeiwache an der Lohstraße von dem 33-jährigen Angeklagten – er ist ein Bruder der Frau – angegriffen und verletzt worden sein. Sein Mandant leide noch heute physisch und psychisch unter den Folgen der beiden Attacken, sagt Opfer-Anwalt Sven Bielefeld. „Er will, dass der Täter zur Verantwortung gezogen wird.“ Schon im Mai soll es um die Trennung des Paares gegangen sein.

Strafverteidiger Roman von Alvensleben, der den Angeklagten (33) vertritt, der seinen Schwager im Mai und im August angegriffen und erheblich verletzt haben soll, hätte sich eine außergerichtliche Einigung gewünscht. „Ein Täter-Opfer-Ausgleich wäre meiner Meinung nach das Mittel der Wahl gewesen. Ein verständigendes Gespräch, eine Schmerzensgeldzahlung und eine spürbare Geldauflage zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung hätten eine deeskalierende Wirkung gehabt“, meint der Rechtsanwalt. „Ein Gerichtsverfahren kann alte Wunden wieder aufreißen. Neuer Hass könnte entstehen, wenn die eine Partei die andere während der Beweisaufnahme der Lüge bezichtigt.“ Ähnlich argumentiert Verteidiger Tilmann Oltersdorf: „Eine gütliche Einigung hätte für alle Beteiligten Vorteile gehabt.“

Der Tatort Deisterallee am 10. August 2011: Zwei Frauen kümmern sich

um eine Verletzte, Sanitäter treffen ein, Polizisten mit suchen nach Spuren.ube



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