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Ravelin-Camp ist inzwischen Weide, Tummelplatz für allerlei Getier und Biotop für seltene Pflanzen

Schafe statt Soldaten

Hameln. Die Natur erobert sich ihr Terrain zurück: Das Ravelin-Camp, die zurückgelassene Militärbrache der Briten, ist ein Paradies für Pflanzen und Tiere. Auch Schafe. Die nebenberuflichen Schäfer Sonja Kabuß und Christian Pardey halten dort, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, rund 120 Schafe und 15 Ziegen.

veröffentlicht am 05.01.2016 um 17:42 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 23:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. TRuchseß
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Viele Hamelner haben Ideen, was auf den von den Briten aufgegebenen Flächen gemacht werden könnte. Zwei Schäfer haben nicht erst gewartet, bis die Soldaten abgezogen waren – sie haben bereits zugegriffen, nachdem die Briten das Gelände nicht mehr nutzten und mit der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten, im Jahr 2010 einen bis 2024 geltenden Vertrag abgeschlossen, um das südlich des Roten Bergs gelegene Gelände des Ravelin-Camps langfristig zu pachten und landwirtschaftlich zu nutzen.

Es sind die beiden nebenberuflichen Schäfer Sonja Kabuß und Christian Pardey, die dort, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, rund 120 Schafe und 15 Ziegen halten und für sich in Anspruch nehmen, die Tiere nach Demeter-Standard zu pflegen und zu ernähren. Nur wenig oberhalb der insgesamt 42 Hektar großen Fläche liegt der Forst am Wehl, die mit Wirkung vom 1. Juni 2015 zum „Nationalen Naturerbe“ erklärt worden war und seitdem forstwirtschaftlich nicht mehr genutzt wird und, wie schon in den Jahren zuvor, ein wenig begangenes Naherholungsgebiet für die Stadt Hameln ist.

Schon 2008 hatte Pardey während einer Reserveübung bei der Bundeswehr, bei der er auf dem Gelände als Feldwebel in einem Feldlazarett tätig war, den Gedanken, auf dem Ravelin-Camp eine ökologisch geführte Schäferei einzurichten, denn von den 42 Hektar war mit 27 Hektar mehr als die Hälfte ungenutztes Weideland – ideal für Schafe jeglicher Art, wie Kabuß und Pardey sie mittlerweile mit den nur in Österreich und dem Weserbergland vorkommenden Bunten Bergschafen halten.

Dazu kommen Heid- und Moorschnucken sowie das Coburger Fuchsschaf. Ziel, der sich noch in Gründung befindlichen gGmbH der beiden Schäfer, ist die Errichtung eines Natur-Erlebnishofes nach dem Vorbild der Heinz-Sielmann-Stiftung.

Rotmilan, Habicht

und Turmfalke jagen auf der Militärbrache

Aus der schon von den Nationalsozialisten genutzten Militärbrache ist mittlerweile ein Biotop entstanden, in dem ungestört seltene Pflanzen gedeihen, der Rote Milan, Habichte und Turmfalken jagen; auch ein Steinkauz lässt sich nachts hören. Blindschleichen und Kreuzottern, Feuersalamander, Zaun- und Waldeidechsen tummeln sich und Wildschweine haben ein Rückzugsgebiet.

„Bis zu sechzig Tiere haben wir hier gezählt“, berichtet der Schäfer, der im Hauptberuf Fachmann für Arbeitssicherheit ist. Einen Dachs hat Pardey registriert und auch zwei Fuchsfamilien, auf die seine Border Collies ein wachsames Auge haben, damit sie keines der Lämmer reißen.

Nahe den alten Reihenhäusern der Briten hängen an den Bäumen Wohnungskästen für Fledermäuse. Als Pardey einen der Kästen öffnet, muss er feststellen, dass sich in der Behausung der nachtaktiven fliegenden Säugetiere im Sommer Hornissen ein Nest gebaut haben. Ein Paradies ist das Gelände auch für die verschiedensten Spechtarten.

„Wir haben hier die größte Spechtpopulation in Norddeutschland“, berichtet der 52-Jährige und erklärt dies mit den vielen von Würmern zerfressenen Bäumen, die hier ihrem Schicksal überlassen bleiben und beispielsweise Neuntötern reichlich Nahrung bieten. Unmengen von Ameisen haben sich auf den Weiden angesiedelt und bilden mit ihren Bauten unregelmäßige, bis zu 30 Zentimeter hohe Hügel. Auch sie sind für Spechte ein gefundenes Fressen. Die Schafe von Sonja Kabuß und Christian Pardey stören sich nicht an ihnen. „Die fressen rundherum alles weg und lassen die Ameisen in Ruhe“, hat der Schäfer beobachtet.

Von Anfang März bis Ende Oktober haben die beiden Pächter häufig Besuch von Schulklassen oder Kindergartenkindern. „Als die Engländer noch in der Weser-School unterrichteten, kamen jährlich bis zu 800 Kinder, die hier Kontakt mit den Tieren haben konnten. Jetzt sind es noch immer bis zu 200 Schüler, die zu uns kommen und die Tiere bestaunen. Das Highlight für sie ist am Ende immer das Füttern von Lämmern mit der Flasche.“



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